Marktberichte

Trump und die Folgen für den Dax Bankenwerte sind gesucht - und sonst?

Noch immer ist der Sieg Trumps bei den US-Präsidentschaftswahlen das Thema am Aktienmarkt. Die Stimmung pendelt zwischen Schock und Euphorie. Es gibt Gewinner und Verlierer - wie im Dax auch an der Wall Street.

"Man traut Trump noch nicht so recht über den Weg, genau deshalb, weil man nicht weiß, was er machen wird." So kommentierte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel zum Wochenschliss die Situation am deutschen Aktienmarkt und lieferte damit die Begründung für den schleppenden Handelsverlauf. "Die Anleger zögern." Bereits am Donnerstag hatten fallende Kurse der US-Technologiewerte dem Höhenflug des Dax' ein vorläufiges Ende bereitet - nach drei Handelstagen mit Aufschlägen in Folge. Im Anschluss war der Dow allerdings auf einen Rekordstand geklettert. Gewinnmitnahmen und Stockpicking bestimmten das Bild am Freitag.

Der Dax schloss 0,4 Prozent im Plus bei 10.668 Punkten. Der MDax verabschiedete sich mit 20.381 Zählern 0,5 Prozent tiefer. Der TecDax, der bereits am Donnerstag deutlich eingebüßt hatte, drehte 1,1 Prozent ins Minus auf 1696 Stellen.

Konjunktur: Trump und die US-Zinsen

"Die Tragweite der Wahl, vor allem mit der Mehrheit der Republikaner in beiden Häusern des Kongresses, ist noch gar nicht voll erfasst worden", sagte ein Händler. Gesetze in den USA könnten nun ohne Blockaden wesentlich schneller umgesetzt werden als bisher.

Der Ausverkauf am Rentenmarkt ging weiter, wenn auch mit verminderter Geschwindigkeit. Von seinem Kontrakthoch vom 30. September bei 166,36 Prozent hatte der Terminkontrakt auf Bundesanleihen mittlerweile mehr als 6 Prozentpunkte verloren. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen war parallel dazu von minus 0,15 auf plus 0,27 Prozent gestiegen. Hintergrund war die Spekulation auf steigende Zinsen in den USA angesichts der Pläne Trumps, mit erhöhten Staatsausgaben Infrastrukturprojekte anzustoßen.

Andererseits will Trump auch die Regulierungen im Finanzsystem lockern, was den Finanzwerten auf die Sprünge half. "Aktien, die jahrelang zertrümmert wurden, könnten sich fangen und endlich eine Erholung einleiten", sagte Daniel Saurenz von Feingold Research. "Allen voran geht das für den Bankensektor: Steigende Anleihezinsen verbessern die Geschäfte der Banken und vor allem Deutsche Bank oder Commerzbank könnten hierzulande zu den Gewinnern der nächsten Jahre gehören, die Durststrecke enden", erläuterte er. 

Dax: Allianz liefert, Banken gefragt

Deutsche Bank und Commerzbank, bereits am Mittwoch und Donnerstag auf der Gewinnerseite, legten weiter zu. Deutsche Bank gewannen rund 4 Prozent, Coba etwa 1 Prozent. Ebenfalls gefragt waren Allianz, deren Anteilsscheine einen Aufschlag von fast 1,5 Prozent verbuchen konnten. Der Versicherer hatte im dritten Quartal vor allem im Geschäft mit Lebens- und Krankenversicherung deutlich mehr verdient als erwartet. Ein Händler sprach von "brillanten" Zahlen.

Titel von Innogy, Tochter des Dax-Konzerns RWE, gaben 4 Prozent nach. Grund waren die Ergebnisse der ersten neun Monate. Kritisiert wurde nicht allein der gemeldete Gewinnrückgang, sondern dessen Begründung: "Es kann doch nicht sein, dass man an die Börse geht und einen Monat später plötzlich irgendein Einmaleffekt eingebucht wird", kommentierte ein Händler. Dies hätte per Börsengang klar sein müssen. Etwas stützend auf den Kurs wirke aber, dass die Aktien in den letzten zwei Tagen bereits über 10 Prozent verloren habe. RWE verloren 3 Prozent.

Siemens, einer der Topgewinner vom Donnerstag, drehten nach Anfangsgewinnen ins Minus und schlossen etwa 1,0 Prozent tiefer. Dennoch verwiesen Marktteilnehmer auf die Geschäftszahlen von Gamesa, die besser als erwartet ausgefallen waren. Die Gamesa-Aktionäre hatten im Oktober der geplanten Zusammenlegung der Aktivitäten von Gamesa und Siemens im Bereich Windkraft zugestimmt. Aus der Fusion geht der weltgrößte Hersteller von Windturbinen hervor.

USA: Tech-Baisse belastet

Die Kurse an der Wall Street wurden zum Wochenschluss von Gewinnmitnahmen und einer anhaltenden Schwäche der Tech-Aktien belastet. Händlern zufolge wird die Tech-Branche eher nicht vom erwarteten Konjunkturprogramm des neuen Präsidenten Trump profitieren. "Die Nasdaq kommt unter Druck, weil Trumps Einstellung zum Silicon Valley nicht gerade gut ist", sagte Peter Cardillo, Marktstratege beim Broker First Standard Financial. Der Dow-Jones-Index schloss am Abend (Ortszeit) 0,2 Prozent im Plus bei 18.847 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,1 Prozent auf 2164 Zähler, der Nasdaq100 gewann 0,1 Prozent auf 4752 Punkte.

