Wirtschaft

Venezuela ist abgeblitzt Opec ertränkt die Konkurrenz weiter in Öl

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(Foto: REUTERS)

Seit Monaten übersteigt das Ölangebot die weltweite Nachfrage. Experten prognostizieren einen Förderrückgang wie seit einen Vierteljahrhundert nicht. Doch der wird nicht von den Golf-Staaten kommen.

Saudi-Arabien sorgt für neuen Druck am Ölmarkt. Das Land hat Medienbericht zufolge eine außerplanmäßige Opec-Konferenz abgelehnt. Um das Treffen hatte Venezuela gebeten, das erheblich unter dem Preisverfall leidet. Die Saudis seien der Ansicht, dass eine Sondersitzung der Opec nicht zu konkreten Maßnahmen zur Ölpreisstützung führen würde, meldet Reuters unter Berufung auf ungenannte Quellen. Die arabischen Ölminister hätten den venezolanischen Vorschlag während einer Zusammenkunft in Katar erörtert.

Derweil haben die Analysten von Goldman Sachs ihre Prognose für den Brent-Preis im kommenden Jahr gesenkt. Die Opec-Förderung sei höher als erwartet, und Iran habe das Potenzial, seine Fördermenge im kommenden Jahr zu steigern, hieß es. In der Goldman-Studie heißt es aber auch, dass die Ölpreise in den kommenden sechs bis neun Monaten den Boden erreichen dürften. Die US-Fördermenge dürfte ausreichend stark sinken, um den Markt allmählich wieder ins Gleichgewicht bringen. Ab 2017 müsste die US-Förderung jedoch wieder zunehmen, weil dann abermals ein Ausbalancieren des Marktes notwendig sei.

Größte Drosselung seit Ende der SU

Dagegen ist die Internationale Energieagentur (IEA) der Ansicht, dass der tiefe Sturz der Ölpreise die USA und andere Länder außerhalb Opec im kommenden Jahr zu starken Förderkürzungen zwingen könnte. Im Gegenzug könnte die Opec ihre Hähne noch weiter aufdrehen.

In ihrem Monatsbericht erklärte die Agentur, der jüngste Preisabsturz dürfte in den Ländern außerhalb der Opec zu einer Förderdrosselung um fast eine halbe Million Barrel pro Tag führen. Diese Kürzungen könnten bis Ende 2016 den größten Förderrückgang seit dem Ende der Sowjetunion zur Folge haben. "Das niedrige Preisumfeld zwingt die Marktteilnehmer dazu, den Ausstoß zu drosseln und die Nachfrage anzuregen", erklärte die IEA.

Angebot steigt schneller als Nachfrage

Die Vorhersagen scheinen die Strategie des wichtigsten Opec-Landes, Saudi-Arabien, zu bestätigen. Das Königreich hat seine Förderung trotz der niedrigen Preise auf einem hohen Stand gehalten, um Marktanteile zu verteidigen. In der Vergangenheit hatte Saudi-Arabien bei Preisschwächen die Förderung zurückgefahren.

Die IEA sagt für 2015 ein Wachstum der täglichen Ölförderung um 1,7 Millionen Barrel voraus, der höchste Zuwachs seit fünf Jahren. 2016 dürfte die Förderung um weitere 1,4 Millionen zunehmen. Für die Ölnachfrage sagt die Agentur Zuwächse um rund 200.000 Barrel in diesem und im nächsten Jahr voraus.

Die IEA ist die Denkfabrik der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die Agentur war 1974 als Reaktion der Industrieländer auf die erste Ölkrise gegründet worden. Sie berät ihre 29 Mitgliedsländer in Energiefragen. Außerdem verfügt die Agentur über strategische Ölreserven, mit denen sie in den Ölmarkt eingreifen kann.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts/DJ

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