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Es muss kein California sein Reisemobile von T6 bis Amarok

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Auch der Amarok eignet sich als Basis für ein Reisemobil.

Bei Campern steht der VW California hoch im Kurs. Auch die Vielzahl kleinerer Firmen, die den T6-Transporter ausbauen, unterstreicht dessen Beliebtheit. Bei den großen Caravan-Herstellern sucht man einen Volkswagen bisher vergebens. Doch es besteht Hoffnung.

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Der VW T6 zählt zu den beliebtesten Basisfahrzeugen im Reisemobilbau.

Der Fiat Ducato ist das dominierende Basisfahrzeug bei den Reisemobilen. Doch hier stehen 23 Reisemobile, aufgereiht wie an einer Perlenschnur, und allesamt tragen ein VW-Emblem auf dem Kühlergrill. 15 verschiedene Hersteller wollen mit dieser Demonstration beweisen, dass bei den kompakten Campern immer noch der VW-Transporter die erste Geige spielt und dass es ein breit gefächertes Angebot jenseits des hauseigenen VW Californias gibt, der im vergangenen Jahr mit rund 13.000 weltweit verkauften Exemplaren erneut einen Absatzrekord erzielt hat.

Wer nämlich denkt, dass die Raumoptimierung mit dem typischen Grundriss: Küchenzeile auf der linken Seite, Kleiderschrank dahinter, Mittelsitzbank auf Schienen, die zu einem schmalen Doppelbett im Parterre umgebaut werden kann, Aufstelldach mit zwei weiteren Schlafplätzen sowie den drehbaren Vordersitzen - die Raumoptimierung ausgereizt ist, der irrt gewaltig. Der Ideenreichtum der kleinen Hersteller offenbart eine famose Variantenvielfalt auf nicht einmal fünf Metern Gesamtlänge.

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Bei der Darmstädter RW-Fahrzeugbau-GmbH wird besonderer Wert auf die Alltagstauglichkeit ihrer Space-Camper gelegt.

Ihr gestalterischer Spielraum erweitert sich allein schon aus der Tatsache, dass VW in der Großserie aus Rentabilitätsgründen ausschließlich Aufstelldächer verwendet und den California lediglich mit kleinem Radstand anbietet. Mit eigenen Dachkonstruktionen können die externen Ausbauer das Raumgefühl verbessern, und der lange Radstand erleichtert es sogar, Lösungen für eine praktikable Toilettennutzung zu finden. In der Kleinserie können aber auch die Bedürfnisse der Kunden viel individueller bedient werden.

Extremcamper und Preisbewusste

Nahezu perfekt hat das Martin Hemp von der Hagener "Vanufaktur" umgesetzt, der gleich mit drei Marken unterschiedliche Zielgruppen abdeckt. Seine Terracamper-Modelle Terock und Tecamp sollen vor allem eine Freizeit-Klientel ansprechen, die gerne Touren abseits des Mainstreams plant und dabei Offroad-Pisten nicht scheut. Kernpunkte des expeditionstauglichen T6-Ausbaus sind hochwertige, modulare Möbelsysteme aus Aluminium, die für einen erhöhten Ladebedarf auch leicht demontiert werden können. Zudem gibt es flexible Lösungen für das Dachbett und das Wassersystem sowie ein herausnehmbaren Zweiflammen-Kocher.

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Die Flowcamper der "Vanufaktue" gehören zu den preiswerteren Modellen.

Während die Terracamper erst bei rund 60.000 Euro beginnen, ist diese Marke für die Flowcamper der "Vanufaktur" bereits die Obergrenze. "Hier soll sich der ganz normale Camper einfach nur glücklich fühlen", erklärt Martin Hemp. Der farbenfrohe, ausschließlich in Orange, Rot, Blau und Weiß erhältliche VW-Ausbau, der stilistisch die Historie der legendären VW Bullis aufnimmt und speziell in dem Blumen-Design an die Flower-Power-Zeit erinnert, wird ab 46.000 Euro mit Kühlbox, Waschbecken, Handdusche und Spirituskocher angeboten. Aber noch etwas hat Hemp erkannt, dass die reisemobile Fortbewegungsart auch von vielen Hundebesitzern geschätzt wird. Die bedient er mit speziellen Dogscamper-Angeboten, in denen auch Schnuffi seinen Platz findet.

Zwei Lager der Bulli-Ausbauer

Die Bulli-Ausbauer teilen sich hauptsächlich in zwei Lager. Erstens die Unternehmen, die sich auf Sonderanfertigungen spezialisiert haben und ihre Fahrzeuge ganz nach den individuellen Wünschen ihrer Kundschaft fertigen wie etwa Behl-Mobile aus Marktheidenfeld oder die Multicamper aus dem baden-württembergischen Edingen. Extrawünsche treiben die Preise freilich schnell in die Höhe. 70.000 bis 80.000 Euro sind da gewiss noch nicht das Ende der Fahnenstange.

