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Der 108 wirkt gegenüber seinem Vorgänger viel dynamischer und besser proportioniert.
Der 108 wirkt gegenüber seinem Vorgänger viel dynamischer und besser proportioniert.(Foto: Holger Preiss)
Freitag, 27. Juni 2014

Stadtflitzer nach Maß: Peugeot lässt den kleinsten Löwen los

Von Holger Preiss

Als Drillinge sind sie gestartet, als Drillinge werden sie im tschechischen Kolin gebaut: Der Citroën C1, der Toyota Aygo und der Peugeot 108. Zum Marktstart trennen sich ihre Wege. Ob der Peugeot 108 vor den andern beiden wieder die Herzen der Frauen erobern kann?

Am Heck des Peugeot 108 strahlen die Krallen des Löwen.
Am Heck des Peugeot 108 strahlen die Krallen des Löwen.(Foto: Holger Preiss)

Als 2005 der Peugeot 107 auf den Markt kam, war er einer von sieben im Segment der Kleinstwagen. Wenn im Sommer der Nachfolger 108 ab 8890 Euro den Weg zu den Händlern findet, muss er sich gegen 12 Modelle behaupten. Darunter auch die beiden Brüder, der Citroën C1 und der Toyota Aygo. Im Dreierreigen die Alleinstellungsmerkmale herauskitzeln ist gar nicht so einfach. Glaubt man Peugeot-Chef Carlos Tavares, ist der 108 natürlich der Schönste. Aber welcher Vater würde auch sagen, dass sein Kind hässlich ist? Allerdings darf mit einer gewissen Objektivität behauptet werden, dass sich der kleine Löwe im Vergleich zu seinem Vorgänger zum Besseren entwickelt hat. Und der kam nicht schlecht an, verkaufte er sich doch über die Jahre weltweit 820.000 Mal. Eine Zahl, an der sich der 108 messen lassen muss.

Bleibt der 108 ein Frauenauto?

Und wer könnte auf den neuen französischen Stadtflitzer abfahren? Beim Vorgänger waren es zu 60 Prozent Frauen, die sich den knuffigen Löwen an Land zogen. Peugeot rechnet auch diesmal damit, dass vor allem Frauen zuschlagen werden. Dafür wurden für den Wagen auch gleich drei grundlegende Dinge festgelegt: Er ist modischer, farbiger und glamouröser als sein Vorgänger. Optisch passt sich der Winzling mit seinem großen Kühlergrill nahtlos in die neue Designsprache von Peugeot ein und wirkt so ein wenig wie ein geschrumpfter 208.  

Die Designs an der Armatur sehen hipp aus, sind aber nur aufgeklebt.
Die Designs an der Armatur sehen hipp aus, sind aber nur aufgeklebt.(Foto: Holger Preiss)

Wer will, kann gegen Aufpreis auch eine Zweifarblackierung ordern. Servolenkung ist allerdings erst ab der zweiten Ausstattungslinie "Access" vorrätig. Gegen weiteren Aufpreis sind unter anderem Zentralverriegelung, Startknopf und Bluetooth-Radio zu haben. In der Front strahlen jetzt Scheinwerfer mit LED-Lichtstreifen und es gibt LED-Tagfahrlicht. Am Heck sorgen die als Krallen geformten drei Lichtstreifen für einen hohen Wiedererkennungswert. Erstmals gibt es nicht nur eine drei- oder fünftürige Limousine, sondern auch eine Art Cabrio mit Stoff-Rolldach in den Maßen 80x76 Zentimeter, wie man es vom Fiat 500 C, oder vom Renault Twingo kennt. In der Seitenlinie beschwören die Designer die "Leichtigkeit des Seins". Kurze Überhänge und weit ausgezogene Stoßfänger, die den 108 im Übrigen mit 3,47 Meter einen Zentimeter länger machen als seine Brüder C1 und Aygo, sorgen für eine dynamische Seitenlinie.

