Wirtschaft
Amazon-Gründer Jeff Bezos ist mit seinem Raumfahrtunternehmen Blue Origin nur einer von vielen schwerreichen Luftfahrtpionieren der Neuzeit.
Amazon-Gründer Jeff Bezos ist mit seinem Raumfahrtunternehmen Blue Origin nur einer von vielen schwerreichen Luftfahrtpionieren der Neuzeit.(Foto: REUTERS)
Samstag, 29. April 2017

Traum vom Fliegen 2.0: Milliardäre wetteifern um die Lufthoheit

Von Christoph Rieke

Nicht nur am Boden ist mit dem autonomen Fahren eine Revolution im Gange. Auch in der Luft ist ein neues Pionierzeitalter angebrochen. Milliardenschwere Unternehmer investieren massiv in visionäre Projekte. Ein Überblick.

Ein neues Pionierzeitalter ist angebrochen. Kaum ein Tag vergeht, an dem kein neues Projekt zum autonomen Fahren, zum Einsatz von Robotern oder zu neuen Luftfahrzeugen bekannt wird. Insbesondere den Bereich des Fliegens umgibt ein Hauch von Science Fiction. "Amazon-Gründer schießt Milliarden ins All", "Uber stellt Konzept für fliegende Taxis vor" oder "Google-Gründer verhilft Auto zum Fliegen" sind nur drei Nachrichten über Neuerungen, die jüngst für Furore sorgten.

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Nun wurde ein weiteres visionäres Projekt bekannt: Laut Bloomberg hat Sergey Brin seinen lang gehegten Traum wahr gemacht und ein Luftschiff gebaut. Was der Google-Mitbegründer mit dem futuristisch anmutenden und Zeppelin-artigen Gefährt aus dem Hangar 2 des Nasa Ames Research Center im Silicon Valley konkret vorhat, wollten die Informanten allerdings nicht verraten. Die aktuellen Zukunftsprojekte verdeutlichen: Der Traum vom Fliegen hat neue Dimensionen erreicht - und wird damit immer realer.

Weltraum-Duo Musk und Bezos

Die Luftfahrtpioniere von einst sind Otto Lilienthal, Ferdinand Graf von Zeppelin und die Gebrüder Wright. Beim Blick in die Gegenwart fällt auf: Hinter den visionären Luftfahrtplänen von heute stecken meist erfolgreiche Unternehmer aus Amerika. Und diese pumpen enorme Summen in ambitionierte Forschungsprojekte - allen voran Elon Musk.

Elon Musk ist die Welt nicht genug.
Elon Musk ist die Welt nicht genug.(Foto: imago/ZUMA Press)

Der 45-Jährige ist mit Tesla nicht nur Vorreiter im Bereich E-Mobilität, Musk greift auch nach den Sternen. Ende März dieses Jahres schickte seine Raumfahrtfirma SpaceX die wiederverwendbare Rakete "Falcon 9" erfolgreich ins All. Schon im Jahr 2018 will Musk zwei Touristen zum Mond schicken, später will er mit dem "Mars Colonial Transporter" den roten Planeten erobern.

Musk ist im Weltraumgeschäft nicht allein unterwegs. Sein größter Konkurrent ist Jeff Bezos, er ist mit 75,6 Milliarden Dollar der drittreichste Mensch der Welt. Der 53-Jährige hat sein Vermögen mit dem Online-Händler Amazon gemacht, der auch beim Einsatz von Paket-Drohnen ein Vorreiter ist. Bezos kündigte vor kurzem an, massiv in sein Weltraumunternehmen Blue Origin zu investieren. Für dieses Jahr plant die Firma bemannte Testflüge mit der Rakete "New Shepard". Schon 2018 will Blue Origin Weltraumflüge für zahlende Kunden anbieten.

Google-Gründer mit Millioneninvestments

Etwas weniger hoch hinaus wollen Sergey Brin und Larry Page. Doch die beiden Google-Gründer sind nicht minder visionär. Während Brin auf dem Nasa-Gelände neben der Google-Zentrale im kalifornischen Mountain View offenkundig am Bau eines Luftschiffs - wozu auch immer - tüftelt, scheint sich Page intensiv mit seiner Vision einer Ein-Mann-Drohne für den zivilen Luftverkehr auseinanderzusetzen. Hierzu hat Page seit 2010 mehr als 100 Millionen Dollar in die Fluggerätefirma Zee Aero investiert. Deren Tochter Kitty Hawk entwickelte schließlich den "Flyer". Vor wenigen Tagen absolvierte ein Prototyp der Einsitzer-Riesendrohne erfolgreich einen Testflug in Kalifornien.