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Gut durchdacht sind die Dehler-Modelle aus Schwerin.

Das zweite Lager bilden die Kleinserien-Hersteller, die Komplett-Ausbauten mit festen Grundrissen anbieten und auf Wunsch bestenfalls kleinere Veränderungen akzeptieren. Wenn die so gut durchdacht sind wie bei den Schweriner Campmobilen, wo wirklich jeder Millimeter Raum für eine sinnvolle Detaillösung genutzt wird, ist das auch kein Problem. Zumal die Gebrüder Höhne, selbst aktive Segler, sich in der Verarbeitung an den früheren, vom Yachtbau inspirierten Dehler-Modellen orientiert haben.

Werz Wohnmobile aus Upfingen bei Reutlingen bietet ebenso Komplett-Fahrzeuge an wie nur wenige Kilometer entfernt die Firma Dipa, die im Gegensatz zu den meisten anderen Konkurrenten ihre VW-Camper nicht auf dem T6-Kastenwagen aufbaut, sondern wegen der hochwertigeren Grundausstattung die Caravelle-Version als Basis verwendet.

Alkoven oder Amarok

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Woelcke setzt eine geräumige Alkoven-Wohnkabine auf ein T6-Fahrgestell.

Bei der Darmstädter RW-Fahrzeugbau-GmbH wird besonderer Wert auf die Alltagstauglichkeit ihrer Space-Camper gelegt. Der VW-Bus soll Auto, Wohnmobil und Transporter in einem sein. Die Marke wurde von Ben Wawra und Markus Riese 2005 gegründet. RW bietet einen der leichtesten Ausbauten auf dem Markt an. Mit jährlich etwa 120 gebauten Exemplaren ist die Firma auch der größte externe VW-Partner im Reisemobil-Sektor.

Während es noch zahlreiche andere VW-Tüftler in der Camper-Szene gibt, die sich am T6 abarbeiten, gehört das Heimsheimer Unternehmen Woelcke zu den ganz wenigen Firmen, die eine geräumige Alkoven-Wohnkabine auf ein T6-Fahrgestell setzen. Die Autark-Modelle, die es auch mit Längsbetten im Alkoven gibt, durchbrechen allerdings die 100.000-Euro-Schallmauer locker, und für das Geld kann man sich überlegen, ob es nicht noch andere begehrenswerte Reisemobile gibt.

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Auch beim Bimobil wird eine externe Wohnkabine wird auf der Ladefläche des Pickups abgesetzt und fest verankert.

Neben dem Transporter eignet sich auch der Amarok als Reisemobil-Basis. Er wird wegen seiner Geländetauglichkeit von jenen Wohnmobilisten geschätzt, die für ein Übernachtungsplätzchen fern überfüllter Campingplätze auch mal asphaltierte Wege verlassen wollen. Auf dem Pickup lässt sich eine fest montierte Kabine anbringen, wie das die Marke GEHOcab mit den Kora-Modellen demonstriert. Die pfiffigere Idee ist freilich die eines Huckepack-Campers, wie von Tischer und Bimobil schon seit vielen Jahren mit unterschiedlichen Pickup-Modellen praktiziert.

Nichts für Schnäppchenjäger

Das Prinzip ist einfach: Eine externe Wohnkabine wird auf der Ladefläche des Pickups abgesetzt und fest verankert. Unterwegs kann der bewohnbare Teil aber auf den eigenen Stützen abgestellt und auch ohne Basisfahrzeug benutzt werden. Im Solobetrieb garantiert der Amarok folglich beste Mobilität.

Während Bimobil allerdings den Amarok leicht verändert und die Seitenwände des Pritschenaufbaus abmontiert, lässt Tischer den VW-Pickup unangetastet, was den Vorteil hat, dass auch andere Pickups als Basis für die Kabine genutzt werden können. Für Schnäppchen-Jäger sind die Huckepack-Camper nicht geeignet. Mit 80.000 bis 90.000 Euro, wenn nicht gar mehr, ist man schnell dabei.

Insgesamt ist Volkswagen an der Reisemobilfront also gar nicht schlecht aufgestellt. Die Nutzfahrzeugsparte des Wolfsburger Konzerns hat nur das Problem, dass sie keinen wirklichen Big Player aus der Caravanbranche zum Partner hat, der auch größere Stückzahlen garantieren könnte. Da setzen die Hannoveraner ihre Hoffnungen auf den neuen Crafter, der oberhalb der Transporterklasse aktuell das modernste Angebot darstellt. Immerhin hat Volkswagen mit Knaus-Tabbert schon einen der Großen an der Angel. Die auf der Stuttgarter CMT gezeigte Saint&Sinner-Studie wird jedoch ausschließlich auf Fiat-Ducato-Basis verwirklicht. So einfach ist es also doch nicht.

Quelle: ntv.de, hpr/sp-x