Marktberichte

Wall Street uneinheitlich Dax sackt im Tief 150 Punkte ab

Am Freitag steht der Dax sicher über der 12.000er Marke. Am Montag liegt er mehr als deutlich darunter. Schlimmer noch: Trotz positiver Ifo-Daten kippt die Stimmung. Der Grund für den neuen Pessimismus liegt in den USA.

Zum Start in die neue Handelswoche hat der deutsche Aktienmarkt mit deutlichen Verlusten aufgewartet. Der Dax fiel bis auf ein Tagestief von 11.916 Punkten. Am Freitag war mit 12.064 Zählern aus dem Handel gegangen. "Der kurzfristige Abwärtstrend ist gebrochen, eine Rückkehr sehr schwierig", kommentierte n-tv-Börsenexperte Frank Meyer die Situation. Den Grund nannte Meyers Kollegin Katja Dofel: "Donald Trump verliert seine Aura des Machers. Er liefert nicht, worauf die Börsen gesetzt haben. Deshalb sind die Anleger ernüchtert." Auch die Kurse an der Wall Street gaben nach

Der Dax verabschiedete sich 0,6 Prozent schwächer mit 11.996 Punkten aus dem Handel. Der MDax büßte 0,8 Prozent auf 23.357 Stellen ein. Der TecDax gab 0,6 Prozent auf 1992 Zähler nach. Am Dienstag vergangener Woche hatte der Techindex mit 2002 Stellen noch ein 16-Jahreshoch markiert.

Ifo rockt den Markt nicht

Der Ausbruch des Dax unter die 12.000er Marke sorgte laut Händlern dafür, dass der kurzfristige Aufwärtstrend nun ad acta gelegt werden kann. Stattdessen sollten die Anleger die nun charttechnisch wichtige Region um 11.850 Zähler im Blick behalten. Hier verläuft der langfristige Aufwärtstrend. In der Vorwoche hatte der Dax sie bereits getestet.

Für Aufmunterung konnte selbst der ansonsten so wichtige Ifo-Geschäftsklimaindex nicht sorgen. Obwohl er mit 112,3 Punkten erneut über dem Vormonat lag und die Erwartungen geschlagen hat, setzte an den Börsen keine Gegenbewegung ein.

Trump und die Folgen

Die Anleger blickten vielmehr in die USA zurück: Am Freitag war es der Trump-Regierung zum zweiten Mal nicht gelungen, die Gesundheitsreform - eines der größten Wahlversprechen Trumps - durch das Parlament zu bringen. Das löste Befürchtungen aus, dass es dem Präsidenten schwerfallen könnte, andere Punkte seiner politischen Agenda, insbesondere die geplanten Steuersenkungen, durchzusetzen. Diese Zweifel drückten sich auch durch fallende Rendite an den US-Anleihemärkten aus. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen notierte am Morgen bei 2,36 Prozent, nachdem sie unlängst noch bei über 2,60 Prozent gelegen hatte.

"Die Pläne Trumps werden nun generell hinterfragt", sagte ein Händler. Nun gehe es um die Steuerreform, wegen der die Analysten ihre Gewinnerwartungen an den S&P hochgeschraubt hätten. Ohne Steuerreform wäre der S&P-500 aber teuer.

Rohstoffe: Gold im Aufwind

Weil nun auch die Spekulation auf steigende US-Renditen zusammengebrochen ist, stieg der Goldpreis über den Widerstand bei 1250 Dollar je Feinunze. Gold notierte am Abend bei 1256 Dollar - ein Aufschlag von rund 1 Prozent. Der Anstieg über den Widerstand von 1250 Dollar ist signifikant und eröffnet Aufwärtspotenzial bis zunächst 1280 Dollar je Feinunze.

Devisen: Euro auf Jahreshoch

Der Euro profitierte indes von der Dollar-Schwäche und legte deutlich auf ein neues Jahreshoch bei 1,0906 Dollar im Tagesverlauf zu. Die Gemeinschaftswährung kostete am Abend dann 1,0886 Dollar. Das waren 0,4 Prozent mehr als noch am Freitagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0889 Dollar nach 1,0805 Dollar am Freitag.

Neben der durch Trump ausgelösten Dollar-Schwäche profitierte der Euro auch von dem überraschend klaren Wahlerfolg der CDU im Saarland. Die Wahl vom Wochenende galt als ein Richtungsweiser für die im Herbst stattfindende Bundestagswahl, wie es am Markt hieß. In dem gegenwärtig international unwägbaren Umfeld scheinen die Anleger stabile politische Verhältnisse zu bevorzugen.

Dax: Impulse gesucht

Bei den Einzelwerten war die Nachrichtenlage hingegen dürftig. Im Dax notierten Infineon etwas schwächer: 0,6 Prozent. Die Titel waren am Freitag aber der Topgewinner mit einem Aufschlag von mehr als 9 Prozent gewesen.

Thyssenkrupp verloren 2,7 Prozent, Salzgitter rund 4 Prozent: Belastend wirkte hier der Einbruch der Eisenerzpreise - an der Börse Dalian gaben sie um mehr als 6 Prozent nach.

