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Länge des Ringfingers vermessen Neandertaler hatten viel Sex

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Über das soziale Verhalten der Neandertaler können Wissenschaftler nur spekulieren (Neandertalermuseum Kroatien).

(Foto: picture alliance / dpa)

Wissenschaftler gehen davon aus, dass Neandertaler sexuell aktiv waren und häufige Partnerwechsel vollzogen. Als Grundlage dafür wurden die Fingerknochen der Urmenschen vermessen und die Daten ausgewertet. Die Interpretation soll die Debatte um das Sozialverhalten unserer Vorfahren bereichern.

Zeige mir Deine Finger, und ich sage Dir, wie männlich du bist: Ganz so einfach ist es leider nicht. Doch Wissenschaftler haben jetzt anhand der Fingerlänge von Neandertalern und anderen Urmenschen herausgefunden, dass diese stärker von bestimmten männlichen Hormonen geprägt waren als die Menschen heute. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass die Urmenschen viel aggressiver waren und häufiger den Sexualpartner wechselten, teilten die Forscher der Universitäten in Liverpool und Oxford mit.

Die Studie basiert den Wissenschaftlern zufolge auf einer bereits seit längerem bekannten Annahme. Diese geht davon aus, dass die Menge von männlichen Hormonen wie Testosteron, der ein Baby im Mutterleib ausgesetzt ist, die Länge der Finger beeinflusst. Ein hoher Hormoneinfluss erhöht demnach die Länge des Ringfingers im Verhältnis zum Zeigefinger. Gleichzeitig bestimmen diese Hormone die Ausprägung männlicher Eigenschaften wie Aggression oder häufiger Partnerwechsel.

Reine Interpretation?

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Die Nachbildung eines älteren Neandertalers, der gar nicht aggressiv wirkt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Vergleich von Fingerknochen lässt damit Rückschlüsse auf das soziale Verhalten von Urmenschen zu, erläuterten die Wissenschaftler in dem Fachjournal "Proceedings of the Royal Society B".

"Es ist extrem schwer, auf das soziale Verhalten zu schließen, wenn man nur Fossilien hat", sagte Susanne Shultz von der Universität Oxford. "Indem wir solche neuen Herangehensweisen entwickeln, wie etwa den Vergleich von Fingerlängen, können wir die Debatte um das Sozialverhalten unserer frühesten Vorfahren bereichern."

Quelle: ntv.de, dpa