Hipp aufgeklebt

Um vor allem eine junge Zielgruppe anzusprechen, haben die Franzosen versucht, den 108 hipp zu machen. Dazu gehören sieben individuelle Designthemen, die sich da Dressy, Dual, Kilt, Diamond, Barcode, Tattoo oder einfach Sport nennen. Bei drei der  Designlinien wurden auch die Stoffmuster der Polster angepasst. Alle sieben haben aber in den farblich abgesetzten Armaturen und auf der Außenhaut die jeweilige Zeichnung des Mottos. Schade nur, dass es sich bei diesen Individualisierungen, innen und außen, um Aufkleber handelt. In der Regel überlebt diese Art des Tunings nicht länger als fünf bis sieben Jahre. Sie könnte aber bereits nach kurzer Zeit unschön aussehen, weil sich Ränder bilden oder Ecken abknicken.

Selbst Google Maps kann vom Smartphone gespiegelt werden.
Selbst Google Maps kann vom Smartphone gespiegelt werden.

Ansonsten hat sich Peugeot beim Innenraum große Mühe gegeben. Im zentralen Sichtfeld des Fahrers befindet sich ein großer Tacho, in dessen Mittelpunkt das Infodisplay integriert ist und Informationen zu Spritverbrauch, Reichweite und Temperatur gibt. Die Plastik, die an der Armatur und den Seitenverkleidungen der Türen verarbeitet wurde, ist hart, wartet aber dank ihrer Struktur mit einer recht angenehmen Haptik auf. Wirklich zu loben ist die Bestuhlung des 108. Es handelt sich nämlich um straff abgestimmte Sportsitze mit integrierter Kopfstütze, die zudem eine ausgezeichnete Oberschenkelauflage bieten. Auch auf der Bank in der zweiten Reihe können nicht allzu hoch aufgeschossene Erwachsene recht angenehm sitzen. Zwar bleibt der Radstand mit 2,34 Metern unverändert, aber geräumiger geht es bei den Segment-Kameraden der Konkurrenz auch nicht zu.

Mirror Screen - Clou mit Haken

Den Clou möchte Peugeot aber in seinem Stadtflitzer mit etwas anderem liefern: Mit seinem mittig auf der Instrumententafel thronenden sieben Zoll großen Touchscreen kann man nämlich Radio, Bordcomputer und Fahrzeugeinstellungen bedienen. Das ist es aber noch nicht!  Die Apps des Smartphones können zudem auf den Monitor gespiegelt und dort auch bedient werden. Tatsächlich ist der sogenannte Mirror Screen in der Lage, unabhängig von den Betriebssystemen Android oder iOS eine Spiegelung vorzunehmen. Allerdings muss das Smartphone zu diesem Zweck per USB mit dem Fahrzeug gekoppelt sein. Warum es nicht über Bluetooth funktioniert, begründet Peugeot damit, dass es sich auf diesem Weg zu schnell entladen würde. Insofern sei es günstiger, es über den USB-Anschluss gleich mit Strom zu versorgen.

Der Peugeot 108 macht wirklich eine gute Figur.
Der Peugeot 108 macht wirklich eine gute Figur.(Foto: Holger Preiss)

Das Wichtigste und wirklich Gute ist aber, dass sogar Google Maps in der Spiegelung funktioniert: Am Touchscreen des 108 das Ziel eingeben, starten und los geht’s. Aber Achtung! Nach der Eingabe bitte nicht mehr den Rückwärtsgang einlegen. Jedenfalls nicht, wenn die optional erhältliche Rückfahrkamera an Bord ist. Dann entkoppelt sich das Smartphone aus unerfindlichen Gründen nämlich von der Einheit und man muss das ganze Prozedere wiederholen. Ein dummer Fehler, der auf Dauer echt nervt. Denn in der Regel ist es ja so, dass man bevor man aus der Parklücke stößt, das Ziel eingibt. Neben dem USB-Anschluss gibt es im 108 auch noch eine 12-Volt-Steckdose und einen Videoanschluss, der es ermöglicht, Filme auf dem Display zu sehen. Wohlgemerkt nur im Stand.