Zu den Hauptverlierern zählten auch die Versorger. RWE büßten nach einer Abstufung durch JP Morgan auf "Neutral" nach zuvor "Overweight" etwa 3 Prozent ein. Die Aktien verbilligen sich 2,7 Prozent. Eon gaben etwa 0,5 Prozent nach.

Ebenfalls nach unten zeigten die Bank- und Finanzwerte. Commerzbank verbilligten sich um noch vergleichsweise geringe 0,3 Prozent. Deutsche Bank fielen dagegen 1,5 Prozent. Die Fantasie auf einen deutlichen Renditeanstieg hatte hier Hoffnungen auf eine steigende Profitabilität der Institute geweckt.

Bei Lufthansa sprachen Händler angesichts des Minus von 1,3 Prozent von Gewinnmitnahmen. Die Aktien waren in den vergangenen drei Tagen um mehr als das Doppelte gestiegen.

MDax: Spekulationen bei Stada

Etwas von den jüngsten Abschlägen erholt zeigten sich wiederum Stada. Der Kurs zog 0,8 Prozent an. "Die Anleger bleiben allerdings skeptisch", sagte ein Händler mit Blick darauf, dass der Kurs immer noch deutlich unter den zuletzt genannten Übernahmegeboten von 58 Euro notiert. Der "Platow Brief" schrieb zwar, die Bieterkonsortien um Advent und Cinven könnten sich zusammenschließen und dann über 60 Euro bieten. "Das ist aber etwas für Glücksritter", so der Händler. Er meint, über 60 Euro werde Stada für die Finanzinvestoren unattraktiv.

Ströer verteuern sich mehr als 4 Prozent, nachdem das Unternehmen die ausführliches Jahreszahlen vorgelegt hatte.

TecDax: Medigene im Fokus

Bei Medigene setzten sich die starken Kursausschläge der vergangenen Woche fort, der Abschlag betrug 5,5 Prozent. "Die Volatilität ist zuletzt so stark gestiegen wie seit Mitte Oktober nicht mehr", sagte ein Händler. Die Börsenumsätze seien ebenfalls weit überdurchschnittlich.

SDax: Hapag-Lloyd unter Druck

Hapag-Lloyd brachen die Erholung schon wieder ab. Der Kurs sackte etwa 7,6 Prozent ab. Die Titel waren damit größter Verlierer im Kleinwerteindex. Nach dem erneuten Rutsch in die roten Geschäftszahlen setzte Hapag-Lloyd nun auf die Fusion mit UASC, die sich aber um zwei Monate verzögert.

USA: Schwieriges Umfeld

Das Scheitern des ersten großen Reformprojekts von US-Präsident Donald Trump hat an der Wall Street vor allem zu Handelsbeginn belastet. Im weiteren Geschäft verminderten die Indizes ihre Verluste und schlossen knapp behauptet. Am Freitag hatte Trump auf eine Abstimmung im Repräsentantenhaus über seine Gesundheitsreform kurzfristig verzichtet, da keine Mehrheit abzusehen war.

Die Schlappe sorgte nicht für einen größeren Ausverkauf, nachdem die Börsianer zunächst noch befürchteten, dass damit auch die anderen Reformen in Frage stehen. Die Stimmung bleibt aber angeknackst, da der Dow-Jones-Index den achten Tag in Folge nachgegeben hat, die längste Verlustserie seit 2011.

Die US-Börsen haben uneinheitlich geschlossen. Der Dow Jones gab 0,2 Prozent auf 20.550 Punkte nach. Der S&P-500 sank 0,1 Prozent auf 2341 Zähler. Der Nasdaq indes erhöhte sich dagegen um 0,2 Prozent auf 5840 Punkte.

Über die Folgen der Trump-Niederlage für die weitere Politik herrschte keine Einigkeit. "Es gibt ernsthafte Zweifel, ob Trump es schaffen wird, seine politischen Versprechen umzusetzen", sagte Analystin Dianne Lob von AB. "Das Motto für dieses Jahr dürfte damit wohl 'Unsicherheit' lauten", ergänzte die Teilnehmerin. Doch zeigten sich Analysten auch zuversichtlich, dass eine Konsensbildung beim Thema Steuern deutlich einfacher werden könnte.

Das Scheitern von Trump könnte durchaus etwas Positives haben, sollte die Regierung über eine Lernkurve verfügen, so Dirk Gojny, Stratege bei der National-Bank. Wenn die Steuerreform besser vorbereitet werde, könnte sie durchaus erfolgreich durch die Kammern des Parlaments gebracht werden. Allerdings werde diese dann ganz anders aussehen, als der US-Präsident es bisher propagiert habe.

Die Apple-Aktie legte 0,2 Prozent zu, nachdem der Technologiekonzern einen wichtigen Patentstreit in China gewonnen hatte. Demnach verletzen das iPhone 6 und das iPhone 6 Plus nicht Patente für das Außendesign des Herstellers Shenzhen Baili Marketing Services. Zwar hätte ein Urteil gegen Apple nur recht geringen Einfluss auf den Geschäftsverlauf gehabt, doch hätte es möglicherweise den Weg für weitere Klagen gegen andere iPhone-Modelle geebnet.

