Praxistest

Hyundai i30 schafft sich Platz Korea-Golf mit Raum-Klang

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Mit dem i30 ist Hyundai ein großer Wurf gelungen.

Holger Preiss

In den ersten sechs Monaten des Jahres hat sich die Neuauflage des Hyundai i30 bereits 13.000 Mal verkauft. Augenscheinlich haben die Südkoreaner mit dem Golf-Gegner den Nerv der Kundschaft erneut getroffen. Doch wie schlägt er sich im Praxistest?

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An Bord ist reichlich Platz.

(Foto: Holger Preiss)

Wer auf den Hyundai i30 zuschreitet, könnte für einen Augenblick erschrocken sein. Grund sind die Außenmaße des in der Kompaktklasse angesiedelten Golfs aus Südkorea. Da kann es schon mal passieren, dass der stolze Präsentator mit dem Satz: "Der ist ganz schön klein oder?" -  konfrontiert wird. An dieser Stelle ist Gelassenheit gefragt, denn spätestens wenn man die Bagage dank schlüssellosem Zugang ohne Knopfdruck oder Fummelei am Türschloss bittet, Platz zu nehmen, wird sich der Eindruck ändern und ein erstauntes "Das hätte ich nicht gedacht, dass der so groß ist!" die Reaktion sein.

Innen ist der "Kleine" ganz groß

Und tatsächlich: Der i30 gibt sich im Innern erstaunlich geräumig. Konkret heißt das: Mehr Kopf-, Bein- und Schulterfreiheit für Fahrer und Beifahrer. Für ein angenehmes Raumgefühl auf den hinteren Plätzen sorgt der geschrumpfte Mitteltunnel. War er im alten i30 noch 133 Millimeter hoch, ragt er jetzt nur noch 54 Millimeter aus dem Boden.

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Mit einem Volumen von 378 Litern ist der Kofferraum ordentlich bemessen.

(Foto: Holger Preiss)

Wer mutmaßt, dass bei so viel Platz im Innenraum das Gepäckabteil gelitten hat, darf sich eines Besseren belehren lassen. Nach dem Öffnen der Heckklappe präsentieren sich 378 Liter Ladevolumen. Wer die 60:40 teilbaren Rücklehnen komplett umlegt, erweitert den Stauraum auf 1316 Liter. Erfreulich beim Beladen des Fahrzeuges ist die weit öffnende Heckklappe und die Breite von 1,41 Meter. Wer allerdings ein 24-Zoll-Kinderfahrrad verstauen möchte, der muss wenigstens eine Hälfte der hinteren Lehnen umlegen.

Auch bezüglich der im Innenraum verwendeten Materialien haben die Koreaner in der Kompaktklasse einen deutlichen Schritt  vorwärts gemacht. Die weich geschäumte Plastik der Armaturen und Applikationen im Alu-Look sorgen für Wohlfühl-Atmosphäre und eine angenehme Haptik. Wer sich, wie im Testwagen, für die Topversion in der Ausstattungslinie "Style" entscheidet und zusätzlich das Premium-Paket mit elektrischer Parkbremse, elektrischer Sitzverstellung mit Lendenwirbelstütze, Luftauslässen für die hinteren Sitze und Einklemmschutz für die vierfach elektrischen Fensterheber für 1300 Euro ordert, darf sich zudem über Klavierlackintarsien und straffe, aber dennoch sehr bequeme Sportsitze mit Lederbezug freuen. Zu überlegen wäre aber, ob sich die cremefarbene Variante auf lange Sicht bezahlt macht. Hier sind an den Einstiegsstellen schnell unschöne Farbveränderungen festzustellen, die das helle Nappa nach kurzer Zeit schmuddelig wirken lassen.

Rückfahrkamera mit Pfiff

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Die Rückfahrkamera versteckt sich hinter dem Firmenlogo.

(Foto: Holger Preiss)

Lobend zu erwähnen sind die pfiffigen Ablageflächen in der Mittelkonsole und die Möglichkeit, 1,5 Liter große Flaschen in den Vorder- und Hintertüren zu verstauen. Ein Brillenfach im Himmel, Becherhalter im Mittelgang  und ein unter der Mittelarmlehne verstecktes Staufach sorgen weiterhin für Ordnung am Arbeitsplatz des Piloten. Für den kommen ohnehin keine Fragen auf, denn alle Instrumente sind gut im Blickfeld platziert. Nicht zwingend notwendig bei einer Fahrzeuglänge von 4,30 Meter, aber als durchaus hilfreich erwies sich die Rückfahrkamera, deren Bilder auf den optional für 1120 Euro erhältlichen 7,0-Zoll-TFT-LCD-Touchscreen-Farbmonitor übertragen werden, der auch als Navi mit dynamischer Routenführung fungiert. Anders als bei anderen Autos ist die Kamera beim i30 nicht einfach in die Heckklappe eingelassen, sondern verbirgt sich hinter dem Herstellerlogo. Beim Einlegen des Rückwärtsganges klappt es ein und gibt die Sicht für die Kamera frei. Das verhindert Verschmutzungen und ein unfreiwilliges Zerkratzen der Linse zum Beispiel bei der Fahrzeugwäsche.

