Praxistest

Der Große Wagen am Sternenhimmel E-Klasse als rasendes Sparwunder

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Nach der Frischzellenkur kommt die E-Klasse noch einen Tick eleganter daher.

Mercedes hat die E-Klasse renoviert und dabei nicht nur auf eine optische Frischzellenkur gesetzt. Vor allem unter dem Blechkleid des Businessliners pumpt neue Technik und sorgt für herausragende Features. Doch auch Altbewährtes überzeugte im Praxistest des 250 CDI. Allerdings hat das alles seinen Preis.

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Am Heck wurden die Leuchten dank LED unverwechselbar.

Noch bevor die Verkaufszahlen der Mercedes E-Klasse im Jahr 2012 hinter die des BMW 5er und des Audi A6 zurückfielen, gab es in Stuttgart nur eine Devise: Geld in die Hand nehmen, um das Volumenmodell wieder an die Spitze zurückzubringen. Insgesamt floss fast eine Milliarde Euro in die Renovierung. Damit ist die Modellpflege der E-Klasse wohl das teuerste Facelifting in der Firmengeschichte. Wobei zugegebenermaßen Facelifting hier zu kurz greift, denn Daimler hat mehr als nur die äußere Form verändert, wie der Praxistest unter Beweis stellt.

Flinker Dauerläufer mit kleinem Durst

Selbst wenn der preisbewusste Käufer sich für einen E 250 CDI mit Handschaltung (49.534 Euro) entscheidet, wird er sich nicht grämen müssen, dass seine Wahl nicht auf den E 300 oder E 350 gefallen ist. Als die Schwaben den E 250 vor einigen Jahren mit dem effizienten Diesel OM 651 ausrüsteten, hatten sie bereits in die Zukunft investiert. Das Zwei-Liter-Triebwerk leistet 204 PS bei 3800 Umdrehungen und schmettert immerhin 500 Newtonmeter auf die Hinterachse. Im orchestralen Zusammenspiel mit dem straff, aber sauber schaltenden Sechsganggetriebe führt das dazu, dass der Benz in 7,8 Sekunden die Tempo-100-Marke knackt und sich trotz seiner fast zwei Tonnen Leergewicht souverän an die im Datenblatt angegebenen 232 km/h heranarbeitet. Mit etwas Schwung sind sogar 245 km/h drin. Dabei bleibt die Geräuschkulisse im Innenraum bis 220 km/h angenehm leise. Erst darüber werden die Rollgeräusche hörbar an die Insassen weitergereicht, während das Triebwerk nur leise brummend seine Arbeit verrichtet.

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Der 2,1-Liter Reihenvierzylinder ist nicht neu, gehört aber zu den sparsamsten im Mercedes-Regal.

So bewaffnet, wird der Chauffeur des E 250 CDI sich auf den deutschen Schnellstraßen eher auf der linken denn auf der rechten Spur wiederfinden. Auch deshalb, weil der Verbrauch erfreulich niedrig bleibt. Über 280 schnell gefahrene Autobahnkilometer, die der Autor in zwei Stunden und zehn Minuten zurücklegte, waren es im Schnitt lediglich 7,8 Liter Diesel, die sich das 4,90 Meter lange Dickschiff genehmigte. Noch erfreulicher ist der Kraftstoffverbrauch innerhalb der Stadt. Dank Start-Stopp - und immer vorausgesetzt, man muss nicht in der Rush Hour an jeder Ampel stoppen - genehmigt sich der E 250 CDI nur 5,9 Liter. Ist man dann doch gezwungen, den Großstadtdschungel im Berufsverkehr zu durchqueren, kann man auch mit den dann zu Buche schlagenden 6,5 Litern gut leben. Letztlich standen im Schnitt nach 1786 gefahrenen Kilometern 7,3 Liter auf der Uhr. Das ist weit von dem im Datenblatt erdachten und kombinierten 5,3 Litern entfernt, aber an die glaubt ohnehin keiner mehr und insofern geht dieser Wert absolut in Ordnung. Bei vernünftiger Fahrweise reichen die 59 Liter Tankinhalt so locker, um eine Distanz von knapp 1000 Kilometern zu überbrücken.

Stern oben oder unten?

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Wo der Stern aufgeht, ist Geschmackssache.

