Leben

Corona-Castings, Kuchen & Katzen Anna Mila, Top-Model, zu Hause gestrandet

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Auch Anna Milas Welt steht Kopf: "How's your home workout going?"

(Foto: privat)

Normalerweise ist sie immer unterwegs. Und damit ist wirklich IMMER gemeint: Anna Mila ist ein international erfolgreiches Model, das auf der ganzen Welt gebucht wird. Entdeckt wurde sie von GNTM-Ex-Juror Peyman Amin auf dem Kurfürstendamm, als sie 14 war. Ihre Eltern wollten aber, dass das Kind erst einmal Abitur macht. Dafür ist Anna Mila ihnen noch immer dankbar, denn sie weiß inzwischen ganz genau, wie wichtig eine stabile Basis ist, zu der auch Eltern, Freunde und ein Zuhause gehören. Vor allem in der momentanen Situation. Mit ntv.de spricht sie darüber, was sie über H-Milch-Vorräte in der Garage denkt und was sie der Corona-Zwangspause dennoch Gutes abgewinnen kann.

ntv.de: Wie hat sich dein Leben geändert? Von "heute hier morgen da" bist du nun in deiner alten Heimat gestrandet und sitzt fest, in deinem Kinderzimmer.

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Lady in Red - und am nächsten Tag in Black oder White - Anna Mila ist wandelbar und dennoch unverkennbar.

(Foto: privat)

Anna Mila: Man geht durch verschiedene Phasen: Einmal wacht man fröhlich auf und schläft besorgt ein, am nächsten Tag ist es umgekehrt. Neue Infos können einen immer wieder durcheinander bringen. Mir geht das jedenfalls so, alles wird umgeworfen. Ansichten werden verschoben. Als es losging mit der Corona-Zwangspause, war ich total entsetzt und dachte tatsächlich nur, wie gemein das alles ist, weil ich meine tollen Jobs nicht wahrnehmen kann.

Hättest du gerade ein spezielles Shooting gehabt? 

Ja, ich wollte eigentlich gerade nach Australien, als es hier losging. Ich liebe Australien zum Arbeiten, darauf habe ich mich so krass gefreut. Ich hatte in den ersten zwei Monaten des Jahres schon so viel zu tun, war in Los Angeles, in Kapstadt, in Istanbul, ich war so schön unterwegs! Aber es hat mit meinem Visum gedauert, unter anderem, weil es da so ein Virus in Asien gab (lacht), was hier aber noch niemand so richtig als das angesehen hatte, was es ist. Wir dachten da ja noch, das betrifft uns nicht wirklich.

Und dann?

Als nächstes wäre ein Shooting in St. Lucia gewesen - da war ich noch nie, das hätte ich super gerne gemacht! Dann in Italien. Und dann mal wieder zu meinem Freund, der lebt, wie ich, in New York und sitzt dort fest.  

Als der Lockdown kam, warst du gerade in Deutschland?

Ja. Als die USA dichtgemacht haben, wurde mir die Größe des Ausmaßes so richtig bewusst. Und als ich den Vorrat an haltbarer Milch bei meinen Eltern in der Garage gesehen habe, dachte ich noch, dass das nicht ihr Ernst sein kann. Ich hab' sie echt ausgelacht, obwohl ich sie doch sonst immer so super cool finde (lacht). Die erste Woche habe ich komplett gebraucht, um zur Ruhe zu kommen und das zu begreifen.

Fällt es dir sehr schwer, zur Ruhe zu kommen?

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Sieht nur aus wie Urlaub ...

(Foto: privat)

Ja, weil ich seit fünf Jahren keinen Urlaub genommen hatte, und dieses Gefühl von Runterkommen und Entspannung gar nicht so richtig kenne.

Du arbeitest oft da, wo andere Urlaub machen.

Genau, ich habe Shootings am Strand und wohne in tollen Hotels. Mein Luxus ist es, im eigenen Bett zu schlafen und mein Frühstück in meiner Küche zu machen. Ich bin auch immer irgendwie auf dem Sprung - wenn das Telefon klingelt und ein toller Job reinkommt, dann lasse ich alles stehen und liegen und fliege los.

