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Kartograph der Milchstraße Esa-Sonde "Gaia" erreicht optimale Position

Knapp vier Wochen nach seinem Start ins All erreicht das weltweit einzigartige Astronomie-Teleskop "Gaia" seine Umlaufbahn. Nach einer "kleinen Korrektur" soll es von dort eine 3D-Karte der Milchstraße erstellen.

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Computergrafik des "Gaia"-Satelliten, der ins All geschickt worden ist, um die Sterne der Milchstraße genau zu erfassen.

(Foto: dpa)

Die Europäische Weltraumagentur Esa in Paris teilt mit, dass sich der weltweit einzigartige Forschungssatellit "Gaia" nun in einer idealen Beobachterposition befindet - auf dem sogenannten Punkt Lagrange 2 (L2), der unserem Planeten in eineinhalb Millionen Kilometer Entfernung auf seiner Bahn um die Sonne folgt. Den Punkt L2 zu erreichen, sei ein sehr "komplexes" Vorhaben gewesen, erläuterte David Milligan, der bei der Esa die Operationen leitet. Die Triebwerke hätten "Gaia" in die richtige Richtung antreiben und gleichzeitig die empfindlichen wissenschaftlichen Instrumente vor der Sonne schützen müssen.

In der kommenden Woche solle noch eine "kleine Korrektur" an der Position des Teleskops vorgenommen werden, heißt es in der Mitteilung der Esa. Anschließend würden die Instrumente des Teleskops getestet und ausgerichtet, was vermutlich vier Monate dauern werde. Nach Abschluss dieser Phase könne "Gaia" seine auf fünf Jahre programmierte Mission beginnen.

Große Hoffnungen

Das Astronomie-Teleskop war am 19. Dezember planmäßig an Bord einer Sojus-Trägerrakete vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana ins All befördert worden. Der Esa-Forschungssatellit soll die bislang detaillierteste 3D-Karte unserer Milchstraße erstellen. Dazu soll "Gaia" die Position von einer Milliarde Sternen vermessen. Nach Angaben der Esa wird das Teleskop jeden der Sterne im Durchschnitt 70-mal ins Visier nehmen. Dabei sollen Position, Helligkeit, Temperatur und chemische Zusammensetzung der Himmelskörper erfasst werden. Erwartet wird am Ende der Mission eine Datenmenge von mehr als einem Petabyte - das sind eine Million Gigabyte, was etwa der Datenmenge auf 200.000 DVDs entspricht.

Die breit angelegte Sternenzählung soll es den Wissenschaftlern laut Esa ermöglichen, eine Art Stammbaum unserer Galaxie zusammenzustellen. Darüber hinaus soll das Astronomie-Teleskop in fernen Galaxien explodierende Sterne mit großer Masse entdecken, sogenannte Supernovae. Der Forschungssatellit könnte auch einer Vielzahl von Planeten in fremden Sonnensystemen auf die Spur kommen. Zudem dürfte "Gaia" viele neue Asteroiden entdecken, also kleine Himmelskörper, die unsere Sonne umkreisen. Auch eine genaue Überprüfung von Einsteins berühmter allgemeiner Relativitätstheorie wird von der Sonde erwartet.

Konzipiert und gebaut wurde "Gaia" von dem Weltraumunternehmen Astrium, dessen Kernteam sich auf Niederlassungen in Frankreich, Deutschland und Großbritannien verteilte. Laut Astrium trägt "Gaia" das empfindlichste Teleskop, das je gebaut wurde. Aufgrund seiner 106 CCD-Detektoren mit einer Milliarde Pixeln könne "Gaia" ein einzelnes Haar aus einer Entfernung von 700 Kilometern erkennen.

Quelle: ntv.de, sni/AFP