Marktberichte

Dax rettet Gewinne ins Wochenende Yellen schreckt Wall Street nicht

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Mit einem Plus von knapp 14 Pünktchen schließt der Dax den Freitagshandel.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wie das Kaninchen vor der Schlange erstarren Anleger zum Wochenschluss vor der US-Notenbankchefin. Das Gute: Der Dax kann die satten Gewinne der Vortage behalten. Die Wall Street reagiert nur anfänglich mit Kursverlusten auf Yellens Äußerungen am Abend.

Kaum von der Stelle bewegte sich der deutsche Aktienmarkt vor der Rede von US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen am Abend. Der deutsche Leitindex Dax schloss am Ende um 0,1 Prozent verbessert auf 10.286 Punkten. Ein Plus von gerade mal rund 14 Pünktchen.

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Damit kann der Index aber seine satten Gewinne der vergangenen Tage halten. Seit Dienstag konnte der Dax sich um 444 Punkte verbessern. "Eine mögliche Zinserhöhung in den USA hat ihren Schrecken verloren", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research. "Die Anleger sind offenbar erleichtert darüber, dass die US Wirtschaft so stark ist, dass ein kleiner Zinsschritt im Sommer möglich sein könnte. Entsprechend stoppt auch die Rally bei Gold und Silber, Aktien legen dagegen weiter zu."

Die revidierten US-BIP-Daten spielten derweil keine Rolle. Das BIP für das erste Quartal wurde in der Zweitlesung auf annualisiert plus 0,8 Prozent nach vorläufig plus 0,5 Prozent angepasst. Erwartet wurde eine Revision auf plus 1,0 Prozent. Nach Einschätzung der Helaba bleibt die Investitionstätigkeit weiterhin schwach. Auch dem Index der Uni Michigan schenkten die Anleger keine Beachtung. Die Stimmung der Verbraucher hellte sich zwar in der Zweitlesung auf 94,7 Punkte auf. Die Erwartung lag aber bei 95.

Derweil brodelte es in der Gerüchteküche weiter. Im SDax schoss die Aktie von SGL Carbon mit einem gewaltigen Satz nach oben. Das Manager-Magazin schrieb unter Berufung auf Unternehmenskreise, der staatliche chinesische Chemiekonzern Chemchina wolle SGL Carbon übernehmen. Dazu habe Chemchina-Chef Ren Jianxing schon mehrere Gespräche mit SGL-Chef Jürgen Köhler und mit Susanne Klatten geführt. Chemchina, so das Manager-Magazin weiter, würde am liebsten die komplette Firma übernehmen, sei aber offen für alles.

Frankfurt: SGL Carbon mit Kursrally im SDax

SGL Carbon
SGL Carbon 7,84

Der Dax schloss am Ende 0,1 Prozent höher auf 10.286 Punkten. Der MDax zeigte sich etwas stärker und legt um 0,3 Prozent auf 20.811 Zähler zu. Nahezu unverändert hingegen der TecDax, der auf 1690 Punkten verharrte. Der Euro-Stoxx-50 notierte 0,1 Prozent im Plus auf 3075 Punkten.

Bei den Einzelwerten stachen SGL Carbon im SDax deutlich hervor, die nach einem Medienbericht über ein Kaufinteresse von ChemChina am Ende um sage und schreibe rund 27 Prozent nach oben zischten.

Im Dax standen Siemens weit oben, die sich um 1,6 Prozent verbesserten gefolgt von Beiersdorf, die 1,0 Prozent zulegten. Spitzenreiter waren jedoch Infineon mit einem Plus von 1,6 Prozent. Zu den Verlierern zählten Lufthansa, die 0,4 Prozent abgaben. Die Analysten der Investment-Gruppe Liberum haben das Lufthansa-Kursziel auf 11,60 von 12,90 Euro gesenkt.

Im MDax profitierten Covestro von einer Kaufempfehlung durch die Analysten von Barclays. Die Kunststoffsparte von Bayer hatte zuletzt zeitweise unter Spekulationen gelitten, Bayer könnte die angestrebte Übernahme auch mit einem Verkauf von Covestro-Aktien finanzieren. Allerdings sieht Barclays für den Chemiesektor insgesamt nur noch neutrale Perspektiven nach positiven bisher. Die Aktie legte 1,4 Prozent zu.

Ein negativer Analystenkommentar schickte Klöckner & Co auf Talfahrt. Die Aktien des Stahlhändlers brachen um 5,9 Prozent ein und waren Schlusslicht im SDax. Experten der UBS stuften ihre Einschätzung für die Papiere auf "Sell" zurück von "Neutral".

USA: Wall Street wankt, aber fällt nicht

Dow Jones
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Mit Spannung hatte der Markt auf die US-Notenbank-Präsidentin gewartet - und sie hat "geliefert": Mit ihren Aussagen verstärkten sich die Erwartungen einer baldigen Zinswende. So sagte Yellen unter anderem, eine Zinsanhebung in den kommenden Monaten dürfte wahrscheinlich angemessen sein. Das könnte auf einen Zinsschritt im Juni oder Juli hindeuten.

