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"Du bist Odzala!" lautet der Slogan. Wie das zu verstehen ist? Jaenicke erklärt es im Interview.
"Du bist Odzala!" lautet der Slogan. Wie das zu verstehen ist? Jaenicke erklärt es im Interview.
Montag, 29. April 2013

Jaenicke und der Raubbau am Regenwald: "Das ist unfassbar dumm!"

Wer den Regenwald erhalten will, braucht die Unterstützung der Einheimischen. Doch was, wenn diese ums nackte Überleben kämpfen? Was, wenn Umweltschutz das Letzte ist, worüber sie sich Gedanken machen können? Hier setzt ein neues Projekt an: Odzala.com. Als Öko-Reporter berichten Menschen per Video von ihrem Leben im Kongo-Becken. Etwas Besonderes? "Natürlich!", sagt Schauspieler Hannes Jaenicke. Er ist Odzala-Botschafter. Mit n-tv.de spricht er über authentische Filme und Wilderei und erklärt, warum wir alle Odzala sind.

n.tv.de: Die Situation ist dramatisch: Regenwald wird gerodet, Tiere verlieren ihren Lebensraum, das Klima droht global zu kippen. Dennoch finden viele Menschen das Thema eher ermüdend. Was will Odzala.com dem entgegensetzen?

Hannes Jaenicke: Odzala.com ist eine der wenigen Möglichkeiten, via Internet mitzuerleben, was mit den letzten Regenwäldern der Welt passiert. Da sämtliche Ranger dort mit Kameras ausgestattet sind, kann man quasi live miterleben, was in dieser grünen Lunge der Erde los ist. Odzala.com ist der unmittelbare Draht zum Regenwald.

Unterscheiden sich diese Berichte denn von dem, was man aus TV-Reportagen über den Regenwald kennt?

Natürlich! Die Blogs und Filme werden ja nicht von angereisten, fremden Doku-Filmern gedreht, sondern von Einheimischen. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Die Filme sind authentisch. Und es geht nicht ausschließlich um den Regenwald. Die Reporter wollen der Welt zeigen, wie ihr Alltag aussieht, was und wie die Alten und Jungen arbeiten, in ihrer Freizeit machen, wo sie einkaufen gehen, womit die Kinder spielen, was auf dem Dorfplatz zum Abendessen gekocht wird. Wer sich die Filme anschaut, ist hautnah dabei. Das Regenwald-Thema wird also erstmalig nicht abstrakt behandelt, sondern packend und unverfälscht. Vielleicht kapieren wir dadurch endlich, wie überlebenswichtig diese sogenannten Lungen der Erde sind.

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Nicht nur Industrienationen müssen für den Schutz des Regenwalds sensibilisiert werden. Das Odzala-Projekt will auch die Einheimischen auf die Problematik aufmerksam machen. Warum ist das nötig? Liegt es nicht im Interesse der Bevölkerung, ihren eigenen Lebensraum zu schützen?

Wie denn, bitte schön?! Wenn Menschen ums nackte Überleben kämpfen müssen, haben sie weder Zeit noch Mittel, sich über Umweltschutz Gedanken zu machen. Für einige gibt es kaum Alternativen, als ihren Lebensunterhalt mit Wilderei zu verdienen. Die ist – kurzfristig betrachtet – leider lukrativ. Da hilft nur eines: alternative Einnahmequellen. Und die bietet das Odzala-Projekt. Wenn die Menschen vor Ort langfristig vom Nationalpark und damit vom Regenwald leben können, werden sie auch dafür sorgen, dass er erhalten bleibt.

Welche Jobs sind es denn, die im Rahmen des Odzala-Projekts entstehen?

Zunächst einmal ist in Odzala eine fantastische Lodge entstanden. Das bedeutet, dass nun der Öko-Tourismus zur Einnahmequelle werden kann. Um die Touristen durch den Dschungel zu geleiten, werden Einheimische zu Gorilla-Trackern ausgebildet. Ein Tracker verdient rund 270 Euro im Monat. Das liegt deutlich über dem Durchschnittsgehalt in Zentralafrika. Außerdem gibt es diverse Schul- und Sozialprojekte. Nur wenn man den Einheimischen Alternativen bietet, wird die katastrophale Wilderei aufhören.

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Wer zahlt die Löhne?

Die Anschubfinanzierung kam vom Leadership for Conservation in Africa, LCA. Der wurde unter anderem von Sabine Plattner, der Frau von SAP-Gründer Hasso Plattner, und Howard Buffett, dem Sohn von Warren Buffett, gegründet. Langfristig soll das Geld, das über den Ökotourismus eingenommen wird, in die Projektarbeit vor Ort fließen.

Nachhaltigkeit ist dem Odzala-Projekt besonders wichtig. Selbst von "nachhaltiger Kommunikation" ist die Rede. Was soll das sein?

Das ist das kontinuierliche Dokumentieren des Lebens und der Umstände in Odzala. Sowas ist etwas anderes als ein Zeitungsartikel oder ein schnell versendeter Dokumentarfilm im Fernsehen.

"Du bist Odzala!" ist die zentrale Botschaft des Projekts. Für jemanden aus unseren Breitengraden, der weder im Regenwald lebt noch mit Gorillas zu tun hat, klingt das weit hergeholt. Ist der Slogan nicht ein wenig übertrieben?

Wir müssen aufhören, die letzten Regenwälder dieses Planeten einfach wegzusägen. Das ist unfassbar dumm! Ihr Schutz geht jeden von uns an und genau deshalb machen wir Odzala. Abgerodeter Regenwald beeinflusst das Klima weltweit und betrifft jeden Menschen. Wenn Colorado in den USA 2012 die schlimmste Dürrekatastrophe seiner Geschichte erlebt hat und eine komplette Ernte dort ausgefallen ist, ist auch das eine Folge des Klimawandels. Jeder von uns ist betroffen! Und jeder sollte was tun!

Mit Hannes Jaenicke sprach Andrea Schorsch

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Quelle: n-tv.de