Wissen
Mittwoch, 05. Dezember 2007

Höchste Sicherheitsstufe: Virenlabor eröffnet

Obwohl die Hygienestandards sehr hoch sind - die Putzfrau darf auf keinen Fall hinein. Nur wenige Wissenschaftler haben Zutritt zum modernsten Hochsicherheitslabor für Virenforschung in Deutschland, das im mittelhessischen Marburg offiziell in Betrieb genommen wurde. In dem Labor, errichtet nach dem neuesten Stand der Technik, dürfen unter der höchsten Sicherheitsstufe vier bundesweit erstmals auch gentechnisch veränderte tödliche und hoch ansteckende Viren wie das Marburg- und das Ebola-Virus untersucht werden. Land und Bund zahlten 11,5 Millionen Euro für den Bau der Universität Marburg, der nach gut zwei Jahren fertig gestellt wurde.

Wenn Mitte Dezember der "heiße Betrieb" in dem Labor losgeht und mit tödlichen und hoch ansteckenden Erregern hantiert und nach neuen Diagnose- und möglichen Therapiemethoden geforscht wird, haben nach Angaben von Markus Eickmann, dem Leiter des Labors, nur 14 Mitarbeiter Zutritt zu dem hermetisch abgeschlossenen Bereich. "Die müssen dann eben auch putzen - mit extra vorgeschriebenen Putzmitteln", sagt der Virologe.

Bis zu fünf Paar Handschuhe müssen die Forscher tragen

Drei Sicherheitsschleusen müssen die Forscher vor dem Zutritt zum Labor überwinden. Sogenannte Vollschutzanzüge, in denen sie wie gelbe Astronauten aussehen, Gummistiefel und mehrere Paar Schutzhandschuhe sind Vorschrift an diesem von der Außenwelt abgekapselten Arbeitsplatz. "Wer mit Tieren arbeitet, der muss sogar fünf Paar Handschuhe anziehen", sagt Eickmann. "Obwohl wir nur mit betäubten Tieren arbeiten, die eigentlich gar nicht mehr zubeißen können." Skalpelle, Scheren oder sonstige Dinge, die schneiden können, sind im Labor tabu. "Die Anzüge sind luftdicht und sollen es auch bleiben", sagt der 41-Jährige. Rund 2500 Euro koste ein maßgeschneiderter Vollschutzanzug.

Um sich mit Kollegen verständigen zu können, tragen die Forscher Funkkopfhörer. Sechs Wissenschaftler dürfen zur gleichen Zeit in dem blitzblanken Labor arbeiten - allerdings nur drei Stunden am Stück. "Die Arbeitszeit ist aus Sicherheitsgründen begrenzt, weil nach drei Stunden die Konzentration nachlässt", sagt Eickmann. Wer das Labor verlässt, muss sich einer chemischen Dusche unterziehen - damit auch bloß nichts von den Viren der höchsten Risikostufe vier in die Außenwelt gelangt.

"Man muss auf jedes Szenario vorbereitet sein"

Um dennoch für einen Zwischenfall gewappnet zu sein, laufen seit der Fertigstellung des neuen Gebäudes Mitte 2007 viele Sicherheitstests - etwa mit der Feuerwehr, dem Rettungsdienst und dem Behandlungszentrum für hochpathogene Viruserkrankungen in Frankfurt. "Auch alle technisch erdenklichen Störungen wurden durchgespielt", sagt Eickmann. Das Labor werde 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag betriebsbereit sein. "Da muss man auf jedes Szenario vorbereitet sein."

Wenn irgendwo in Deutschland der Verdacht auf tückische Viren aufkommt, dann landen die vermeintlichen Erreger entweder in Marburg oder am Bernhard-Nocht-Institut (BNI) für Tropenmedizin in Hamburg. Dort soll im Januar ein vergleichbares Labor in Betrieb gehen. In Zeiten, in denen die Angst vor möglichen bioterroristischen Angriffen wachse, sei es eine Verpflichtung, hochgefährliche Viren im Griff zu behalten, sagte Hessens Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU). Diese Verpflichtung habe auch Marburg, wo die Virenforschung Tradition sei.

In der beschaulichen Universitätsstadt wurde das Marburg-Virus im August 1967 erstmals beobachtet. Der Erreger war mit Versuchsaffen aus Uganda nach Marburg eingeschleppt worden. Dies wurde zum Ausgangspunkt umfangreicher Virenforschungen. Auch deshalb sind wohl auf der Fassade des neuen Laborgebäudes vergrößerte Marburg-Viren abgebildet.

Von Maria Panagiotidou, dpa

Quelle: n-tv.de