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Einfach mal träumen BMW R 18 Classic - wie die LA City Police

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Windschild, extra Scheinwerfer und richtig groß: Die BMW R 18 Classic ist ein Motorrad zum Träumen.

Prinzipiell entspricht die R 18 Classic ihrer Schwester, der R 18. Und dennoch lädt sie mehr zum Träumen ein. Warum das so ist, erfuhr ntv.de auf einer Ausfahrt um München, auf der sich der bayrische Büffel von einer ganz neuen Seite zeigte.

Wenn man sich auf die BMW R 18 Classic schwingt, kommt man sich ein bisschen wie ein LA City Police Officer aus den 1970er-Jahren vor. Die fuhren zu der Zeit auf einer Harley-Davidson. Genau wie die Motorradstaffel der Polizei im Jahr 2003 in Hamburg. Damals hatte die Hansestadt ein einjähriges Pilotprojekt gestartet, in dem sieben Motorrad-Polizisten als Dienstmaschine eine 345 Kilogramm schwere "FLHTPI Electra Glide Police" fahren durften.

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Bei 30 Grad Schräglage ist Schluss und dennoch kommt man mit der BMW R 18 Classic erstaunlich flott ums Eck.

(Foto: Markus Jahn)

Warum erzähle ich das? Die Harley löste damals die BMW-Motorräder ab. Der bis heute sehr umstrittenen Innensenator Ronald Schill versprach sich von dem Projekt eine Image-Verbesserung für seine Ordnungshüter. Da man nie wieder was von der Nummer gehört hat, scheint sie wohl sang- und klanglos im Sand verlaufen zu sein. Aber sollte der nächste Innensenator auf die Idee kommen, seine Zweiradstaffel zum Aufpolieren des Images mal auf einen richtig bulligen Cruiser setzen zu wollen, dann sollte er es mit der BMW R 18 Classic probieren.

Einfach mal ein Statement setzen

Die bringt jedenfalls von Haus aus alles mit, um ein Statement zu setzen. Wichtigste Accessoires sind der große Windschild und die runden LED-Zusatzscheinwerfer. Nicht nur für Polizeizubehör sind am Heck zwei lederne Satteltaschen mit einem Gesamtvolumen von 31 Litern verbaut und es gibt, anders als bei der R 18, einen Soziussitz und ein fettes 16-Zoll-Vorderrad. Also kann man mit der R 18 in Gedanken Verbrecher jagen oder vorzugsweise ganz nostalgisch touren. Dafür sorgt eine extrem lässige Sitzhaltung, die auf Wunsch mit Trittbrettern statt der normalen Fußrasten noch mal einen Tick aufgewertet wird.

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Auch am Königssee macht die BMW R 18 Classic keine schlechte Figur.

(Foto: Markus Jahn)

Herzstück und Augenweide ist natürlich der "Big Boxer", der - man kann es gar nicht oft genug sagen - hubraumstärkste jemals in der Motorradserienfertigung eingesetzte Zweizylinder-Boxermotor. Dieses aus 1802 Kubikzentimetern Hubraum 91 PS schöpfende Ungetüm wuchtet ab 3000 Kurbelwellenumdrehungen 158 Newtonmeter über die frei drehende Kardanwelle an das Hinterrad. Allein der Start dieses bulligen Triebwerks ist, als würde man eine Messe lesen. Nur wenn die Kupplung gezogen ist und beide Hände die Lenkerenden im Griff haben, sollte man den Motor zum Leben erwecken, denn wenn die Kolben in Seitwärtsbewegung gehen, ist das wie der Glockenschlag in der Kirche samt Ausruf des Halleluja.

Geistig auf Verbrecherjagd

Wer jetzt will, drückt mit dem linken Fuß den Gang rein, lässt die Kupplung kommen und zieht am Hahn. Unter munteren Seitschlägen schiebt der Boxer jetzt die 365 Kilogramm an. Nicht mehr als 4,8 Sekunden braucht es, bis die aus langen Endrohren in sonorem Bass böllernde R 18 Classic Landstraßentempo erreicht hat. Wer sich jetzt geistig immer noch auf Verbrecherjagd befindet, kann nicht nur die Zusatzscheinwerfer einschalten, sondern auch das schwere Gerät bis auf über 180 km/h beschleunigen. Die Chancen, den Bösewicht zu fassen, sind hier jedenfalls größer als damals bei der Hamburger Polizei, denn deren Harleys brachten es in der Spitze lediglich auf 173 km/h.

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So richtig gemütlich fährt sich die R 18 Classic bei 1600 Umdrehungen.

