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Einzigartiger Bienenflugraum Bienensterben stoppen

Die Außentemperatur liegt bei winterlichen null Grad, während im Bienenflugraum der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) schon Sommer herrscht. Friedlich schwirren Honigbienen durch die Luft, und Bienenforscher Stefan Berg muss seine Schutzbrille abnehmen, die bei 56 Prozent Luftfeuchtigkeit anfängt zu beschlagen. "Wir täuschen den Bienen einen Sommer vor", erklärt Berg, der Bienenforscher am Fachzentrum Bienen der LWG ist.

Am Freitag hat der bayerische Landwirtschaftsminister Josef Miller (CSU) den Bienenflugraum seiner Bestimmung übergeben. Die Anlage, deren technische Ausstattung als weltweit einzigartig gilt, soll dazu beitragen, die Varroa-Milbe zu bekämpfen und das dramatische Bienensterben zu stoppen. Rund 30 Prozent Verluste werden nach Millers Angaben in diesem Jahr befürchtet.

Unverzichtbar für den Menschen

Bienen sind jedoch unverzichtbar für den Menschen. Dabei sind die bekanntesten Erzeugnisse - Honig und Wachs - nur angenehme Nebenprodukte. Eine weitaus wichtigere Bedeutung haben Bienen für die Bestäubung von Obst, Gemüse und seit einigen Jahren auch für die Bestäubung von nachwachsenden Rohstoffen wie Raps. Alleine in Mitteleuropa erwirtschaften die fleißigen Helfer vier Milliarden Euro pro Sommer. "Sind keine Bienen da, geht überhaupt nichts", erklärt Jürgen Tautz, Professor für Zoologie an der Universität Würzburg.

Tautz ist Mitinitiator des Bienenflugraums und arbeitet Hand in Hand mit der LWG an der Gesundheitsforschung der Bienen. Bisher deprimierte die Bienenforscher vor allem eines: Die wissenschaftliche Arbeit lag in der kalten Jahreszeit oft monatelang brach. Die Bienenvölker brüteten nicht, und der Nachwuchs für Forschungszwecke blieb aus. Abhilfe soll nun der Bienenflugraum mit der weltweit ersten Winterbrutstation schaffen.

Lauf der Sonne simuliert

Sie gaukelt den Tierchen nicht nur den Sommer vor. Die eingesetzte Technik simuliert den Bienen selbst den Lauf der Sonne. "Mit diesem Raum können wir die Forschung deutlich beschleunigen", erklärt Bienenforscher Berg. Denn selbst im tiefen Winter erzeugt das Bienenvolk hier nach Angaben von Agrarminister Miller Brut, die für wissenschaftliche Zwecke im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Varroa-Milbe verwendet werden soll.

Einflüsse, die in der Natur zahlreich vorhanden seien, könnten in diesem geschlossenen System ausgeklammert werden und so Forschung unter Idealbedingungen garantieren, zeigt sich Berg optimistisch. Denn in der Natur führt nach Aussage der Experten ein ganzes Bündel von Stressfaktoren zu einer ständigen Bedrohung für die Bienen. Hauptverantwortlich für das Sterben zahlreicher Bienenvölker ist aber die Varroa-Milbe.

Die "Geißel der Imkerschaft" macht auch Peter Maske, dem Vorsitzenden der unterfränkischen Imker, zu schaffen. 100 Prozent Ausfall habe es bei manchen Beständen gegeben, berichtet Maske vom Leid der Imker. Die dramatischen Entwicklungen wecken große Erwartungen an die neue Einrichtung. Doch Bienenexperte Berg ist von den Forschungsbedingungen überzeugt. "Wir haben jetzt ein geschlossenes System, in dem wir Entwicklungen beobachten können", sagt er. "Wir wollen versuchen, der Biene und damit auch dem Menschen zu helfen."

Von Hannes Vollmuth, dpa

Quelle: n-tv.de

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