Marktberichte

Höhepunkt der Bilanzsaison Ist das der Startschuss zur Jahresendrally?

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Der S&P 500-Index markiert ein Rekordhoch nach dem anderen. Der Dax hinkt derweil hinterher. Ob da noch mehr geht?

(Foto: picture alliance / dpa)

In der kommenden Woche dürfen Investoren hoffen: Ein Drittel aller Dax-Firmen legt Geschäftszahlen vor. Die Latte der Erwartungen hängt niedrig, positive Überraschungen sind also drin. Spannend bleibt es im Brexit-Drama. Anleger werden das Pfund im Blick behalten.

Die Chancen auf eine Jahresendrally an den Aktienmärkten stehen Experten zufolge nicht schlecht. "Die bisher starke Bilanzsaison hat die Rezessionsängste der Investoren reduziert und dürfte noch für weitere Rekordhochs an der Wall Street sorgen, aber auch den Aktienmärkten in Europa einen Schub geben", sagt Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader.

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In den vergangenen Tagen erlahmte der Elan des Dax allerdings. Nach der Rally der vorangegangenen Wochen flirtete er zunächst erfolglos mit der Marke von 13.000 Punkten und kam unter dem Strich kaum vom Fleck. An der Wall Street markierte der S&P 500-Index derweil ein Rekordhoch nach dem anderen.

Dass Investoren in der alten Woche kleinere Rücksetzer zum Wiedereinstieg nutzten, wertet Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets jedoch als positives Signal. "Der Markt will und kann deshalb weiter nach oben laufen."

"Die Fortsetzung des goldenen Börsenherbstes ist aber alles andere als garantiert", warnt Robert Greil, Chef-Anlagestratege des Bankhauses Merck Finck. Denn weder der Handelsdeal zwischen den USA und China noch ein geordneter Brexit sei in trockenen Tüchern.

Viele Zahlen, wenige Konjunkturdaten

In der neuen Woche erreicht die deutsche Bilanzsaison ihren Höhepunkt: Ein Drittel aller Dax-Firmen legt Geschäftszahlen vor. Hierzu gehören BMW, Siemens und die Allianz. Im Ausland öffnen unter anderem die italienische Sportwagen-Schmiede Ferrari und der US-Unterhaltungskonzern Walt Disney ihre Bücher. Dass die deutschen Firmen bislang die Analystenprognosen mehrheitlich übertroffen hätten, sei angesichts der niedrigen Erwartungen keine Überraschung, sagte Dirk Steffen, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank. Allerdings hätten die Unternehmen ihre Gewinne im Vergleich zum Vorjahresquartal sogar gesteigert.

Konjunkturdaten stehen dagegen nur wenige auf dem Terminplan. Unter anderem werden Zahlen zu den Aufträgen für die Industrie in den USA (Montag) und Deutschland (Mittwoch) veröffentlicht. Letztere dürften die schlechte Lage des heimischen produzierenden Gewerbes bestätigen, sagt Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. Hinzu kommen das Stimmungsbarometer der deutschen Einkaufsmanager sowie die europäischen Einzelhandelsumsätze (ebenfalls jeweils Mittwoch).

Brexit und Zollstreit

Britisches Pfund / Dollar
Britisches Pfund / Dollar 1,32

Nach dem Notenbank-Entscheid ist vor dem Notenbank-Entscheid: In der neuen Woche ist die Bank von England (BoE) an der Reihe. Eine Veränderung des Leitzinses gilt als ausgeschlossen, daher richten Börsianer ihre Aufmerksamkeit auf die Einschätzung der jüngsten Entwicklung im Brexit-Drama.

Experten zufolge werde sich die Notenbank alle Optionen offen halten, um eingreifen zu können, sollte es im Rahmen des britischen EU-Ausstiegs zu Verwerfungen kommen. In London stimmte das Unterhaus nach zähem Ringen für Neuwahlen am 12. Dezember. Da deren Ausgang mehr als ungewiss sei, müsse beim Pfund Sterling und britischen Aktien in den kommenden Wochen mit größeren Kursschwankungen gerechnet werden, prognostiziert Nigel Green, Gründer und Chef des Anlageberaters deVere.

Daneben haben Börsianer auch weiter ein Auge auf das zweite Dauerbrenner-Thema Zollstreit. Zwar biete das geplante Teil-Abkommen wenig Konkretes und werde die Beziehungen zwischen Washington und Peking kaum nachhaltig verbessern, sagte Investment-Manager Rob Mumford vom Vermögensverwalter GAM.

"Unter Marktgesichtspunkten stellt die Vereinbarung jedoch einen wichtigen positiven Schritt dar, da dadurch die Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und China - mit entsprechenden negativen Auswirkungen auf das Wachstum der Weltwirtschaft sowie Rezessionsrisiken - zumindest vorübergehend gestoppt wurde."

Quelle: n-tv.de, rts/ddi