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Der wächst über sich hinaus Audi A1 kratzt an der Kompaktklasse

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Optisch soll der A1 Anleihen beim starken Bruder R8 nehmen.

(Foto: Axel F. Busse)

Audi stellt sein Einststiegsmodell neu auf. Der Dreitürer des A1 wird in Rente geschickt, die Vier-Meter-Marke ist geknackt und damit die sportliche Attitüde glaubhafter wird, finden sich Designmerkmale des schnellsten und teuersten Verwandten: des R8.

In einer adipös bedrohten Gesellschaft ist das Wort "Abnehmen" positiv besetzt. "Wegnehmen" hat dagegen eine negative Einfärbung. Ist bisher Vorhandenes künftig nicht mehr erhältlich, wird deshalb gern von "Verschlankung des Angebots" gesprochen. Eine solche Diät hat auch der Audi A1 durchgemacht, bei dem es fürderhin keinen Dieselmotor und keinen Dreitürer mehr gibt.

Der A1 Sportback wird künftig mit einer Auswahl von vier Benzin-Motoren zu haben sein, die weiter unter dem Kürzel TFSI firmieren. Die Einstiegsversion leistet 95 PS, das Topmodell derer 200. Quattro-Antrieb ist ebenfalls nicht vorgesehen, wobei das Angebot in dieser Hinsicht allerdings noch ausbaufähig scheint. Von der ersten Generation des A1 wurde schließlich auch noch ein sportliches Topmodell nachgeschoben, der als S1 Erinnerungen an das weiland von Walter Röhrl gesteuerte Rallye-Auto wecken sollte.

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Den A1 gibt es in Zukunft nur noch als Fünftürer.

(Foto: Axel F. Busse)

Der Verzicht auf den Dreitürer scheint plausibel, da bislang rund 80 Prozent der Kunden die Karosserie mit fünf Türen wählten. Immerhin mehr als 900.000 Mal wurde der A1 bisher weltweit geordert. Rund ein Fünftel entschied sich für einen Selbstzünder, was in der Klasse der Vier-Meter-Autos ein durchaus respektabler Wert ist und über dem allgemeinen Durchschnitt liegt. Ein Motor, der an Wirtschaftlichkeit und CO2-Ausstoß einen der turbo-befeuerten Direkteinspritzer unterbieten könnte, ist derzeit jedoch nicht in Sicht.

Streben nach Höherem

Allerdings erscheint es nicht völlig abwegig, als Alternative eine Erdgas-Variante ins Rennen zu schicken: Einerseits hat Audi viel Erfahrung mit der Technik, denn A3 und A4 werden auch mit CNG-Motoren angeboten, andererseits gibt der Volkswagen Polo TGI ein gutes Beispiel dafür, wie ein Erdgas-Antrieb bei einem Audi-Startpaket funktionieren könnte. Mit dem Kleinwagen aus Wolfsburg hat der A1 technisch viel gemein, denn er basiert wie der Polo auf dem Modularen Querbaukasten (MQB).

Aktuell beginnt das Angebot beim Modell A1 30 TFSI, der mit Dreizylinder-Motor und 116 PS daher kommt. 21.150 Euro wird als Basispreis aufgerufen. Die 95-PS-Variante soll für unter 20.000 Euro zu haben sein. Die wird dann, ebenso wie der 30 TFSI, standardmäßig mit einer Sechsgang-Handschaltung ausgeliefert, andere Antriebsvarianten können mit Sechs- oder Siebengang-Automatik bestellt werden. Der Aufpreis für die S-Tronic ist mit 1700 Euro zu veranschlagen.

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Die Mittelkonsole mit großem TFT ist dem Fahrer zugewandt.

