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Krankenbetten in XXL Gewichtiges Problem

Rettungsdienste und Krankenhäuser stehen immer öfter vor einem Problem: Häufig müssen Kräne, Schwerlastkorb oder Gabelstapler her, um Menschen von 200 Kilogramm oder mehr Körpergewicht aus ihren Wohnungen zu befreien und in extra angemieteten Spezialfahrzeugen zur nächsten Klinik zu transportieren. Doch auch hier ist man längst nicht immer auf die Bedürfnisse der steigenden Zahl fettleibiger Menschen ausgerichtet.

"Die Tendenz zum extremen Übergewicht ist für die Notfallversorgung ein echtes Problem," sagt Mike Filzen von der Essener Feuerwehr. In Zeiten von Fast Food und Bewegungsmangel hat man in der Ruhrgebietstadt allerdings dazu gelernt: Zwei so genannte Adipositas-Mobile hat die Feuerwehr in diesem Jahr angeschafft, weil sich die Fälle spektakulärer Rettungsaktionen extrem dicker Menschen häuften. Ausgestattet sind die neuen Spezialfahrzeuge mit einer XXL-Trage, die statt der üblichen 170 Kilogramm über 300 Kilogramm aushält und fast doppelt so breit ist wie eine normale Liege.

Auch über eine ausklappbare Rampe wie bei einem Lkw verfügt das Spezialfahrzeug, das mehrere hundert Kilo nach oben wuchten kann. Ähnlich sieht es in Dortmund aus, wo der erst seit wenigen Wochen in Betrieb genommene Rettungswagen für adipöse Patienten laut Rettungsdienstleiter Volker Schulz noch über eine Zusatzausstattung verfügt: Die Trage kann hier auf Schienen im Boden hereingezogen werden, so dass sie erst gar nicht mehr gehoben werden muss.

Fast täglich sei das Mobil in Dortmund und Umgebung bei Notfällen und als Transportwagen für schwergewichtige Dialyse-Patienten im Einsatz, sagt Schulz. Billig sind die schweren Fahrzeuge allerdings nicht. Mit 175.000 Euro kosteten sie rund ein Drittel mehr als ein normaler Rettungswagen, rechnet Mike Filzen vor. "Doch die Aufrüstung ist notwendig, kaum eine große Feuerwehr dürfte da in absehbarer Zeit drumherum kommen", betont er.

Nadeln sind zu kurz, Röntgen-Röhren zu schmal

Dasselbe gilt für Kliniken und Krankenhäuser: Betten sind zu klein, Nadeln zu kurz und Röhren für die Computer-Tomographie zu schmal, weiß Klaus Lewandowski, Leiter der Abteilung für Narkose- und Intensivmedizin am Elisabeth-Krankenhaus in Essen. Notwendig seien für extrem übergewichtige Menschen auch stärker belastbare OP-Tische, die statt höchstens 130 Kilo auch noch Patienten mit über 200 Kilo aushalten.

Auch in der Lübecker Klinik für Chirurgie hat man bereits begonnen, sich auf immer dickere Patienten einzustellen. Extra große Spezialbetten, die sich per Knopfdruck an Kopf- und Fußenden verstellen lassen, werden hier laut Chirurgin Elke Muhl geleast. Auch gebe es für dickere Menschen entsprechend angepasste Kanülen, die etwa beim Luftröhrenschnitt nötig seien. Und das Pflegepersonal sei bereits in einer Technik des Rücken schonenden Arbeitens bei schweren Lasten eingearbeitet. Ob es solche Maßnahmen jedoch bereits flächendeckend im ganzen Land gebe, sei zu bezweifeln, sagt die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Intensiv- und Notfallmedizin.

"Bislang hat man sich in den Kliniken meist irgendwie beholfen, das Umdenken tritt erst jetzt langsam ein", meint auch Uwe Gabler, Inhaber einer Firma, die bei Bedarf medizinische XXL-Ausrüstung an Krankenhäuser vermietet. "Der Markt ist jedenfalls definitiv da", betont er. Die Nachfrage bei der noch jungen Firma "Sizewise" sei kräftig gestiegen: 50 Häuser beliefere er zurzeit mit Betten, die bis zu 500 Kilo aushalten. Vor einem Jahr waren es noch 30 Kliniken.

Gebe es in Krankenhäusern Probleme bei der Behandlung dickerer Patienten, sei das sicherlich ein Kostenfaktor, sagt der Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Daniel Wosnitzka. "Eine Extra-Erstattung gibt es bei der Behandlung schwergewichtiger Patienten nicht, das müssen die Kliniken alleine stemmen", erklärt er. Angst haben müsse deswegen aber niemand: "Bislang haben die Krankenhäuser noch immer in kürzester Zeit eine Lösung gefunden."

Quelle: ntv.de