Auch wenn du gerade Urlaub mit deinem Freund, deinen Eltern oder Freunden machst?

Ja, ich weiß, dass das für die anderen oft echt doof ist, weil ich für einen Job sofort losfliege. Aber ich denke mir immer, dass das nicht ewig so gehen wird, und ich will alles auskosten. Der Job hat für mich oberste Priorität. Das versteht nicht jeder, aber die, die mich wirklich lieben, die verstehen das. Letztes Jahr hatte ich so tolle Jobs, unter anderem an Orten, an denen ich noch nie war und die auf meiner Bucket List standen, das muss ich einfach mitnehmen (lacht). Wenn man mittendrin steckt, dann merkt man vielleicht gar nicht so, wie schnell dieses Leben ist.

Hast du dich an dieses Leben gewöhnt?

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Anna Mila auf der elterlichen Terrasse.

(Foto: privat)

Auf jeden Fall, und ich bin dafür auch unendlich dankbar. Ich sehe vielleicht nicht wirklich viel von den Ländern in denen ich bin, aber ich weiß, dass mich die Natur in Neuseeland total beeindruckt hat und dass ich am Strand von Rio war und nur dachte: Wow, ich bin an der Copacabana!! Eine große Erleichterung ist momentan, dass ich meine Wohnung in New York im Januar aufgegeben habe, weil ich eh immer bei meinem Freund war, wenn ich in New York war. Ich danke diesem Timing, denn es spart mir 'ne Menge Geld (lacht)!

Du bist sehr diszipliniert, oder?

Ja, ganz schlimm. Ich bin eher zu früh am Set als zu spät, ich versuche immer, ausgeruht und höchst professionell zu sein, weil ich dafür schließlich gebucht werde. Ich muss ganz oft um vier aufstehen, um sechs irgendwo sein und wenn ich am Abend vorher was getrunken hätte oder eine Party habe, dann kann ich es vergessen. Es würde für mich aber nicht im Verhältnis stehen, wenn ich schlecht gelaunt oder müde irgendwo zu einem Fitting oder Shooting komme. Party geht dann, wenn ich weiß, dass ich ein paar Tage zum Ausruhen habe, wenn ich Sport machen und mich vernünftig ernähren kann. Ein Kunde bucht mich nochmal, wenn er weiß, dass ich professionell und nett bin und Lust auf die Sache habe. Es gibt wirklich viele hübsche Mädchen auf der Welt - warum sollte man ein schlecht gelauntes Model buchen? Man muss gut in Erinnerung bleiben, finde ich.  

Wie wird man Model? Auch durch eine Casting-Show?

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Schnappschuss auf der letzten Paris Fashion Week

(Foto: privat)

Alle erfolgreichen Models, die ich kenne, wurden als junges Mädchen von einem Scout entdeckt. Und ich bin so froh, dass ich eine ganz normale Jugend hatte, mit Abi und Abiball und erstem Kuss und Freundinnen. Ich kenne Mädchen, die schon mit 13 oder 14 ihre erste Prada-Show gelaufen sind. Die wirken so erwachsen, aber es fehlt ihnen das Lässige im Sozialen, das ist echt schwierig. Und es fehlt die Möglichkeit zur Identifikation über etwas anderes als das Modeln.

Zurück zur Zwangspause - wie hast du es geschafft, dann doch noch runterzufahren?

Der Gedanke daran, dass es allen gleich geht. Dass ich nichts verpasse. Dass gerade niemand anders Jobs bekommt (lacht), das beruhigt. Die Frage "Warum bin ich nicht gebucht worden?" stellt sich nicht, das hat mich sehr geerdet. Ich habe so viel geschlafen in den letzten Wochen! Ich hole alles nach! 

Die Anrufe für Jobs kommen ja oft sehr plötzlich ...

Ja, und ich habe sogar mitten in der Nacht oft schon gedacht: "Juchhuh, ich packe sofort, kein Problem!" Vor allem weil ich auch weiß, dass meine Agentur nur super Jobs für mich bucht, egal, ob für eine tolle Marke oder ein noch unbekanntes Magazin - ich kann mich vollkommen auf die verlassen.

Welche Agentur ist das?

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Natural Beauty.