Vor allem Aktien von Unternehmen aus "klassischen" Wirtschaftszweigen hatten an den vergangenen beiden Tagen nach der überraschenden Wahl Trumps kräftig zugelegt. Diese dürften von den geplanten Infrastrukturmaßnahmen Trumps profitieren, so die Überlegung der Marktteilnehmer.

Die Technologiebranche gilt dagegen als Verlierer der protektionistischen Pläne des designierten Präsidenten. Ihre Aktien haben die Rally der beiden vergangenen Tage nicht mitgemacht, sondern kräftige Verluste verzeichnet. Während seines Wahlkampfs hatte Trump vor einer Technologieblase gewarnt und zudem angekündigt, Unternehmen der Branche dazu zu zwingen, ihre Produktion aus China zurück in die USA zu verlegen. Zum Wochenausklang holte der Technologie-Sektor allerdings einen kleinen Teil der jüngsten Rally nach.

Unter den Einzelwerten stach die Nvidia-Aktie hervor, die ein Plus von 29,7 Prozent verzeichnete. Der Entwickler von Grafikprozessoren hatte am Vortag nach Börsenschluss überraschend gute Quartalszahlen vorgelegt und einen optimistischen Ausblick gegeben.

Devisen: Euro um 1,09

Der Euro setzte seine Talfahrt fort. Die Gemeinschaftswährung, die vom Hoch am Mittwoch bei 1,13 Dollar gestanden war, notierte am Freitagabend bei 1,0848 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag noch auf 1,0904 Dollar fest nach 1,0895 Dollar am Donnerstag und 1,1022 Dollar am Mittwoch.

An den internationalen Finanzmärkten herrsche Zuversicht, der neue US-Präsident werde nicht für Verwerfungen und Handelskonflikte sorgen, schrieb Ralf Umlauf, Experte bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Der Dollar tendiere daher fest. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann riet zu "Besonnenheit und Gelassenheit" nach dem Trump-Sieg. Der neu gewählte US-Präsident sollte mit dem beim Wort genommen werden, was er nach seinem Wahlsieg erklärt habe.

Rohstoffe: Ölpreis fällt deutlich

Der Ölpreis brach wieder einmal ein. Der Preis für ein Barrel Rohöl der US-Sorte WTI sank zum US-Settlement um 2,7 Prozent auf 43,43 Dollar, nachdem er zwischenzeitlich den tiefsten Stand seit sieben Wochen markiert hatte. Für Brent ging es um 2,4 Prozent auf 44,72 Dollar nach unten.

Die Wahlentscheidung in den USA ist mittlerweile am Rohölmarkt in den Hintergrund getreten. "Der Trump-Faktor ist vorüber", sagte Jonathan Barratt vom Finanzdienstleister Ayers Alliance Securities. "Jetzt geht es wieder um Angebot und Nachfrage", meint Barratt. Die Förderpolitik der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) rücke wieder in den Fokus. Zuletzt waren Zweifel daran gewachsen, dass das Ölkartell und Russland eine beschlossene Begrenzung der Förderung tatsächlich umsetzen können. Zudem lastet laut Händlern auch der steigende Dollar auf den Ölpreisen. Ein steigender Dollar macht Rohöl für Anleger aus anderen Währungsräumen teurer und dämpft so die Nachfrage.

Asien: Nikkei schenkt Gewinne fast her

Die Aktienmärkte in Fernost fanden am Freitag keine gemeinsame Richtung. Der Nikkei schloss 0,2 Prozent höher bei 17.374 Punkten. Der Shanghai Composite legte 0,8 Prozent auf 3196 Stellen zu. Der Hongkonger Hang-Seng-Index gab dagegen 1,4 Prozent auf 22.499 Punkte ab. Der Seouler Kospi verbilligte sich 0,9 Prozent auf 1984 Zähler. Der S&P/ASX200 legte 0,8 Prozent auf 5371 Punkte zu. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans notierte dagegen 1,2 Prozent im Minus.

Für Aufwind sorgten Spekulationen auf großangelegte Infrastruktur-Investitionen nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Da die damit verbundenen höheren Ausgaben die Inflation anheizen könnten, machte die Aussicht auf steigende US-Zinsen Anleger an Märkten außerhalb Japans nervös. Sie fürchten den Abzug ausländischen Geldes aus ihrer Region.

Bei den Einzelwerten gewannen in Tokio Dai-ichi Life fast 9 Prozent. Die Titel des Wettbewerbers MS&AD Insurance kletterten 2,3 Prozent. Toshiba-Aktien verteuerten sich knapp 1 Prozent. Der von einem Bilanzskandal erschütterte Elektronik-Konzern arbeitete sich im abgelaufenen Quartal operativ in die Gewinnzone vor. Eine hohe Nachfrage nach Speicherchips für Smartphones trieb das Geschäft an. Die Titel von Toyota legten 2 Prozent zu. Die Aktien des Autobauers profitierten wie andere Exportwerte vom schwächeren Yen.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/rts/dpa

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