(Foto: Markus Jahn)

Nun sollte der, der wegen des Gesetzes so jagen muss, wissen, dass hohe Geschwindigkeiten eigentlich nicht so das Ding eines Tourers sind. Erstens muss man hierfür sehr genau darauf achten, dass das Windschild die richtige Höhe hat. Denn ist es zu niedrig, gibt es ab Tempo 120 ordentlich was auf den Helm. Zudem sollten bei derartigen Ritten keine spitzen Kehren im Weg sein, denn der Neigungswinkel dieser Wuchtbrumme ist mit 30 Grad doch recht limitiert. Wer sich hingegen eher auf einer Kontrollfahrt wähnt oder tatsächlich einfach nur die Tour am Nachmittag oder Wochenende genießen will, der lässt den dicken Treibsatz zwischen 1600 und 2500 Umdrehungen gemütlich blubbern und segelt entspannt über den Asphalt und durch jede Kurve. Richtig cool wird es, wenn man sich im Zubehörkatalog die Schaltwippe ausgesucht hat und die Gänge nach oben mit dem Hacken in Stellung bringt.

Erstaunlich leicht zu handhaben

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Erfreulich sind die Sicherheitsfeatures der R 18 Classic.

(Foto: Markus Jahn)

Interessant ist übrigens die Handhabung der R 18 Classic. Trotz ihrer 365 Kilogramm wirkt sie während der Fahrt erstaunlich leicht und mit einer Sitzhöhe von 710 Millimetern ist auch der Biker mit den kürzesten Beinen in der Lage, das Motorrad im Sitzen rückwärts zu schieben. Muss aber nicht, denn BMW offeriert für 950 Euro auch einen Rückwärtsgang. Den einzustellen und die R 18 dann auch zielgenau zu bewegen, bedarf es etwas Übung, ist am Ende aber kein Hexenwerk.

Großes Lob verdienen auch die Bremsen. Vorn gibt es zwei Doppelscheiben mit einem Durchmesser von 300 Millimetern und hinten eine Scheibe von gleicher Größe. Wer hier also schnell zum Stillstand kommen muss, braucht nur hart zuzupacken. Und selbst in diesen Situationen bleibt das Motorrad erfreulich stabil.

In brenzligen Situationen wird der Fahrer natürlich von einer automatischen Stabilitätskontrolle unterstützt und die Motor-Schleppmoment-Regulierung verhindert bei abrupter Gaswegnahme oder beim frühen Zurückschalten ein Rutschen des Hinterrades. Die Anti-Hopping-Kupplung sorgt dafür, dass das Hinterrad beim Schnippenlassen der Kupplung nicht stempelt. Also kann man auch mit der R 18 Classic ganz klar "Rock" and "Roll" fahren oder sich beim Fahrprogramm "Rain" darauf verlassen, dass nichts Unvorhergesehenes passiert.

Im Grunde zutiefst erfreulich

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Der Komfort der BMW R 18 Classic liegt nicht bei dem einer Reiseenduro, wirkt aber keine Sekunde spartanisch.

(Foto: Markus Jahn)

Nicht unwichtig zu erwähnen ist, dass die R 18 Classic sich trotz ihres üppig dimensionierten Vorderrades auch in engen Kurven keine Blöße gibt. Wer allerdings auf diesem Bike einen Fahrkomfort erhofft, wie man ihn von klassischen Reiseenduros kennt, muss enttäuscht werden. Zum einen ist das Bauart bedingt nicht möglich, zum anderen wirkt der Ritt auf der R 18 Classic in keinem Moment spartanisch. Vielmehr entspricht das Bild dem, das man von einem nostalgischen Tourer oder dem Polizei-Kreuzer auf zwei Rädern im Hinterkopf hat.

Allerdings ist nicht gesagt, dass sich jeder Wachmann ein solch wuchtiges Schmuckstück leisten kann, denn mit 25.100 Euro muss man hier schon tief ins Portfolio greifen. Hinzu locken optional zahllose "Nice to haves", die vom ikonischen Tagfahrlicht über Heizgriffe und die schon erwähnte Rückfahrhilfe bis zum abschließbaren Tankdeckel reichen. Am Ende ist man schnell bei 27.000 Euro und hat noch nicht mal einen individuellen Radsatz für 3500 Euro dabei. Aber ganz ehrlich? Den braucht es nicht, denn die Fahrt mit der R 18 Classic ist auch in der Grundausstattung eine zutiefst erfreuliche und dabei ist es auch völlig egal, ob man sich als LA City Police Officer über die Straße träumt oder einfach so genießt, was man ist.

Quelle: ntv.de

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