In Ordnung geht auch das Design der neuen E-Klasse. Die doppelten Eierkuchenaugen sind schon lange passé. Ganz wollte man sich aber von der Zwei-Scheinwerfer-Ideologie nicht trennen. LED-Brauen erinnern noch an diese Idee, schärfen aber die Optik des Business-Lasters ungemein. Vor allem für Vorausfahrende dürften im Rückspiegel keine Fragen mehr über die Identität des Nachfolgenden aufkommen. Apropos Identität: Für die E-Klasse bietet Mercedes, was die Gestaltung der Front betrifft, zwei Optionen. Für den eher klassisch angehauchten Fahrer gibt es den bekannten Kühlergrill in Lamellenoptik - jetzt allerdings in moderner 3D-Optik - und den Stern auf der Motorhaube. Wer auf das etwas altbacken wirkende "Fadenkreuz" verzichten möchte, der kann sich seine E-Klasse auch mit Sportwagengrill und Zentralstern liefern lassen. Sieht um ein Vielfaches dynamischer aus, kostet aber verbunden mit der Ausstattungslinie Avantgarde 2285 Euro extra und ändert an den Fahreigenschaften nichts. Die sind nämlich, egal wo der Stern sitzt, ausgezeichnet.

Komfortabler Gleiter

Die Stuttgarter nennen die in der Serie und auch im Testwagen angebotene Fahrwerksauslegung Direct Control und meinen damit nichts anderes als ihr selektives Dämpfungssystem, das extrem komfortabel ausgelegt ist. Die sportliche Variante ist 15 Millimeter tiefergelegt, wurde aber auch bei flotter Kurven- und Autobahnfahrt nicht vermisst. Auch bei Querfugen und auf rumpeligen Kopfsteinpflaster machte sich die Komfortausstattung angenehm bemerkbar. Außer einem dumpfen Grollen blieb die Straßenbeschaffenheit von den Insassen fern. Und noch etwas hat man bei Daimler in der neuen E-Klasse optimiert: Alle Modelle werden jetzt mit einer elektromechanischen Direktlenkung angeboten. Das bedeutet, dass die Servounterstützung geschwindigkeitsabhängig ist und der Lenkeinschlag variabel übersetzt wird. Für den Fahrer manifestiert sich das in einem direkteren Ansprechverhalten in allen Fahrsituationen und einem Wendekreis von lediglich 11,28 Metern (5er BMW Touring 11,4 Meter, Audi A6 Avant 11,9 Meter).

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Elegant und stimmig gibt sich das Interieur in der Ausstattungslinie Elegance.

Wer das Volant eines E 250 in der Ausstattungslinie Elegance in der Hand hält, findet sich in einem ausgesprochen hochwertigen Ambiente wieder. Neben lederumsäumten Armaturen und Vierspeichen-Multifunktionslenkrad säumen schwarze Eschennachbildungen die Türinnenverkleidungen und die in gebürstetem Aluminium gehaltenen Luftauslässe für die Zweizonen-Klimaautomatik. Wer seinen Blick unter das über der Mittelkonsole verbaute 5,8 Zoll große Display schweifen lässt, erkennt dort eine Anleihe aus der alten S-Klasse: die Analoguhr. Bei Mitfahrern schieden sich hier die Geister, ob das elegant oder altmodisch sei. Letztlich passt sie sich aber ausgesprochen gut in das Gesamtambiente ein und zeigt, dass Mercedes die Entfernung zwischen S- und E-Klasse wieder ein Stück verringert hat. Das ist auch daran zu messen, dass zum Beispiel die 360-Grad-Kamera, eine Erfindung für den Luxusliner, zuerst im neuen GL und nun auch in der E-Klasse angeboten wird.

360-Grad-Ansicht aus dem Luftkammersitz

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Mit der 360-Grad--Kamera hat man das gesamte Umfeld des Fahrzeugs im Blick.

In der Praxis ist die 360-Grad-Ansicht eine unschlagbare Erfindung. Sie versetzt den Fahrer in die Lage, auf dem zweigeteilten Bildschirm zum einen sein eigenes Fahrzeug aus der Vogelperspektive und – je nachdem, ob Rückwärts- oder Vorwärtsgang eingelegt sind - das Umfeld vorn oder hinter sich beäugen zu können. Hinzu kommt, dass der Bordcomputer den Lenkwinkel berechnet und in einer gelben Linie anzeigt. So gerüstet wird es schier unmöglich, die teuren Alus am Bordstein zu wetzen oder sich beim Einfädeln in die Parklücke am Vorder- oder Hintermann zu schrammen. Das Park-Paket mit 360-Grad-Kamera kostet 1654 Euro extra, ist aber eine durchaus empfehlenswerte Investition.

