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Mit dem Peugeot 304 Cabrio zur Geburtstätte der Löwenmarke.
Mit dem Peugeot 304 Cabrio zur Geburtstätte der Löwenmarke.
Dienstag, 06. Juni 2017

Wo der Löwe geboren wurde: Eine Reise zur Wiege von Peugeot

Sochaux heißt das Dörfchen zwischen Jura und Vogesen, wo die mutmaßlich älteste noch existierende Automarke der Welt das Laufen lernte und bis heute Produkte fertigt. Eine Zeitreise mit zwei Peugeot-Klassikern.

Ein beredtes Zeichen für das Alter der Marke Peugeot sind die Oldtimer.
Ein beredtes Zeichen für das Alter der Marke Peugeot sind die Oldtimer.

Ein verschlafenes Nest recht nah an der deutsch-französischen Grenze, 3900 Einwohner groß und mit ein paar verblassten Fassaden, die mal wieder einen Anstrich gebrauchen könnten. Ohne Grund kommt man hier kaum hin. Dabei ist Sochaux durchaus einen Umweg wert. Denn von hier stammt die Familie Peugeot, die Gründer jener Autofirma, die den Löwen im Logo trägt.

Peugeot gilt als der älteste Autobauer der Welt. Ungeachtet der Tatsache, dass der Daimler Motorwagen im Jahr 1886 drei Jahre früher der Öffentlichkeit präsentiert wurde als Peugeots dampfgetriebenes Serpollet-Dreirad. Aber der französische Autohersteller firmierte immer unter Peugeot und tut es noch heute, während Motorwagen-Erfinder Carl Benz dem neuzeitlichen Daimler-Konzern erst noch den Weg ebnen musste. Den Löwen als Markenzeichen gab es schon Mitte des 19. Jahrhunderts, als Autos noch viele Jahrzehnte Zukunftsmusik waren.

Peugeot-Geschichte in Hérimoncourt

Peugeot hat aber nicht nur Autos gebaut. Auch Haushaltsgeräte gehörten zum Angebot.
Peugeot hat aber nicht nur Autos gebaut. Auch Haushaltsgeräte gehörten zum Angebot.

Um die landschaftlich und fahrerisch reizvolle Gegend zu erkunden, die fast 500 Kilometer von Paris entfernt liegt, lohnt es eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen. Womit ginge das besser als mit einem Peugeot 304 Cabrio und ein 504 Coupé. Bei strahlend blauem Himmel und sommerlichen Temperaturen geht es zunächst in die Réserve in Hérimoncourt. Hier bunkern die Franzosen nicht nur Dokumente, Skizzen und Zeichnungen – die älteste stammt übrigens aus dem 19. Jahrhundert. In den großzügig bemessenen Räumlichkeiten befindet sich auch ein Hochregal mit verschiedensten automobilen Kreationen des Konzerns. Vom profanen 607 Serienmodell über exotische Studien, die niemals in Serie gingen bis hin zu heruntergerockten Panhard-Modellen (die Panhard-Rechte gehören längst zum Konglomerat), ist alles vertreten. Die Réserve ist das Mekka für forschende Technik-Historiker.

Auf dem weiteren Weg liegt auch das Musée de l’aventure, zu Deutsch: Abenteuer-Museum. Aber damit keine Missverständnisse entstehen – Achterbahn oder Wasserrutsche gibt es hier nicht. Dafür ein Café und verspielt wirkende Deko-Fassaden, die einem den Rundgang optisch versüßen sollen. Autos aus allen Epochen findet man hier natürlich ebenso. Es sind Vehikel, die selbst für hartgesottene Autokenner noch Überraschungen bereithalten.

Elelktroauto - keine Erfindung der Neuzeit

Gerade die Studien wecken Begehrlichkeiten beim Besuch des Peugeot-Museums.
Gerade die Studien wecken Begehrlichkeiten beim Besuch des Peugeot-Museums.

Beim Peugeot VLV aus den Vierzigern, der stilmäßig auch gut von Messerschmidt stammen könnte, muss man unweigerlich auf die Infotafel schauen. Und siehe da, es handelt sich um ein Elektrofahrzeug – zwar nur 1,3 PS stark und 30 km/h schnell, aber eben ohne Verbrennungsmotor und damit klarer Beweis, dass Elektromobilität keine Erfindung der Neuzeit ist. Peugeot war Anfang des 20. Jahrhunderts auch im Segment der schweren Lastkraftwagen unterwegs, aber viel aufregender ist ein unspektakulär drapiertes Zwölfzylinder-Triebwerk mit 5,5 Litern Hubraum. Der 700 PS starke Selbstzünder blieb allerdings dem Le Mans Rennsportwagen 908 HDI FAP vorbehalten, den die Franzosen hier selbstredend gleich mit vorstellen.

Es finden sich natürlich unzählige weitere Autos in den heiligen Hallen von Sochaux, vom ersten Blechdach-Cabrio aus den Dreißigern, dem Eclipse 402, über schlichte Fünfzigerjahre-Schönheiten, wie dem Peugeot 403, bis hin zu Kreationen, die man nie kaufen konnte. Das von Zulieferer Heuliez gefertigte 405 Coupé gehört dazu. Doch Peugeot stellte nicht nur Autos her. Im Museum findet sich neben den motorisierten Fahrzeugen ein bunter Mix an Dingen, bei denen einem der Name Peugeot eher nicht einfällt. Mixer, Gewehre, Spülmaschinen und Werkzeuge wie Hammer und Meißel waren ebenfalls unter dem Peugeot-Label zu erwerben.

Und für eine Sache wird Peugeot noch immer geschätzt und ist dafür sogar weltweit bekannt: Pfeffermühlen. Die stellt Peugeot – dieser Zweig der Firma gehört übrigens nicht zum PSA-Konzern - in der Region her und verkauft sie von dort aus in unzähligen Varianten in viele Länder rund um den Globus. Die Region Franche-Comté, das Burgund, ist ein kulinarisches Pflaster durch und durch mit gutem Käse und Wein, da passt Peugeot mit seinen Pfeffermühlen hervorragend hin. Auch das 304 Cabrio als Genussfahrzeug sowie das sonor klingende 504 Coupé mit dem 90 Grad-Sechszylinder passen hier hin. Schade, dass es so etwas bei der Marke Peugeot nicht mehr gibt. Aber wer weiß, vielleicht kommt ja irgendwann eine Cabrio-Neuauflage der Franzosen.

Quelle: n-tv.de