Dass es auch ohne massive und millionenschwere Rückendeckung geht, beweist die Firma Pal-V. Das niederländische Unternehmen ist sehr viel weiter in der Entwicklung eines bemannten Fluggeräts als die meisten Konkurrenten: Einen ersten erfolgreichen Test seines gleichnamigen Flugautos ("Personal Air and Land Vehicle") gab es bereits 2012. Seit Februar dieses Jahres können Interessenten das "Pal-V" vorbestellen. Im kommenden Jahr sollen die Vehikel mit Propeller dann ausgeliefert werden.

Testgelände Dubai

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Auch Uber teilte jüngst mit, ein Flugauto bauen und in der Zukunft Staus überfliegen zu wollen. Demnach arbeitet der Fahrdienst gemeinsam mit dem US-Hubschrauberhersteller Bell Helicopter und dem brasilianischen Flugzeugbauer Embraer an der Entwicklung eines fliegenden Taxis. Bei der Weltausstellung Expo 2020 will Uber sein Taxinetzwerk namens Uber Elevate im Stadtverkehr von Dubai präsentieren.

Wie sich ein Flug zwischen den Wolkenkratzern der Metropole am Persischen Golf anfühlt, können Emiratis schon diesen Sommer ausprobieren. Ab Juli testet Dubai den Betrieb von Ein-Mann-Drohnen des chinesischen Herstellers Ehang. Die selbstfliegenden Quadcopter vom Typ "184" sollen in einer Maximalhöhe von 300 Metern herumschwirren.

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Etwas niedriger setzt Airbus die Flughöhe für sein Flugtaxi-Projekt an. Gemeinsam mit Siemens arbeitet der Flugzeugbauer am "City-Airbus", der 150 Meter über dem Erdboden fliegen soll. Das Fluggerät soll wie die Drohnen in Dubai ohne Piloten auskommen und zugleich mehrere Passagiere von A nach B befördern. In wenigen Monaten will Airbus wohl die Testphase seines Flugtaxis einleiten.

Himmelfahrt mit Hürden

Obwohl der neu entfachte Traum vom privaten Flugvergnügen in greifbare Nähe gerückt ist, gilt es für Freunde des kombinierten Fahr- und Flugvergnügens noch einige Hürden zu nehmen. Dazu zählt nicht nur ein tiefer Griff ins Portemonnaie: Eine Ehang-Drohne soll rund 250.000 Euro, ein "Pal-V" etwa das Doppelte kosten.

Allgemein sind hierzulande auch strenge Vorgaben zu beachten. Um ein Flugauto führen zu dürfen, muss der Pilot eine Auto-Fahrerlaubnis und einen Privatpilotenschein mit einer entsprechenden Musterberechtigung besitzen. Außerdem darf ein Flugauto nur von offiziellen Flugplätzen starten und dort wieder landen.

Wegen des steigenden Aufkommens von Drohnen im Luftverkehr gilt es darüber hinaus als wahrscheinlich, dass die Regeln für den Luftraum in naher Zukunft verschärft werden. Erst Ende April warnte die Deutsche Flugsicherung vor wachsenden Gefahren im Flugverkehr und forderte die Politik dazu auf, die erst kurz zuvor verschärften Drohnenbetriebsvorschriften entsprechend zu ergänzen. Spätestens für den Zeitpunkt, an dem Flugautos aufkommen, erscheinen weitere Reformen nötig.

Die Visionäre von heute wird das jedoch nicht von ihrem Weg abbringen. Sie werden die Umsetzung ihrer Pläne weiter vorantreiben. Die Flugprojekte deuten mehr denn je darauf hin, dass Staus in naher Zukunft tatsächlich überflogen werden können. Dann würde sich bewahrheiten, was Doc Brown im Science-Fiction-Klassiker "Zurück in die Zukunft" zu Marty McFly sagte: "Wo wir hinfahren, brauchen wir keine Straßen."

Quelle: n-tv.de