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Kraftzwerg gepaart mit Sonnenanbeter JCW Cabrio – die ultimative Fahrmaschine?

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Große Lufteinlässe und die Hutze auf der Haube zeigen beim Mini John Cooper Works, wer der Chef unter den Cabrios ist.

(Foto: Holger Preiss)

Mit dem John Cooper Works hat Mini den ultimativen Kampfzwerg am Start, mit dem Mini Cabrio eine Frischluftmaschine mit Spaßgarantie. Jetzt haben die Briten beide Welten miteinander verbunden und das John Cooper Works Cabrio an den Start gebracht.

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Auch beim John Cooper Works steht das geöffnete Verdeck so hoch, dass die Sicht nach hinten schwierig ist.

(Foto: Holger Preiss)

Im Mai 2015 brachte Mini das ultimative Kraftpaket in überarbeiteter Form auf die Straße: den John Cooper Works (JCW). Mit 231 PS stärker als je zuvor, mit 246 km/h schneller als jeder Mini vor ihm. Im Februar dieses Jahres öffneten die Briten den Mini für alle Frischluftfreunde und präsentierten das Cabrio. Jetzt werden diese beiden Optionen zusammengeführt und das John Cooper Works Cabrio geht sozusagen als rasender Sonnenanbeter an den Start.

Unter der Haube arbeitet wie im Hatchback der TwinPower Turbo  Vierzylinder, der seine Kraft aus zwei Litern Hubraum entwickelt und satte 320 Newtonmeter auf die Vorderräder drückt. Um der sich hier entfaltenden Kraft Herr zu werden, musste das Cabrio mit der Rennstreckenattitüde entsprechend versteift werden. So wurden zusätzliche Torsionsstreben im vorderen und hinteren Bereich des Unterbodens eingezogen, die Schweller optimiert und ein Schubfeld unterhalb des Motors eingesetzt. Hinzu kommt das serienmäßige Sportfahrwerk, das nach wie vor mit der bewährten Eingelenk-Federbeinachse vorn und der Mehrlenker-Hinterachse ausgestattet ist.

Ungezügelter Fahrspaß

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Auch geschlossen macht das John Cooper Works Cabrio eine gute Figur. Vor allem lässt es geschlossen aber Geräusche draußen.

(Foto: Holger Preiss)

In der Summe soll das vor allem für eins sorgen: für ungezügelten Fahrspaß. Der potenziert sich natürlich noch, wenn das Stoffverdeck bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h geöffnet wird. Nicht nur, dass die Fahrt unter freiem Himmel immer einen Tick authentischer ist, jetzt ist auch das dem John Cooper Works eigene Schub-Blubbern viel besser zu hören, wenn der Fuß nach einem Kickdown vom Gas gelupft wird oder an der Kreuzung nur die Zwischengasfunktion den Ton über die Endrohre angibt. Wer es dezent mag, der kann den Sound im Eco-Modus unterdrücken und sich leise surrend im Verkehr bewegen.

Aber hartgesottene JCW-Fans werden den Fahrmodischalter wohl eher auf Sport stellen und das heisere Spratzen aus den mittig angeordneten Diffusoren am Heck genießen. Und das funktioniert tatsächlich bis zu einer Geschwindigkeit von 160 km/h, ohne dass der Pilot das Gefühl bekommt, ihm würde es gleich das Haupthaar vom Schädel reißen. Die Verwirbelungen sind (zugegeben - bei eingesetztem Windschot, das mit 190 Euro zusätzlich berechnet wird) und geschlossenen Fenstern kaum spürbar. Es darf gemutmaßt werden, dass das auch bis zur Spitzengeschwindigkeit von 242 km/h funktioniert. Allerdings dürften es dann die Windgeräusche sein, die die Insassen dazu veranlassen, die Haube wieder über den Kraftzwerg zu stülpen.

Mit Schmackes in die Kehre

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Der Innenraum ist wie ein gut sitzender Handschuh. An manchen Stellen drückt er aber ein wenig.

(Foto: Holger Preiss)

Ob offen oder zu, das Cabrio lässt sich dank der präzisen und engen Lenkung mit viel Schmackes in die Kurven legen. Allerdings bleibt zu bedenken, dass der John Cooper Works 80 Kilogramm mehr wiegt als der Hadge. Hinzu kommt, dass die Aerodynamik, gerade wenn der Flitzer enthauptet ist, ein wenig von dem entfernt ist, was der geschlossene Dynamiker auch dank seines großen Heckspoilers zu bieten hat. Hinzu kommen die 18-Zoll-Räder, die mit 205er Gummis bespannt sind. In dieser Größe geht es bei schlechten Straßen im Verbund mit der harten Sportabstimmungen recht deftig zu. Wer die Hatz ums Eck sucht, der sollte auf die 17-Zöller zurückgreifen. Leider gibt es die auch nur mit 205er Pneus. Um die Bodenhaftung zu verbessern, würden sich 215er empfehlen. Die müssten aber außerhalb des Angebots geordert werden, was bei einem Gesamtpreis von 33.500 Euro dann doch ein bisschen weh tut, zumal der Preis ohnehin mit einigen anderen netten Ausstattungsfeatures noch ordentlich nach oben getrieben werden kann.