Flotter 1,2-Liter-Dreizylinder

Für einen flotten Vortrieb sorgen beim kleinen Franzosen zwei Dreizylindermotoren. Das 1,0-Liter-Triebwerk von Toyota  oder der ganz neue 1,2-Liter-Motor aus dem Hause PSA, die ein Leistungsspektrum von 68 PS und 82 PS abdecken. Die Empfehlung geht hier nach ersten Testkilometern klar in Richtung des 1,2-Liter-Triebwerkes. Der mit einer sauber arbeitenden Fünfganghandschaltung gekoppelte Benziner zeigte sich spritziger und durchzugsstärker als sein kleinerer Kollege und im Verbrauch mit im Schnitt 6,0 Litern nur um 0,2 Liter durstiger als der 1,0er. Für Schaltfaule gibt es beide - im Übrigen recht laufruhige Motoren - auch mit einer Fünfgangautomatik. Wer die ordert, bekommt sogar Schaltpaddles ans Lenkrad gepappt.

Über das zentrale Rundinstrument wird der Pilot über alles Wesentliche informiert.
Über das zentrale Rundinstrument wird der Pilot über alles Wesentliche informiert.(Foto: Holger Preiss)

Rennathmosphäre kommt aber auch nicht auf, wenn man wie Romain Grosjean im Lotus die Gänge per Fingerklick einwirft. Dazu ist der in knapp 16 Sekunden auf 100 km/h beschleunigende 1.0 VTi 68 einfach nicht geschaffen. Auch der 1,2-Liter-Motor nicht, der immerhin in 10,9 Sekunden Tempo 100 erreicht und mit einer Spitzengeschwindigkeit von 170 km/h ordentlich voranschreitet. Gerade bei diesen Geschwindigkeiten merkt man, dass die Franzosen auch in die Karosserie und die Geräuschdämmung investiert haben. Es gibt kaum Torsionsbewegungen und die recht direkt arbeitende Lenkung macht sich positiv bemerkbar. Vor allem beim Maß der Servounterstützung bewiesen die Techniker Gefühl und stimmten sie so leichtgängig wie eben nötig ab.

Für die Stadt gemacht

Was der 108 aber wirklich gut kann, ist durch die Stadt flitzen. Seine äußerst kompakten Maße von 3,47 Metern Länge und 1,62 Metern Breite machen es möglich. Hinzu kommt ein Wendekreis von gerade mal 9,60 Meter. Auch für den Einkauf sollte der Kleine reichen. Offeriert er doch, je nachdem ob ein Reserverad vorhanden ist, 180 Liter Stauraum oder mit Reifenpannenset 196 Liter. Wird die 50:50 umklappbare Rückenlehne gelegt, entstehen immerhin 780 Liter Stauraum. Auch sonst hat sich Peugeot bemüht, reichlich Platz zu schaffen. In das Handschuhfach passt zum Beispiel eine 1-Liter-Flasche und in den Türen können jeweils Halbliterflaschen verstaut werden.

Wenn der 108 im Sommer zu den Händlern kommt, wird er mit 8890 Euro einsteigen. Wer sich für die Top-Variante mit elektrischem Faltdach entscheidet, muss schon mal 12.300 Euro einplanen. Packt der Käufer dann auch noch so kleine Goodies wie Rückfahrkamera, schlüsselloses Schließsystem und beheizbare Ledersitze in die Ausstattung, kommen schnell über 15.000 Euro für den 108 zusammen. Dafür kann man sich bei Peugeot bereits in der Abteilung Kompakte umsehen. Und was unterscheidet den Löwen jetzt von C1 und Aygo? Im Wesentlichen ist es die Optik. Zudem bieten die Franzosen zwei Motorisierungen. Gebaut werden allerdings alle drei Modelle im tschechischen Kolin.

Quelle: n-tv.de

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