Das ist aber nur der Anfang für alle möglichen Annehmlichkeiten, die man im Zuge seiner E-Klasse-Konfiguration buchen kann. Natürlich kann das den Preis des Wagens in lichte Höhen treiben. Und so darf die Frage gestellt werden, ob man die im Testwagen verbaute Command-Online-Einheit, bestehend aus Navi, Telefon, Audio, Video und Internet, für 3451 Euro haben muss. Zumal Video und Internet natürlich nur im Stand zu bedienen sind und das eigenen Smartphone als Hotspot dient. Ein Bluetooth-fähiges CD-Radio gibt es bereits in der Serienausstattung und das Navi allein kostet 1059 Euro. Hier wäre aber, was die Straßenführung betrifft, dringend ein Upgrade nötig, denn einige Male landete der Autor laut Kartenansicht im Nirgendwo, obwohl er sich doch auf gut befestigten Straßen befand.

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Die Ambientebeleuchtung erfreut die Insassen bei Dunkelheit.

Das alles beobachtet man im Testwagen, gerahmt von einer dezenten Ambientebeleuchtung, aus ausgesprochen bequemen Lederpolstern, die mit einem Multikontursitz-Paket aufgewertet wurden. Aufblasbare Luftkammern sorgen hier für angenehmen Sitzkomfort. Neben Lehne und Oberschenkelauflage lassen sich auch die Seitenwangen im Rückenbereich separat mit Luft füllen. So kann der Pilot seinen Sessel in wenigen Sekunden zu einem echten Sportsitz aufpusten. Kostenpunkt für dieses Feature: 618 Euro. Wer dann für 1285 Euro noch die Sitzklimatisierung dazu nimmt, der kann sich an warmen Tagen den Po kühlen und an kalten Tagen wärmen lassen. Und damit auch mehrere Fahrer den rechten Platz finden, ist für 1487 Euro das Memory-Paket mit elektrischer Sitzverstellung erhältlich.

Platz für die Kleinigkeiten fehlt

Schade nur, dass auch in der neuen E-Klasse der Platz für die kleinen Annehmlichkeiten etwas zu kurz kommt. So gibt es zwar in der Mittelkonsole zwei Becherhalter, in denen auch 1,5-Liter-Flaschen Platz finden. Aber bereits wenn man Kaffeebecher dort drapiert, ist man in der Bedienung des Ganghebels eingeschränkt. Auch in den viel zu schmalen Seitenfächern kann man weder Flaschen noch dickere Brillenetuis verstauen. Das Fach unter der Mittelarmlehne ist nur schwer zu erreichen, weil die zweigeteilte Abdeckung nach außen öffnet. Außerdem waren im Testwagen darin die Anschlusskabel für Telefon und eine Dockingstation verstaut. Also auch hier kein wirklicher Stauraum.

Anders geht es da im letzten Abteil zu. Wenn die Heckklappe aufschwingt, begrüßen den Ladefreund im Businessoutfit 690 Liter Ladevolumen. Wer per Handzug im Kofferraum die Rückenlehnen im Fond umlegt, darf sich auf gigantische 1950 Liter und einen ebenen Ladeboden freuen, der sich noch dazu über eine angenehm tiefe Ladekante befüllen lässt. Ansonsten gibt es Verzurrösen und kleine Haken, die per Druck aus der Seitenwand schnippen und wer auf ein Reserverad verzichtet, der findet unter dem doppelten Ladeboden viel Platz, um alles Mögliche unauffällig verschwinden zu lassen.

Fazit: Mercedes hat viel getan, um sein Volumenmodell noch attraktiver zu machen und an den ewigen Konkurrenten Audi und BMW vorbeizufahren. Wie viele Extras man zu dem nicht billigen und ohnehin gut ausgestatteten Basismodellen dazubucht, ist eine Frage der eigenen Ansprüche und natürlich des Geldbeutels. Der Testwagen brachte es mit allen Extras immerhin auf stattliche 62.736,80 Euro.

DATENBLATTMercedes E 250 CDI T-Modell
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,90/ 1,85/ 1,47 m
Radstand2,87 m
Leergewicht (DIN)1885 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen695 Liter/ 1950 Liter
EmissionsklasseEU 5
Motor/Hubraum2,1-Liter Reihenvierzylinder
Getriebe6-Gang Schaltgetriebe                                                                                                                                                                                                                                      
Leistung204 PS (150 kW) bei 3800 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebHeckantrieb
Höchstgeschwindigkeit232 km/h
max. Drehmoment500 Nm bei 1600 bis 1800 U/min
Tankinhalt59 l
Beschleunigung 0-100 km/h7,8 s
Normverbrauch (innerorts/außerorts/kombiniert)6,1/ 4,7/ 5,3
Testverbrauch7,3 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
138 g/km
Grundpreis49.534 Euro
Preis des Testwagens62.737 Euro

Quelle: ntv.de

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