Mit den Aussagen kamen die Notierungen von Anleihen und Gold zurück, während der Dollar an Terrain gewann. Aktien zeigten sich volatil, liefen aber im späten Geschäft nach oben. Schon länger hat am Aktienmarkt die Zinswende an Schrecken verloren, da sie nun stärker als Signal für eine gesundende Konjunktur gesehen und damit als positiv gesehen wird.

Der Dow-Jones-Index stieg um 0,3 Prozent auf 17.873 Punkte. Der S&P-500 gewann 0,4 Prozent auf 2.099 Punkte und der Nasdaq-Composite kletterte um 0,7 Prozent auf 4.934 Punkte. 

"Nun sind einige Zweifel ausgeräumt", sagte Roberto Perli von Cornerstone Macro zu Yellens Äußerungen. Nach dem Chor der Fed-Mitglieder in jüngster Zeit habe die Stimme der Chefin noch gefehlt, nun habe sie für mehr Klarheit gesorgt. Er selbst rechnet mit einer Zinserhöhung im Juli.

Die Reaktion auf die Yellen-Aussagen hielten sich insgesamt in Grenzen, da bereits seit längerem eine baldige Zinswende eingepreist worden war. So waren die sogenannten Fed-Fund-Futures für die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung schon vor der Rede für den Juni auf 34 von 30 Prozent und für den Juli auf 62 von 58 Prozent gestiegen.

Für etwas Zurückhaltung der Börsianer sorgte das verlängerte Wochenende in den USA. Dort wird am Montag der Memorial Day gefeiert. Die Aktienmärkte werden dann geschlossen bleiben. Am Anleihemarkt wird deswegen am Freitag nur verkürzt gehandelt.

Asien: Nikkei klettert

Nikkei
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Die Aktienmärkte in Ostasien tendieren zum Wochenausklang uneinheitlich. Auch hier wird mit Spannung auf die Yellen-Rede gewartet.

Aufwärts mit den Kursen geht es in Tokio, wo der Nikkei-225 um 0,4 Prozent zulegt und bei 16.835 Punkten schließt. In Sydney klettert der S&P/ASX-200 ebenfalls um 0,6 Prozent. Dagegen fällt der Shanghai-Composite um 0,3 Prozent auf 2814 Punkte zurück und für den Hang-Seng-Index in Hongkong geht es um 0,3 Prozent nach unten.

Die Aktien des Automobilzulieferers Aisin Seiki verzeichnen einen Aufschlag von 6,7 Prozent in Tokio, nachdem das Unternehmen mit dem Ausblick auf das Fiskaljahr überzeugen konnte. Dagegen verlieren in Singapur die Aktien von IHH Helthcare 2,2 Prozent nach den Zahlen für das erste Quartal. Das Zahlenwerk sehe auf den ersten Blick zwar stark aus, doch habe das Unternehmen vor allem von Einmaleffekten profitiert, heißt es aus dem Handel.

Devisen: Euro notiert deutlich unter 1,12 Dollar

Der Euro-Kurs ist am Freitag nach der Rede von Notenbankchefin Yellen deutlich unter 1,12 US-Dollar gesunken. Notierte der Euro im Tageshoch noch bei rund 1,12 Dollar, fiel er im späten US-Handel auf 1,1113 Dollar zurück. Am Morgen hatte die Gemeinschaftswährung noch 1,12 Dollar gekostet. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs später auf 1,1168 (Donnerstag: 1,1168) Dollar fest.

Rohstoffe: Ölpreise sinken wieder

Die Ölpreise blieben nach ihrer Rally am Vortag unter 50 Dollar. Am Donnerstag hatten die Nordseesorte Brent und US-Leichtöl WTI erstmals seit sieben Monaten die psychologisch wichtige Marke geknackt. "Die Ölpreise könnten in den nächsten Monaten in der Bandbreite von 40 bis 50 Dollar schwanken", sagte Yvanne Lai, Analystin der National Australia Bank. Eine höhere Nachfrage nach Benzin vor allem in den USA könnte die Preise stützen.

Am Freitag ging es mit Brent- und WTI-Öl nun wieder zurück. Die US-Sorte WTI verbilligte sich um 0,3 Prozent auf 49,33 Dollar je Fass. Händler sagten, nach dem jüngsten Höhenlauf sei ein kleiner Rücksetzer nicht überraschend. In dieser Woche schlägt für WTI ein Plus von 1,9 Prozent zu Buche.  Übernahmefantasie bei Valeant Der Goldpreis litt ebenfalls leicht unter dem etwas stärkeren Dollar. Der Preis für die Feinunze fiel um 0,8 Prozent auf 1212 Dollar.

Quelle: ntv.de, wne/DJ/rts/dpa

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