Wirtschaft

Glückliche Anleger Wie lange hält die Euphorie bei RWE?

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In Feierlaune - RWE-Anlegern dürfe es am Dienstag ähnlich gegangen sein.

(Foto: REUTERS)

Die geplante Aufspaltung von RWE sorgt für kräftige Kursgewinne. Doch das Beispiel des Konkurrenten Eon zeigt: Die Begeisterung der Aktionäre kann schnell verfliegen.

Der Dezember ist die Zeit der Geschenke. Für RWE-Aktionäre gab es bereits am Monatsersten ein besonders großes: Der angeschlagene Versorger will die Sparten Erneuerbare Energien, Netze und den Vertrieb in einer neuen Tochterfirma bündeln und sie Ende 2016 an die Börse bringen. Dabei sollen rund zehn Prozent der neuen Firma im Zuge einer Kapitalerhöhung platziert werden.

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Die Nachricht begeistert Investoren – auch wenn sie nicht ganz überraschend kommt. Finanzchef Bernhard Günther hat bereits bei der Vorlage der Neun-Monats-Zahlen am 12. November angekündigt, dass RWE darüber nachdenke, den Konzern nach dem Vorbild von Eon aufzuspalten. "Damit muss man sich ernsthaft befassen", hatte Günther gesagt. "Die Situation ist angesichts der Entwicklung der Strompreise in diesem Jahr leider nicht leichter geworden."

Ablenkung von trüben Perspektiven

Auch wenn das Szenario an das bei Eon im Frühjahr erinnert, gleich sind die Modelle nicht: RWE trennt aussichtsreiche Bereiche ab, um später über Kapitalerhöhungen Geld für das Wachstum des Geschäfts einsammeln zu können. Eon überführt Anfang 2016 die Kohle- und Gaskraftwerke sowie den Energiehandel in die neue Gesellschaft Uniper. Beim Konzern bleiben das Ökostromgeschäft, die Strom- und Gasnetze und - entgegen den ursprünglichen Planungen - auch die Atomkraftwerke.

Das neue RWE-Geschäftsmodell lenkt zumindest kurzfristig von den trüben Geschäftsperspektiven ab. Zuletzt hatte der Konzern hinter die ohnehin schon wenig optimistische Prognose für das Gesamtjahr ein Fragezeichen gesetzt. Möglicherweise werde das Ziel eines bereinigten Gewinns von 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro nur knapp erreicht.

Das wäre ein Einbruch gegenüber dem 2014er-Wert von 2,3 Milliarden Euro. Die Investoren waren zudem verunsichert, weil das Management eine klare Dividendenaussage schuldig blieb. Die Analysten haben in den vergangenen Monaten dementsprechend ihre Schätzungen immer weiter gesenkt. Derzeit gehen die Finanzprofis von einer Dividende von nur mehr 0,72 Euro für 2015 aus.

Steht demnächst eine Kapitalerhöhung an?

Dennoch könnte die Erholung der Aktie nun noch eine Weile andauern. Sollte der Anstieg bis in den Bereich von 14 Euro weitergehen, könnte das Thema Kapitalerhöhung bei RWE selbst noch einmal auf die Tagesordnung kommen. Vorstandschef Peter Terium hatte sie selbst im November ins Spiel gebracht. "Wir brauchen Geld für Wachstum. Zur Zeit kriegen wir das nicht", sagte er. "Ich möchte aber nicht ausschließen, dass das Thema Kapitalerhöhung noch mal auf die Agenda kommt."

Angesichts des Kapitalbedarfs für Investitionen macht es keinen Sinn bis Ende 2016 zu warten. Vielmehr könnte Terium die deutlich verbesserte Stimmung für die Aktie und den kräftigen Kursanstieg nutzen, um bereits in den nächsten Wochen und Monaten eine Kapitalerhöhung zu starten.

Wie lange die Erholung der RWE-Aktie weitergeht, ist schwer vorherzusehen. Immerhin hatte die Aktie des Konkurrenten Eon von der Anfang Dezember 2014 angekündigten Abspaltung nur wenige Tage profitiert, woraufhin es in den Folgemonaten – wegen des anhaltenden Rückgangs der Strompreise - kräftig abwärtsgegangen ist. Heute notiert die Eon-Aktie um fast 40 Prozent unter dem Niveau, an dem sie am Tag der Ankündigung der Abspaltung notiert hatte. Dennoch sollten die neuen Pläne des Managements von RWE das Papier zumindest kurzfristig beflügeln.

Quelle: ntv.de