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Premiere an der Somme 1916Sie sollten die Front knacken - am Ende waren alle Tanks außer Gefecht

15.09.2026, 14:58 Uhr Kommentarfoto Janis Peitsch-  (6) (1)Von Janis Peitsch
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Ein Mark I im September 1916 vor dem Kampf um Flers und Courcelette. (Foto: imago/United Archives)

Im Ersten Weltkrieg suchen die Militärs nach einem Ausweg aus dem festgefahrenen Stellungskrieg. Am 15. September 1916 rollen an der Somme erstmals britische Tanks gegen deutsche Stellungen. Technisch unausgereift, zeigen sie dennoch das Potenzial der neuen Waffe.

Die Schlacht an der Somme tobt bereits seit zweieinhalb Monaten, als sich am frühen Morgen dunkle Schatten auf die deutschen Schützengräben nahe der Dörfer Flers und Courcelette in Nordfrankreich zubewegen. Dröhnend schieben sich eiserne Ungetüme aus dem Nebel und rollen langsam über Granattrichter und Stacheldraht. Dann eröffnen sie mit Kanonen und Maschinengewehren das Feuer.

Für die Soldaten in den Gräben sind diese Stahlkolosse etwas völlig Neues. Gewehre und Handgranaten können den Maschinen kaum etwas anhaben. Panik macht sich breit. Was die Männer an diesem 15. September 1916 erleben, ist der erste Panzerangriff in der Geschichte und damit der Beginn einer neuen Ära.

Dass Panzer überhaupt auf dem Schlachtfeld auftauchen, ist eine Folge des erstarrten Stellungskrieges an der Westfront. Maschinengewehre, Artillerie und Stacheldraht haben das Niemandsland zwischen den Gräben in eine Todeszone verwandelt. Auf der Suche nach einem Ausweg greifen Militärs eine alte Idee auf: ein Fahrzeug, das Panzerung und Bewaffnung vereint.

Tank als Rammbock

Vorreiter bei der Entwicklung ist Großbritannien. Aus Gründen der Geheimhaltung deklariert man die neue Waffe bei Bau und Transport als harmlosen Wasserbehälter - daher der Deckname "Tank". Schließlich wird aus dem Begriff die Bezeichnung für die gesamte Waffengattung.

Die Idee dahinter ist simpel. "Der Tank sollte wie ein Rammbock einen Einbruch in die Frontlinie erzwingen", sagt der Historiker Markus Pöhlmann vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr gegenüber ntv.de. "Er sollte die Verteidiger niederhalten und so der eigenen Infanterie das Nachrücken in den gegnerischen Graben ermöglichen."

Im Sommer 1916 steht der erste britische Tank für den Einsatz bereit. Der Mark I ist knapp zehn Meter lang, fast zweieinhalb Meter hoch und gut 28 Tonnen schwer. Um die deutschen Gräben und die vielen Granattrichter zu überwinden, fährt er auf zwei langen Raupenketten, die um sein Stahlgehäuse laufen. Ihn gibt es in zwei Varianten: "Male" (männlich) mit zwei Kanonen und Maschinengewehren sowie "Female" (weiblich) nur mit Maschinengewehren.

Für die achtköpfige Besatzung ist der Tank eine Tortur: Lärm, bis zu 50 Grad Hitze, giftige Abgase, Enge, Dunkelheit, das ständige Hin- und Herschaukeln und kaum Sicht auf das Gefechtsfeld. Im zerschossenen Gelände ist das Fahrzeug nicht schneller als ein Spaziergänger.

Wie technisch unausgereift der Mark I ist, zeigt sich bei seinem Debüt. Von den 49 bereitgestellten Tanks schaffen es am 15. September nur 27 überhaupt zu den deutschen Linien. Mehrere Fahrzeuge fallen zuvor wegen technischer Pannen aus. Andere verlieren die Orientierung, bleiben stecken oder kippen um.

Zwar gelingt an mehreren Stellen ein Einbruch in die deutschen Stellungen, doch am Abend des folgenden Tages sind alle eingesetzten Tanks entweder zerstört oder vorübergehend kampfunfähig. Die Deutschen riegeln den britischen Vorstoß rasch ab und stellen das Patt wieder her.

Masseneinsatz bei Cambrai

"Auf der taktischen Ebene war der Angriff nur ein lokaler Erfolg", erklärt Pöhlmann. Für den weiteren Verlauf der Somme-Schlacht habe er keine Rolle gespielt. "Aus strategischer Sicht war es hingegen ein enormer Erfolg. Es gelang den Briten, das Tank-Projekt bis zum Einsatz geheim zu halten. Und die technische Überlegenheit ließ sich in der Propaganda glänzend ausschlachten."

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Ein zerstörter Mark I nahe Courcelette. (Foto: imago images/Reinhard Schultz)

In Berlin glaubt man, dem Tank Paroli bieten zu können. "Die Deutschen stellten sich schnell auf die Abwehr von Panzern ein - und zwar mit konventionellen Mitteln: Artillerie, Gräben, Minen", sagt Pöhlmann. "Als wichtigste Waffe tat sich dabei die Feldartillerie hervor, die man als Panzerabwehrgeschütze umfunktionierte."

Daneben beginnt das Kaiserreich mit der Entwicklung eines eigenen Panzers. Unter der Bezeichnung A7V entsteht ein Kettenfahrzeug, das allerdings nur in geringen Stückzahlen gebaut wird. Die deutsche Führung setzt andere Prioritäten: Die knappen Ressourcen werden bevorzugt in die U-Boot-Produktion investiert.

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London aber hält an der neuen Waffe fest. "Für die Briten war schnell klar: Wenn man den Panzer richtig einsetzen will, dann in Massen", so Pöhlmann. Aus dem "Rammbock", der nur die erste Linie aufbrechen soll, wird ein Mittel des Durchbruchs.

Im November 1917 ist es dann so weit. In der Schlacht von Cambrai durchstoßen rund 400 britische Tanks die Front und schlagen eine bis zu sechs Kilometer tiefe Bresche. Nach gut einer Woche drängen die Deutschen die Briten zwar wieder zurück. Doch inzwischen steht fest: Die Tanks sind mehr als ein Kuriosum des Schlachtfelds. Sie haben sich als neue Waffe etabliert.

Quelle: ntv.de

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