Marktberichte

Dämpfer zum Jahresauftakt Wall Street rettet sich aus der Talfahrt

Sowohl der Dax als auch der Dow Jones starten mit Bestmarken ins neue Börsenjahr. Doch dann sacken die Kurse wieder ab. An den deutschen Märkten retten die Indizes ein leichtes Plus ins Ziel, an der Wall Street brechen sie ein. Vom Trend kann sich in den USA unter anderem Tesla abkoppeln.

Die US-Aktienmärkte sind mit einem Dämpfer in das neue Börsenjahr gestartet. Nach neuen Rekorden gleich zum Handelsstart beim Dow Jones und beim S&P 500 gingen die Kurse auf Talfahrt, konnten sich aber dank eines Schlussspurts zumindest von den Tagestiefs erholen. Der Dow Jones verlor schlussendlich 1,3 Prozent auf 30.223 Punkte. Im Tageshoch hatte er 30.674 erreicht, im Tagestief war er bis auf 29.881 abgesackt. Der S&P 500 büßte 1,5 Prozent ein, der Nasdaq-Composite ebenfalls. Anleihen konnten von ihrem Ruf als sicherer Hafen nicht profitieren, auch wegen der Spekulation über eine höhere US-Verschuldung. Sie tendierten kaum verändert.

S&P 500
S&P 500 3.819,57

Im Handel war von Gewinnmitnahmen nach der jüngsten Rekordjagd die Rede, aber auch von Sorgen mit Blick auf die weiter wütende Corona-Pandemie und die Verbreitung der in Großbritannien aufgetauchten noch ansteckenderen Virus-Mutation. Für England wurde deswegen ab Mittwoch wieder ein harter Lockdown verhängt.

Daneben lenkten einige Akteure ihre Blicke auf die Politik, konkret die Unsicherheit vor den Stichwahlen in Georgia. Sollten dabei die demokratischen Kandidaten die Senatorensitze erringen, würde damit die Kontrolle des US-Senats an die Demokraten gehen und die Wahrscheinlichkeit eines neuen Konjunkturprogramms zunehmen; zugleich aber auch das Risiko höherer Steuern und von mehr Regulierung, beispielsweise im Ölsektor.

Tesla, Moderna und Biontech legen zu

Ganz am Ende im Dow rangierten Coca-Cola mit Einbußen von 3,8 Prozent und das Schwergewicht Boeing mit einem Verlust von 5,3 Prozent. Coca-Cola wurde von den RBC-Analysten auf "Sectorperform" von "Outperform" abgestuft. Bei Boeing sorgen sich die Analysten von Bernstein um Schadenersatzforderungen, sollte der Langstreckenflieger Boeing 787 wegen Qualitätsüberprüfungen bereits fertiggestellter Exemplare erst im zweiten Halbjahr ausgeliefert werden.

Vom Trend abkoppeln konnte sich Tesla. Ein über den Erwartungen liegender Fahrzeug-Absatz 2020 trieb die Aktie um 3,4 Prozent nach oben auf 731 Dollar. Mitte März waren die Papiere noch für 70 Dollar zu haben gewesen. Nicht alle Experten trauen der Entwicklung. So hoben die Analysten von JPMorgan ihr Kursziel am Montag zwar an, es liegt mit jetzt 105 Dollar aber Hunderte Dollar unter dem aktuellen Kurs. Im Schnitt haben die Wall-Street-Analysten für Tesla ein Kursziel von knapp 425 Dollar.

Für die Aktien von Impfstoffhersteller Moderna ging es um 6,9 Prozent nach oben. Erholt zeigte sich auch die Aktie des Konkurrenten Biontech. Sie verbesserte sich um 5,2 Prozent, während das Papier des Impfstoffpartners Pfizer unverändert schloss.

Am Kryptowährungsmarkt stieg Bitcoin zunächst auf ein Rekordhoch von 33.867,50 Dollar. Gewinnmitnahmen drückten den Kurs dann auf bis zu 27.700 Dollar. Am Abend notierte die älteste und wichtigste Cyber-Devise 7,5 Prozent im Plus bei 31.440 Dollar. "Insgesamt ist die Stimmung weiterhin positiv", sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade.

Delivery Hero überzeugt im Dax

Dax
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Anders als die amerikanischen Zugpferde sind die wichtigsten deutschen Indizes mit Rekorden ins neue Jahr gestartet. Der Dax erklomm im Verlauf bei gut 13.907 Punkten eine weitere Bestmarke, bevor das Börsenbarometer durch Gewinnmitnahmen zwischenzeitlich ins Minus gedrückt wurde. Am Ende schaffte der Dax ein Mini-Plus von 0,06 Prozent auf 13.726 Punkte. Höchststände erreichten zudem der Nebenwerteindex SDax und der MDax der mittelgroßen Werte. Zu Handelsschluss legte der MDax aber nur noch um 0,50 Prozent auf 30.950 Punkte und der SDax um 0,58 Prozent auf 14.850 Punkte zu.

Generell bleibt die Stimmung am Aktienmarkt gut, wenngleich die Anleger vielerorts ordentlich Kasse machten. Weiterhin setzen die Investoren auf die Impfstoffe gegen das Coronavirus, eine Erholung der Wirtschaft und die permanente Schützenhilfe der Notenbanken. "Die Anleger sehen die konjunkturelle Erholung weiter als intakt an, und das scheint für den Moment zu genügen", schrieb Marktanalyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets.

Delivery Hero
Delivery Hero 101,95

Mit dem Essenslieferanten Delivery Hero war zum Auftakt des neuen Jahres der Topwert des Vorjahres erneut die Nummer Eins im Dax mit einem Rekordhoch und einem Zuwachs von 7,5 Prozent. Der Konzern profitiert seit Monaten von der Corona-Krise: Restaurants sind wegen der Lockdowns geschlossen, und dort, wo sie geöffnet sind, trauen sich viele Menschen aus Angst vor einer Corona-Infektion nicht mehr in Gaststätten. Dieser Trend befeuert die Geschäfte des Unternehmens, das erst im August für den nach einem Bilanzskandal insolventen Zahlungsabwickler Wirecard in die erste deutsche Börsenliga aufgerückt war.

Topwerte in MDax und SDax

Mit einem Aufschlag von fast 9 Prozent profitierten an der MDax-Spitze die Aktien von K+S von einer optimistischen Studie der US-Bank Citigroup zum Düngermarkt. Die Papiere von United Internet erholten sich weiter von dem Kurseinbruch im September und gewannen 4,5 Prozent. Analyst Jonas Blum von Warburg Research hatte sich in einer Studie positiv über die Offerte von Morgan Stanley Infrastructure Partners für die United-Beteiligung Tele Columbus geäußert. Blum glaubt an eine wertsteigernde Wirkung.

Mit einem Sprung auf ein Rekordhoch erfreuten außerdem im SDax die Papiere von Encavis die Anleger. Der Betreiber von Solarparks und Windkraftanlagen gilt als Profiteur der Klimawende. Die Anteilscheine sicherten sich mit einem Plus von gut neun Prozent den ersten Platz im Index.

Auch der EuroStoxx 50 musste im späten Handel Federn lassen und rückte am Ende nur noch um 0,33 Prozent auf 3564 Punkte vor. Der französische Cac 40 gewann 0,68 Prozent und der britische FTSE 100 zog angesichts starker Rohstoffwerte um 1,72 Prozent an.

Quelle: ntv.de, chr/rts/dpa/DJ