Marktberichte

WTI-Öl schmiert erneut ab Maskenhersteller überzeugt Wall Street

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Die Atemschutzmasken von 3M sind weltweit gefragt wie nie.

(Foto: REUTERS)

Die Verbraucherstimmung in den USA ist miserabel, aber einige wenige Unternehmen machen trotz Corona-Krise Kasse. Beispielsweise wissen die Zahlen des weltgrößten Herstellers von Atemschutzmasten zu überzeugen. Auch die großen Autobauer sind gefragt. WTI-Öl schmiert dagegen erneut ab.

Ernüchternde US-Konjunkturdaten bereiten der aktuellen Rallye an der Wall Street ein vorläufiges Ende, größere Verluste gibt es dank ermutigender Firmenbilanzen jedoch nicht. Der US-Standardwerteindex Dow Jones gab seine anfänglichen Gewinne ab und notierte bei Handelsschluss kaum verändert bei 24.148 Punkten. Der technologielastige Nasdaq und der S&P 500 drehten sogar ins Minus und büßten bis zu 1,5 Prozent ein.

Der Index des Verbrauchervertrauens für April fiel dem Forschungsinstitut Conference Board zufolge auf 86,9 Punkte von 120 Zählern im Vormonat. Das Barometer für die Einschätzung der aktuellen Lage stürzte sogar um mehr als die Hälfte auf 76,4 Zähler ab. Das sei der größte Rückgang seit Beginn der Befragungen. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft.

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"Wir befinden uns in einer Zwickmühle", sagte Analyst Adam Vettese vom Online-Broker eToro. "Je länger der Lockdown dauert, desto größerer wirtschaftlicher Schaden droht." Würden die Coronavirus-Restriktionen dagegen zu früh gelockert, könne dies zu einer zweiten Infektionswelle, erneuten Verschärfung der Beschränkungen und zu einem noch größeren Schaden führen.

Maskenhersteller 3M gefragt

Zu den Favoriten am US-Aktienmarkt zählte 3M mit einem Kursplus von 3,3 Prozent. Die starke Nachfrage nach Schutzbekleidung bescherte dem weltgrößten Hersteller von Atemschutzmasten einen überraschend hohen Gewinn. Der Mischkonzern, der auch "Post-it"-Klebezettel anbietet, kassierte wegen der Virus-Krise dennoch seine Gesamtjahresziele.

Entscheidender für die Richtung des US-Aktienmarktes seien allerdings die anstehenden Zahlen der großen Technologiekonzerne wie Microsoft, Amazon oder der Google-Mutter Alphabet, sagte Andrea Cicione, Chef-Anlagestratege des Research-Hauses TS Lombard. "Das wird ein wichtiger Test, da viele Unternehmen durch die Coronavirus-Restriktionen ihr Geschäft ins Internet verlagert haben. Wenn diese Schwergewichte nicht liefern, wird die Rallye der vergangenen Wochen in Frage gestellt." Im Vergleich zu ihren Tiefs vom März haben die US-Börsen inzwischen wieder etwa 30 Prozent zugelegt.

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Anleger griffen am Dienstag außerdem bei den Titeln von Fiat Chrysler, Ford und General Motors (GM) zu. Sie rückten bis zu 4,8 Prozent vor. Dem "Wall Street Journal" zufolge wollen die drei Autobauer die Produktion in ihren US-Werken ab dem 18. Mai wieder anlaufen lassen.

Neuer Kurssturz beim WTI-Öl

Unterdessen gingen die Turbulenzen am Ölmarkt in eine neue Runde: Der Terminkontrakt auf die US-Sorte WTI fiel zeitweise um gut 21 Prozent auf 10,07 Dollar. "Für die geringe Nachfrage ist das Angebot weiterhin viel zu hoch", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Wegen der Coronavirus-Restriktionen ist der weltweite Energiebedarf um etwa 30 Prozent eingebrochen. Die unlängst beschlossene Drosselung der Fördermenge fängt nur einen Teil des Ausfalls auf.

Rohöl WTI
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Da die Rohöl-Lagerkapazitäten fast erschöpft seien, fürchteten Anleger einen Preisrutsch von WTI unter null wie vergangene Woche, sagte Harry Tchilinguirian, Chef-Anlagestratege für Erdöl bei der Bank BNP Paribas. Vor diesem Hintergrund entschloss sich der größte börsennotierte US-Ölfonds, aus den Juni-Futures auf WTI auszusteigen und in längerlaufende Kontrakte umzuschichten. Daraufhin fiel der Kurs des US Öil ETF um bis zu 3,4 Prozent auf ein Rekordtief von 2,12 Dollar.

Quelle: ntv.de, chr/rts