(Foto: Axel F. Busse)

Dass Audi mit dem A1 nach Höherem strebt, ist nicht nur daran zu erkennen, dass der Wagen als "Neudefinition der Kompaktklasse" gepriesen wird, sondern auch an größeren Abmessungen. Mit einem Längenwachstum von 56 Millimetern hat der A1 die Vier-Meter-Marke geknackt, ist schmaler und flacher geworden und hat beim Radstand stolze 94 Millimeter zugelegt. Allerdings springt nur minimal mehr Beinfreiheit für die zweite Reihe dabei heraus, stattdessen wuchs der Kofferraum auf 335 Liter. Insgesamt zeigt die Karosserie schärfere Konturen, der Frontgrill ist tiefer angebracht und die Kante zwischen Grilleinfassung und Haube zeigt drei markante Schlitze. Das pummelige Kleinwagen-Gesicht ist passé.

Diese Neugestaltung der Frontpartie hat der A1 dem Designer Jürgen Löffler zu verdanken, der auch für das sportliche Audi-Topmodell, den R8, verantwortlich zeichnet. Der stärkste Audi zeigt die gleichen Merkmale, einen tiefen Grill und die drei Schlitze. Größere Lufteinlässe am Bug sowie bis zu 18 Zoll große Felgen untermauern die dynamische Optik des A1. Nach Lesart des Herstellers ist die Gestaltung damit "maskuliner" geworden. An der Cockpitgestaltung fällt auf, dass die Mittelkonsole um 13 Grad zum Lenkplatz hin geneigt ist, das soll die Fahrerorientierung und die Ablesbarkeit der Informationen auf dem Monitor verstärken. An Verkleidungen und Einfassungen finden sich auf Wunsch Zitate der zehn verfügbaren Außenfarben wieder, gemeinsam mit der Auswahl an Kontrastlacken fürs Dach und Felgenoptionen nennt Audi eine Zahl von einer Million Kombinationsmöglichkeiten. An einer exzellenten Rundumsicht hindert lediglich die breite C-Säule.

Mit Assistenten aufgerüstet

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Auch die Polster können farblich variiert werden. Insgesamt soll es eine Million Kombinationsmöglichkeiten geben.

(Foto: Axel F. Busse)

Neu sind Sprachsteuerung und Touchflächen, die den bekannten Dreh-Drücksteller für die meisten Menü-Funktionen ersetzen. Das mag als Fortschritt gelten, jedoch fehlt es dem zentralen Monitor an einer haptischen Rückmeldung beim Berühren der Kacheln auf dem Bildschirm. Die Bedienlogik ist intuitiv und gibt keine Rätsel auf. Die Aufrüstung mit Assistenzsystemen ist inzwischen auch im Kleinwagenbereich unvermeidlich, die Kunden verlangen danach. Für die Datenbasis sorgt eine Kamera, die Verkehrsschilder, Fußgänger und den Straßenrand erkennt und den Fahrer entsprechend über Tempobeschränkungen informiert oder vor Gefahren warnt. Das Abstandsradar der adaptiven Geschwindigkeitsregelung soll bis 200 km/h funktionieren und der Spurhalte-Assistent bittet nach zehn Sekunden dezent darum, doch bitte wieder das Lenken zu übernehmen.

Die Testfahrten mit der 150-PS- und der 200-PS-Version belegten den erwartet munteren Charakter des rund 1200 Kilo leichten Fünftürers, wobei der spürbare Temperaments-Unterschied nicht der Differenz auf dem Datenblatt entsprach. Die maximalen 320 Newtonmeter des Zweiliter-Vierzylinders, dessen Verwendung im Konzern bis zum Skoda Superb und dem T6-Bulli reicht, fördern zwar Gelassenheit beim Überholen, sind aber von einer Schubkraft-Eruption weit entfernt. Das Fahrwerk ist straff abgestimmt, kann aber auch mit ungepflegten Straßenzuständen gut umgehen. Die Lenkung ist direkt, so dass ein fahraktiver Gesamteindruck die Oberhand behält.

Der A1 ist ab sofort mit dem 116-PS-Dreizylinder bestellbar, ein Termin für die Einstiegsversion ist derzeit noch nicht bekannt. Vom A1 wurden dieses Jahr bisher rund 16.000 Stück in Deutschland neu zugelassen, womit er in der markeninternen Statistik vor dem Q3 und knapp hinter dem Q2 liegt.

Quelle: n-tv.de

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