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Erstmals in Europa zugelassenNeuer Chip fürs Auge holt Teil der Sehkraft zurück

31.07.2026, 17:34 Uhr IMG-20190620-WA0006Von Jana Zeh
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Netzhaut_Chip
Dieser Chip ist ein Meilenstein in der Augenheilkunde. (Foto: Science Corporation)

Millionen Menschen weltweit verlieren durch Makuladegeneration im Alter ihr Augenlicht. Ein neuer Chip soll einen Teil der Sehkraft zurückbringen. Nach der Zulassung in Europa kann das Implantat nun auch hierzulande als reguläre Krankenversorgung zum Einsatz kommen.

Mit einem neuartigen Netzhautimplantat haben Menschen mit einer bestimmten Form der sogenannten Makuladegeneration in Europa nun die Möglichkeit, einen Teil ihrer Sehkraft zurückzubekommen. Der nur zwei mal zwei Millimeter große und hauchdünne Chip ist von der Firma Science Corporation entwickelt worden und erhielt nun die CE-Zulassung für 33 Länder in Europa. Von Fachleuten wird der Chip bereits als Wendepunkt in der Augenheilkunde bezeichnet.

Der Grund: Bisher gab es in Europa keine zugelassene Therapie für die altersabhängige Makuladegeneration (AMD), die auch als trockene AMD bezeichnet wird. Die Krankheit kann bisher weder gestoppt noch geheilt werden. Fachleute gehen davon aus, dass in Deutschland rund 480.000 Menschen das Spätstadium der Erkrankung und damit massive Einschränkungen beim Sehen bereits erreicht haben. Der Großteil davon ist älter als 75 Jahre.

Schleichende Entwicklung

Die Krankheit, die schon ab dem 50. Lebensjahr unbemerkt beginnen kann, ist eine chronische Stoffwechselstörung. Der auch als Makula bezeichnete Bereich in der Mitte der Netzhaut ist für das scharfe und zentrale Sehen verantwortlich. Durch die Stoffwechselstörung lagern sich in diesem Bereich Abfallprodukte ab, was zum Absterben von Sehzellen und schließlich zu einer schweren Sehbehinderung im Blickzentrum oder sogar einer vollständigen Erblindung im Alter führen kann.

Die Auswirkungen des Spätstadiums der Erkrankung werden als "geographische Atrophie" diagnostiziert, weil die durch moderne Technik sichtbar gemachten Schäden wie Kontinente oder Inseln auf einer Landkarte aussehen. "Sie ist die häufigste Ursache irreversibler Erblindung und betrifft weltweit mehr als fünf Millionen Menschen", schreiben die Autoren, die den neuen Chip in einer wissenschaftlichen Untersuchung geprüft haben, im "The New England Journal of Medicine".

"Menschen, bei denen ein Auge von geografischer Atrophie betroffen ist, entwickeln das Krankheitsbild im Durchschnitt nach sieben Jahren auch auf dem zweiten Auge", heißt es dazu im Areds Report. Betroffene sehen oftmals nur noch einen dunkelgrauen oder schwarzen Fleck im Zentrum ihres Gesichtsfeldes. Das führt dazu, dass sie nach und nach ihre Lesefähigkeit verlieren und Gesichter nicht mehr erkennen können. Hinzu kommen Probleme bei Dämmerung und beim Nachtsehen.

Winziger Chip und spezielle Brille

Der winzige, kabellose Fotovoltaik-Chip soll nun helfen, die gestörten Bereiche im Auge zu überbrücken. Er wird während einer ein- bis zweistündigen Operation genau an die Stelle unter der Netzhaut implantiert, die geschädigt ist. Damit das Implantat richtig arbeiten kann, benötigt es viel Licht und zusätzlich eine spezielle Brille. Mit dieser werden die Bilder erfasst und per Infrarotlicht direkt an den Chip im Auge gesendet. Der Chip wandelt die Bilder in elektrische Impulse um, die dann ins Gehirn geleitet werden. Nur Betroffene mit der Diagnose geografische Atrophie aufgrund von AMD mit Verlust des zentralen Sehens an beiden Augen sind für das neue Implantat geeignet.

"Nach der Implantation erfolgt eine mehrmonatige Reha, in der das Sehen und Lesen mit dem implantierten Mikrochip trainiert wird", schreibt das Universitätsklinikum Bonn, das an der Studie vor der Zulassung des Produkts beteiligt war. Auch wenn die Betroffenen mehrere Monate bräuchten, um die neue Art des Sehens zu erlernen, könnten sie dank des Gerätes dann jedoch so sehen wie andere Menschen auch, führt Mahi Muqit, Leitenden Augenarzt der Studie aus. "Das gab es bei keinem Gerät zuvor." Mehr als 84 Prozent der Studienteilnehmenden konnten nach dem Eingriff und der Reha wieder Buchstaben, Zahlen oder Wörter erkennen.

Vorteile des Systems überwiegen

Doch wie bei jeder anderen Operation können auch beim Einsatz des neuen Mikrochips Komplikationen auftreten. Den Studienergebnissen zufolge kam es zu Nebenwirkungen wie erhöhter Augeninnendruck bei 19 von insgesamt 39 Studienteilnehmenden. Die Nebenwirkungen traten hauptsächlich in den ersten beiden Monaten nach der Operation auf. Die meisten davon verschwanden innerhalb der nächsten beiden Monate wieder.

Trotz der Nebenwirkungen werde das Implantat gut vertragen, schreibt das Uniklinikum Bonn. Das sieht auch ein unabhängiges Data Safety Monitoring Board so, denn es sprach sich einstimmig für eine Zulassung der neuen Technologie aus. Die Expertengruppe kam zu dem Schluss, dass der klinische Nutzen die potenziellen Risiken überwiegt. Wie lange der Chip im Auge hält, kann bisher niemand sagen.

"Die Verfügbarkeit dieser Therapie stellt einen Durchbruch bei der Therapie der trockenen AMD dar und ich freue mich, dass Betroffene nun davon profitieren können", sagt Frank Holz vom Universitätsklinikum Bonn, der an der Studie beteiligt war. Noch unklar ist, wie sich die Krankenkassen auf die Erstattungsanträge, die Betroffene zusammen mit ihrem behandelnden Arzt stellen müssen, reagieren werden. Immerhin werden die Gesamtkosten inklusive der mehrmonatigen Reha bei rund 100.000 Euro liegen.

Quelle: ntv.de

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