(Foto: privat)

In Deutschland ist das PARS, und weltweit ist es IMG. Mit Peyman arbeite ich zusammen seit ich 14 bin, seit er mich angesprochen hat. Da habe ich ja nur hin und wieder was in den Ferien gemacht, aber wir sind seitdem immer in Kontakt.

Und jetzt? Wie geht es weiter?

Für mich kam das alles fast richtig, auch wenn sich das extrem doof anhört. Ich weiß, dass Menschen leiden, dass die Wirtschaft am Ende sein wird und dass wir alle noch nicht absehen können, wie unser Leben weiter gehen wird, aber für mich persönlich ist diese Ruhe eigentlich bitter nötig gewesen. Das war mir gar nicht so klar. Aber jetzt spüre ich es. Ich habe quasi die Notbremse gezogen bekommen. Ich hatte die letzten Jahre zu wenig auf mich gehört, das weiß ich jetzt. Ich habe gar nicht mehr das Große und Ganze gesehen, bin immer von einem Job zum nächsten gesprintet und hätte mir wahrscheinlich in naher Zukunft ein Burnout eingehandelt.

Wie verbringst du nun deine Tage?

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Dream Big! Auf jeden Fall!

(Foto: privat)

In dem kleinen Garten meiner Eltern, zum Glück bin ich nicht alleine und bei meinem Liebsten. Wir haben uns ja so viel nicht gesehen in den letzten Jahren, und sind trotzdem so eng und lieben es gerade so sehr, dass wir beisammen sind. Ich merke, dass ich das alles vermisst habe. Ich koche mit meiner Mama, wir backen Kuchen, probieren Rezepte aus, spielen Spiele ... In New York ist ja alles "to go", es macht für mich keinen Sinn, einen vollen Kühlschrank zu haben. Ich habe endlich wieder Ruhe zum Lesen und verlege manchmal sogar mein Handy - das war bis vor kurzem vollkommen unmöglich. Ich laufe durch meine alte Hood (lacht), das ist wunderschön. Manchmal zu zweit, das ist so intensiv. Man ist einfach beisammen, ohne große Action, und es hat an Bedeutung gewonnen, einfach nur jemanden zu treffen - mit Abstand natürlich.

Und perspektivisch? Wie geht man damit um, wenn man keine Pläne haben kann?

Diese Kombination aus Unsicherheit und Angst erzeugt natürlich eine Art Panik. Kommt eine zweite Welle? Wann kommt der Impfstoff? Oder geht die Wirtschaft noch krasser den Bach runter? Wann kommt ein Aufschwung? Ich finde, das Wichtigste ist, alles gerade Tag für Tag anzugehen. Das kann ich, jobbedingt, ehrlich gesagt ganz gut. Ich plane gerne, aber wie gesagt, die Anrufe kommen spontan und dann geht's los. Jetzt habe ich ein neues Mindset, eine neue Einstellung. Ich hatte mir zum Glück Rituale angewöhnt, vor dem Einschlafen, nach dem Aufstehen, und das hilft mir jetzt auch.

Die Welt des Modelns - wird sie sich weiterdrehen?

Ja, aber anders. Ich fände es sehr egoistisch von mir, wenn ich jetzt rumjammern würde. So viele Menschen verlieren ihre Liebsten oder ihre Existenzen, da werde ich es wohl gut ohne mein Glamourleben aushalten. Es dreht sich nicht nur um meinen eigenen kleinen Kosmos, sondern ich gucke gern über den Tellerrand. Mir geht es gut hier, ich habe - fast - alles, was ich brauche. Und meine Agenten vergessen mich trotzdem nicht, wir facetimen oft und quatschen intensiv. Und auf Instagram mache ich Facetime-Shootings, das läuft ganz schön gut! Ich bin sehr dankbar für das, was ich habe.

Mit Anna Mila sprach Sabine Oelmann (am Gartenzaun)

Auf Anna Milas Instagram-Account findet man noch mehr wunderbare Fotos und Stories, in denen die 24-Jährige mit ihren Fans, Fotografen und Agenturen kommuniziert, Sport treibt oder "Malen nach Zahlen" ausübt. Außerdem hat sie eine Menge interessanter und lustiger Geschichten auf Lager.

Quelle: ntv.de