Für das allgemeine Wohlbefinden von Fahrer und Passagieren gibt es im Testwagen eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, einen automatisch abblendenden Innenspiegel, Regensensor und Geschwindigkeitsregelanlage mit Speedlimiter. Für den guten Ton sorgt das Audiosystem mit sechs Lautsprechern, CD-Player und MP3-Wiedergabefunktion. Natürlich sind auch AUX- und USB-Anschlüsse an Bord. Noch einfacher verbindet das eingebaute Bluetooth das Smartphone mit dem Audiosystem. So kann problemlos während der Fahrt telefoniert und die auf der "mobilen Musikanlage" gespeicherten Titel abgespielt werden.

Laufruhe und kleiner Durst

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Der 1,6-Liter-Motor mit 110 PS gibt sich genügsam.

Befeuert wird der Testwagen durch einen 1,6-Liter-Dieselmotor mit  110 PS. Der machte ob seiner Sparsamkeit große Freude. Begnügte er sich doch im Schnitt, bei hauptsächlich zurückgelegten Stadtkilometern, mit 5,5 Litern auf 100 Kilometer. Hyundai gibt den Verbrauch hier mit 4,8 Litern an. Damit ist der Wagen gar nicht so weit von den Normwerten entfernt. Grundvoraussetzung für den kleinen Durst ist allerdings, dass man sich halbwegs an die durch die Elektronik angewiesenen Schaltempfehlungen hält. Die nehmen dem Wagen allerdings auch die Spritzigkeit. Aus dem unteren Drehzahlbereich müht sich der Selbstzünder dann doch merklich, um auf Touren zu kommen. Fordert man ihn aber mit einem beherzten Tritt aufs Gaspedal und lässt die sechs Gänge, die sich sauber und ohne jedes Hakeln schalten, bei etwa 3000 Umdrehungen einrasten, beschleunigt er die Fuhre mit einem Lehrgewicht von unter 1,5 Tonnen in 11,5 Sekunden von null auf 100 km/h. Die Endgeschwindigkeit liegt bei 185 km/h.

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Über mangelnden Platz können auch die Fondpassagiere nicht klagen.

(Foto: Holger Preiss)

Die Werte machen deutlich, dass der i30 mit dem 1,6 CRDi keine Rennmaschine ist. Will er aber auch gar nicht sein. Während der Selbstzünder nach dem Kaltstart noch etwas knurrig an die Arbeit geht, bleibt nach kurzer Zeit nur ein Säuseln. Insgesamt besticht der i30 durch seine ausgesprochene Laufruhe, die auch der hervorragenden Verarbeitung und der enorm guten Dämmung geschuldet ist. Selbst auf Kopfsteinpflaster klappert nichts. Da gibt es auch keine Schwirrgeräusche aus der Armatur oder den Türverkleidungen.

Das Fahrwerk des i30 bietet einen Kompromiss aus Dynamik und Komfort. Allerdings dürften sportliche Fahrer hier nicht wirklich auf ihre Kosten kommen. Insgesamt zeigt sich das Fahrwerk deutlich straffer als beim großen Bruder i40 und insofern sind auch flotte Kurvenfahrten kein Problem. Wurde im Vorgängermodell noch die gefühllose Lenkung bekrittelt, haben die Südkoreaner dem Kompakten jetzt eine elektromechanische Flex-Steer-Servolenkung spendiert.

Die lässt sich einfach durch eine Taste am Lenkrad in drei Stufen verstellen: Normal, Comfort und Sport. Optimal wirkt keine der Einstellungen. Dennoch erleichtert Comfort das Einfahren in enge Parklücken und der Sport-Modus strafft die Ansprache und bietet ausreichend Rückmeldung bei schnellen Kurvenfahrten.

Fazit: Wer auf der Suche nach einem Auto mit praktischen Außenmaßen und viel Platz im Innenraum ist, wer einen geräumigen Kofferraum schätzt und sich an hoher Verarbeitungsqualität erfreut, wer einen genügsamen Motor möchte und nicht nach sportlicher Kurvenhatz lechzt, wer eine reichhaltige Ausstattung sucht, die zu einem Preis ab 23.230 Euro angeboten wird und, wer fünf Jahre Herstellergarantie für sein Fahrzeug wünscht, der kann mit einem Hyundai i30 1,6 CRDi eigentlich nichts verkehrt machen.

DATENBLATTHyundai i30 1,6 CRDi
Abmessungen (Länge, Breite, Höhe)4,77/ 1,78/ 1,47 m
Radstand2,65 m
Leergewicht (DIN)1365 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen378 l / 1316 Liter
EmissionsklasseEU 5
Motor/HubraumReihen-Vierzylinder mit 1582 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang-Handschaltgetriebe
Leistung110 PS (81 kW) bei 4000 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit185 km/h
max. Drehmoment260 Nm bei 1900  - 2750 U/min
Tankinhalt53 l
Beschleunigung 0-100 km/h11,5 s
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)3,7/ 4,8/ 4,1
Testverbrauch5,5 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
108 g/km
Grundpreis23.230,00 Euro
Preis des Testwagens26.950,00 Euro

Quelle: n-tv.de

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