Wissen

Mit Farbe Erderwärmung mindern Helle Dächer schützen Klima

19.JPG

Griechenland - ausnahmsweise ein Vorbild für Deutschland?

(Foto: Heinrich Hall)

Weiße Dächer sind in Deutschland eher die Ausnahme – doch wenn es nach Wissenschaftlern geht, müssen die roten, schwarzen und braunen Bedeckungen bald in "kühle Dächer" umgewandelt werden – um das Sonnenlicht zu reflektieren, statt die Hitze zu speichern. Kann dieser Vorschlag wirklich dem Klima helfen?

Im Kampf gegen die Erderwärmung schlagen Wissenschaftler vor, den Dächern und Straßen in den Städten einfach eine hellere Farbe zu geben, damit die Hitze besser abgestrahlt wird. Dies hätte über 50 Jahre gerechnet einen kühlenden Effekt, der einer Verringerung des Treibhausgases CO2 um 25 bis 150 Milliarden Tonnen entsprechen würde, heißt es in einer Studie kanadischer Wissenschaftler. Im besten Fall würde dies in dem Zeitraum den Ausstoß an Abgasen aller Autos weltweit ausgleichen.

Weiße oder helle Materialien reflektieren das Sonnenlicht stärker statt es zu absorbieren und die Hitze zu speichern. Straßen und Dächer, die häufig in dunklen oder roten Farben gehalten sind und mehr als 60 Prozent der städtischen Oberflächen ausmachen, gelten deshalb als Hitzespeicher. Gegen die Hitze werden zudem in Städten mehr Klimaanlagen eingesetzt, was wiederum den Energieverbrauch erhöht.

Kühle Dächer zu welchen Kosten?

Wissenschaftler um Hashem Akbari von der Concordia-Universität im kanadischen Montreal gehen nicht von extrem hohen Kosten für die von ihnen vorgeschlagene Veränderung aus, denn Dächer und Straßen müssten ohnehin regelmäßig erneuert werden. "Man müsste nur, wenn die Zeit dafür gekommen ist, ein kühles Dach wählen", sagt Akbari. Manche der neuen Materialien wären vielleicht etwas teurer, doch würde dies durch die höhere Kostenersparnis danach ausgeglichen.

Der französische Klimaberater Jean-Marc Jancovici äußert sich jedoch skeptisch und verweist darauf, dass dies höchstens einen lokalen Effekt hätte. Wenn die Temperatur an bestimmten Orten durch weiße Dächer abgesenkt werde, dann heiße dies nicht automatisch, dass die Temperatur auch an entlegenen Stellen sinke, wendet er ein.

Britische Studie relativiert Effekt

Alfredo Stein vom Forschungszentrum für städtische Entwicklung an der Universität im britischen Manchester verweißt zudem darauf, dass es Probleme bei der praktischen Umsetzung gebe, insbesondere in den stark wachsenden Armutsvierteln der Metropolen. "Sehr starke Befürworter" wären vonnöten, um die Dächer so auszustatten, sagt er. Rund 70 Prozent aller Häuser würden von den Eigentümern selbst gebaut. Kosten und Verfügbarkeit der Materialien für ein Dach seien bei der Wahl der Hauseigentümer entscheidend.

Die renommierte britische Wissenschaftsakademie Royal Society hatte 2009 in einer Untersuchung der "Weiße-Dächer"-Methode nur einen geringen Effekt bescheinigt. In heißen Ländern würde es lokal von Nutzen sein, hieß es. Aber nur 0,05 bis ein Prozent der weltweiten Landfläche würde so abgedeckt, weshalb der Effekt auf globaler Ebene gering sei. Aufgrund der geschätzten Kosten von rund 300 Mrd Dollar (228 Mrd Euro) im Jahr wäre "dies eine der am wenigsten effizienten und teuersten Methoden" gegen die Erderwärmung.

Quelle: n-tv.de, AFP

Mehr zum Thema