Letztlich wird man aber auch mit einem John Cooper Works Cabrio nicht pausenlos um die Kurve hetzen. Wenn aber doch, dann macht es Laune, weil die manuelle Gangschaltung so knackig einrastet, dass es geradezu zum Spiel-Spaß wird, sie durch die Gassen zu jagen. Auch, um die Drehzahlen zwischen 5200 und 6000 Umdrehungen zu halten, eben in jenem Bereich, in dem die maximale Kraftentfaltung gewährleistet ist und der Husten aus den Endrohren am schönsten klingt. Das Einzige, was einem das flotte Spiel etwas verhagelt, ist der Umstand, dass die Seitenwangen der Sportsitze so weit ausgeformt sind, dass sie die Bewegung des Arms behindern. Auch auf die Mittelarmlehne – die ohnehin für 150 Euro extra geordert werden muss – sollte der Fahrer zugunsten der Schaltfreiheit verzichten. Wer das Rührgerät in der Mitte gänzlich verbannen möchte, ordert das automatische Sechsganggetriebe mit Speedshift. Das kostet dann aber auch gleich 1850 Euro mehr.

Entschlossen geschlossen

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Zwei kleine Koffer, gut platziert, finden auch bei geöffnetem Dach im Gepäckabteil des JCW Cabrios ihren Raum.

(Foto: Holger Preiss)

Überhaupt muss man sich im Mini mit einer gewissen Entschlossenheit für die Geschlossenheit begeistern. Trotzdem der Brite stetig wächst, scheint er gefühlt enger als seine Vorgänger. Natürlich kann das auch seine Vorteile haben. Passt sich der Wagen dem eigenen Körper doch wie ein gut sitzender Handschuh an, der auch bei schnellen Bewegungen nicht verrutscht, egal wie sehr man in den Kehren hin und her geworfen wird. Zudem vermittelt der John Cooper Works als Cabrio einmal mehr eine Art Jet-Gefühl. Was auch an den mannigfachen Kippschaltern in der Mittelkonsole liegt.

Wer allerdings mit dem offenen Kraftpaket in den Urlaub "fliegen" möchte, der muss die Mitnahme seines Gepäcks sehr genau planen. Der Kofferraum fasst bei offenem Dach 160 Liter, ist der Deckel zu, sind es 215. Um es bildhaft zu machen: Das sind exakt zwei Rollkoffer in Cabin size, wie sie im Flugzeug-Handgepäck zugelassen sind. Das ist nicht viel, reicht aber, wenn man sich bescheidet, für ein paar Tage. Außerdem kann auf längeren Reise auch noch die Rückbank mit Gepäck belegt werden. Zum einen möchte niemand über längere Zeit dort Platz nehmen, zum anderen überdeckt das Windschot die Bank, wenn das Softtop geöffnet ist.

Wer das Dach geschlossen hält, der bekommt nicht nur etwas mehr Stauraum, sondern auch geräuschtechnisch die Vorteile eines geschlossenen Wagens zu spüren. Das Stoffdach absorbiert die Windgeräusche sehr angenehm, bietet aber die Möglichkeit, den vorderen Teil wie ein Schiebedach aufzufahren, so dass auf diese Art und Weise das "kleine" Cabriogefühl bestehen bleibt. Passend dazu hält das adaptive Fahrwerk den Normal- oder Eco-Modus bereit. Hier entspannt sich die Lenkung und die Dämpfer verlängern die Wege, um die bösen Unebenheiten der Straße für die Insassen auszufedern. Allerdings muss auch dieser Luxus mit 500 Euro zusätzlich bezahlt werden.

Wer eine ultimative Spaßmaschine mit grenzenloser Offenheit sein Eigen nennen möchte, der sollte nicht mit unter 38.000 Euro planen. Dafür ist dann aber auch alles drin: Rückfahrkamera, abblendende Innen- und Außenspiegel, Bluetooth, Navi, Head-up-Display, Regensensor und jede Menge Fahrspaß.

Quelle: n-tv.de

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