Marktberichte

Wall Street legt kräftig zu Corona-Mittel und Fed verbreiten gute Laune

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(Foto: picture alliance/dpa)

Die US-Wirtschaft schrumpft wegen der Coronavirus-Krise allein im ersten Quartal um 4,8 Prozent. Davon lassen sich die Wall-Street-Anleger nicht die Stimmung vermiesen: Wie verrückt investieren sie ihr Geld unter anderem in den Pharmariesen Gilead, der ein Mittel gegen die Covid-19 zur Hand haben könnte.

In der Hoffnung auf ein rasches Ende der Coronavirus-Krise sind Anleger mit vollen Händen in den US-Aktienmarkt eingestiegen. Zusätzlichen Schub erhielten die Leitindizes von positiv aufgenommenen Firmenbilanzen. Auch die US-Notenbank Fed trug mit ihrer Leitzins-Entscheidung zur guten Stimmung bei.

Der Standardwerteindex Dow Jones schloss am Abend in New York um 2,3 Prozent höher auf 24.658 Punkte. Der technologielastige Nasdaq gewann 4,3 Prozent und der breit gefasste S&P 500 3,0 Prozent.

S&P 500
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Erfreut reagierten Investoren auf die Aussage des US-Pharmakonzerns Gilead, das Medikament Remdesivir habe bei Tests an Corona-Patienten ermutigende Ergebnisse gezeigt. "Das seien gute Nachrichten, sagte Anlagestrategin Linda Duessel vom Vermögensverwalter Federated Hermes. "Während wir auf einen Impfstoff warten, suchen wird nach irgendetwas, dass uns dabei hilft, uns wieder in Gesellschaft zu begeben." Gilead-Aktien stiegen um 6,8 Prozent.

Börsianer ließen sich ihre Stimmung auch nicht vom Einbruch der US-Wirtschaft im ersten Quartal vermiesen. Die weltgrößte Volkswirtschaft schrumpfte wegen der Virus-Krise um überraschend starke 4,8 Prozent. Experten warnen, den USA drohe der stärkste Einbruch seit der Weltwirtschaftskrise vor fast 100 Jahren. "Diese Zahlen sind rückblickend", sagt dagegen Chris Zaccarelli, Chef-Anleger des Vermögensberaters Independent Advisor Allianace. "Die Märkte blicken aber weiterhin voraus." Sie setzten auf eine rasche Lockerung der Coronavirus-Restriktionen und mittelfristig auf die Entwicklung eines Impfstoffs.

Ölpreise ziehen wieder an

Unterstützung erhielten die Börsianer von der US-Notenbank Fed. Nach zweitägigen Beratungen erklärten die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell, dass sie den Leitzins unverändert bei nahe Null belassen werden. Die Pandemie führe zu "einem scharfem Rückgang der Wirtschaftsleistung und einem Anstieg der Arbeitslosigkeit", warnte die Zentralbank. In "diesen herausfordernden Zeiten" gelte es die gesamte Bandbreite der Instrumente zur Stützung der Wirtschaft zu nutzen.

Gilead Sciences
Gilead Sciences 65,67

Am Rohölmarkt zogen die Preise erneut an. Die US-Sorte WTI legte gut 23 Prozent auf 15,50 Dollar je Barrel (159 Liter) zu. Auslöser der Rally seien die besser als befürchtet ausgefallenen US-Lagerdaten des Branchenverbandes API, schrieben die Experten des Research-Hauses JBC Energy. Ermutigend sei zudem der erste Rückgang der Benzin-Reserven seit Wochen. Die am Mittwochnachmittag (MESZ) veröffentlichten Zahlen des US-Energieministeriums wiesen in die selbe Richtung.

Alphabet und Boeing gefragt

Zu den Favoriten am US-Aktienmarkt zählten die Titel der Google-Mutter Alphabet, die sich um 4,9Prozent verteuerten. Der Quartalsumsatz habe die Erwartungen übertroffen, da die Werbeeinnahmen weniger stark zurückgegangen seien als befürchtet, schrieb Analyst Brent Thill von der Investmentbank Jefferies.

Bei Boeing ließen sich Investoren von einem Quartalsverlust nicht verschrecken. Die Papiere stiegen um 6,1 Prozent, weil der Flugzeugbauer sich optimistisch äußerte, genügend Geld aufzutreiben, um die Virus-Krise zu meistern.

Rohöl (WTI)
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Für die Titel der Kaffeehauskette Starbucks ging es dagegen 1,5 Prozent bergab. Die Geschäftszahlen hätten zwar weitgehend im Rahmen der Erwartungen gelegen, schrieb Analyst Peter Saleh vom Brokerhaus BTIG. "Wir sind aber nicht davon  überzeugt, dass die Verbraucher zu ihren alten Konsumgewohnheiten zurückkehren, sobald die Coronavirus-Beschränkungen aufgehoben werden." Die Rückkehr auf den Wachstumspfad sei frühestens Anfang 2021 zu erwarten.

Quelle: ntv.de, chr/rts