Aktien von Krankenhaus-Betreibern legen zu

Dow Chemical und Dupont dürfen sich aus Sicht der EU-Kommission zusammenschließen. Die Brüsseler Kartellwächter gaben die Megafusion unter Auflagen frei. Die Konzerne müssen sich von bestimmten Unternehmensbereichen trennen. Mit dem im Dezember angekündigten Zusammenschluss von Dow und Dupont entsteht zunächst ein Konzern mit einem Marktwert von rund 120 Milliarden US-Dollar. Der weitere Plan sieht vor, das fusionierte Unternehmen in drei separate Konzerne aufzuspalten. Dow gewannen 1,5 Prozent, Dupont 1,2 Prozent.

Die Aktien von Krankenhausbetreibern legten an der Wall Street mit dem Scheitern der Gesundheitsreform deutlich zu. Die Aktien hatten in jüngster Zeit nachgegeben, nachdem das Congressional Budget Office mitgeteilt hatte, dass mit dem neuen Gesundheitsplan der Regierung Millionen Amerikaner unversichert sein würden. Bereits am späten Freitag erholten sich die Aktien, nachdem die Aussichten für die Reform geschwunden waren. Am Montag stiegen die Titel des größten börsengelisteten Krankenhausbetreibers HCA um 5,2 Prozent. Tenet Healthcare gewannen 1,4 Prozent und Lifepoint Health 1,7 Prozent. Auch Pharmawerte schnitten besser ab als der Gesamtmarkt. Im Dow stiegen Pfizer um 0,5 Prozent und Johnson & Johnson um 0,3 Prozent.

Für die Snap-Aktie ging es um 4,8 Prozent nach oben. Eine ganze Reihe von Analysehäusern startete die Abdeckung des Social-Media-Unternehmen mit positiven Einschätzungen. Insgesamt acht Analysten nahmen die Beobachtung auf, unter ihnen stufen fünf Snap mit "Buy" oder den entsprechenden Äquivalenten ein, drei vergeben ein "Hold".

Rohstoffe: Ölpreis gibt nach

Die Ölpreise zeigten sich mit Abgaben, schlossen aber deutlich über Tagestief. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hat ihre Mitglieder ermahnt, die beschlossenen Förderkürzungen einzuhalten. Ansonsten könnte es am Ölmarkt wieder zu Verspannungen kommen. Vor diesem Hintergrund steht auch eine mögliche Verlängerung der Förderkürzungen um weitere sechs Monate im Raum. Dazu kommt übergeordnet die Sorge um ein weiter steigendes Ölangebot - vor allem durch eine anziehende US-Förderung. Daten des Öldienstleisters Baker Hughes zeigten am Freitag bereits den zehnten Wochenanstieg der in den USA aktiven Ölförderanlagen. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI fiel um 0,5 Prozent auf 47,73 Dollar.

Ob das Ölkartell Opec seine mit anderen großen Förderern beschlossenen Produktionskürzungen über das erste Halbjahr hinaus fortsetzt, blieb unklar. Ein Komitee, das sich am Wochenende in Kuwait zur Überprüfung der Produktionskürzungen traf, empfahl lediglich eine Prüfung der Verlängerung. Einzelne Stimmen aus der Opec sprachen sich zwar für eine Verlängerung aus. Ein offizieller Beschluss dürfte aber erst auf der nächsten regulären Opec-Tagung Ende Mai fallen.

Asien: Nikkei auf Mehrwochentief

Die Schlappe von US-Präsident Trump beschäftigte auch die Anleger an den Aktienmärkten in Fernost. In Tokio verlor der Nikkei-Index 1,4 Prozent auf 18.986 Punkte und fiel damit auf den niedrigsten Stand seit rund sechs Wochen. Gleichzeitig stieg der Yen auf ein Viermonatshoch von 110,30 je Dollar.

Der Yen notierte damit so fest wie auf dem Niveau vor dem Wahlsieg Trumps. Sollten Trumps Ankündigungen nämlich keine Taten folgen, würde auch der bereits gespielte vermeintliche Inflationsanstieg, der sogenannte Trump-Reflation-Trade, ausbleiben und damit auch der verstärkte Druck auf die US-Notenbank, die Zinsen weiter anzuheben. Das hatte dem Dollar in den vergangenen Wochen Auftrieb verliehen.

In China standen die Preise am Terminmarkt für Stahl und Eisenerz stärker unter Druck. Neben dem negativen Impuls aus den USA litten sie auch darunter, dass China neue Grenzen für Hausbaukredite beschlossen habe, hieß es. Das drückte auch auf die Kurse der Immobilienwerte. China Vanke verbilligten sich 3,3 Prozent. Sie litten aber zusätzlich darunter, dass das Unternehmen vor einer generellen Abkühlung am Immobilienmarkt gewarnt hatte.

Quelle: ntv.de, bad/DJ/rts/dpa