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Wirkungsvolle Selbsthilfe Moskitos auf den Leib gerückt

Je weniger Moskitos es gibt, umso geringer ist das Risiko, an Malaria zu erkranken oder sogar zu sterben. Freiwillige Moskito-Scouts helfen, die Tiere schon im Larvenstadium zu töten.

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Sophia Gawawa auf ihrer Erkundungstour.

(Foto: picture alliance / dpa)

Prüfend blickt Sophia Gawawa auf die trübe Wasseroberfläche, dann taucht sie eine langstielige Kelle in den Swimmingpool auf einem verlassenen Grundstück am Rande der kenianischen Küstenstadt Malindi. Badegäste gab es hier schon länger nicht mehr, Regenwasser hat sich angesammelt und bildet eine grünliche Brühe - die ideale Brutstätte für Malaria-Mücken. In der von Sophia Gawawa entnommenen Wasserprobe schwimmen kleine Larven. Die schlanke junge Frau mit dem schwarzen, Haare und Schultern bedeckenden Kopftuch notiert den Fund. Sie ist ein Moskito-Scout, eine von knapp 20 Helferinnen und Helfern im Kampf gegen Malaria in Malindi und Umgebung.

Sophia und ihre Kollegen sind allesamt Freiwillige, die für eine Nichtregierungsorganisation jede Woche Wasseroberflächen untersuchen - ungenutzte Swimmingpools ebenso wie Sümpfe oder offene Abwasserbecken. Die gesamte Küstenregion Kenias wie auch des Nachbarlandes Tansania ist ein Risikogebiet für Malaria, deren Erreger durch Mückenstiche übertragen werden. Jedes Jahr sterben rund eine Million Menschen an Malaria - die meisten von ihnen Kleinkinder in Afrika oder Asien. Doch je weniger Moskitos, desto geringer das Risiko einer Infektion.

Bakterien als Vernichtungsmittel

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Mit Hilfe der langstieligen Kelle werden Wasserproben genommen.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Das Problem ist leichter zu kontrollieren, wenn die Moskitos noch im Larvenstadium sind und nicht ausschwärmen können", begründet die Sozialwissenschaftlerin Lydia Kibe den Einsatz der Moskito-Scouts. Um die Larven abzutöten, gibt es ein einfaches biologisches Mittel. Bakterien, die für die Larven tödlich sind, den übrigen Organismen, Fischen oder ausgewachsenen Insekten aber nicht schaden, werden ins Wasser gegeben. Kibe hat die Malaria-Scouts mit ausgebildet, arbeitet an der Mobilisierung von Dorfgemeinschaften und sozialen Gruppen. "Die Leute müssen selbst Verantwortung übernehmen und dürfen nicht darauf warten, dass die Regierung etwas unternimmt", fasst sie die Philosophie zusammen.

Die Moskito-Scouts sind nur ein Teil der Aktion gegen Malaria. Andere Gruppen erarbeiten Lieder oder Theaterstücke, in denen sie die Menschen in der Umgebung über die Vermeidung von Risiken, die richtige Anwendung von Moskitonetzen und andere Vorsorgemaßnahmen informieren. Die Ausbildung der Scouts und anderen Freiwilligen wird auch von der europäischen Initiative "Stop Malaria Now" unterstützt.

Vor allem Frauen treffen Vorkehrungen

Sophia Gawawa ist seit 2006 Moskito-Scout. In den islamisch geprägten Dörfern an der kenianischen Küste sehen viele Männer den Platz ihrer Frauen und Töchter im Haus und bei den Kindern. Doch für die Arbeit bei der Malaria-Bekämpfung musste die junge Frau nicht viel Überzeugungsarbeit leisten. "Als Kind hatte ich Malaria und erinnere mich, wie mich das hohe Fieber ausgezehrt hat", sagt sie. "Aber nun hat niemand in unserer Familie und Nachbarschaft Malaria, weil wir uns besser schützen können."

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Der richtige Einsatz von Moskitonetzen ist wichtig.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Sie lächelt ein wenig verlegen. "Wir wussten zwar schon seit längerem, dass wir uns vor Moskitos schützen müssen, aber in den Larven haben wir keine Gefahr gesehen. Viele Menschen glauben sogar, dass sie gute Geister sind, die das Wasser beschützen."

Der Kampf gegen Larven und Aberglauben zeige Erfolge, betont auch Morris Buni, der Leiter des Bezirkskrankenhauses in Malindi. "Malaria war noch vor wenigen Jahren die vorherrschende Krankheit, vor allem bei Kindern", sagt er und zeigt auf seine Patientenstatistiken. "Doch inzwischen ist Malaria auf Platz fünf gerückt. Und was noch wichtiger ist: Im gesamten Jahr 2009 haben wir keinen einzigen Patienten wegen Malaria verloren."

Quelle: n-tv.de, Eva Krafczyk, dpa

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