Leben

Coach über Partnerschaften "Beziehungen dürfen auch mal leicht sein"

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Jeder Mensch hat eine andere Liebessprache.

(Foto: imago images/Ralph Peters)

Wie können Beziehungen langfristig funktionieren? Warum scheitern so viele Partnerschaften? Weshalb finden viele Singles trotz vieler Dating Apps keinen Partner? Bestseller-Autor Tobias Beck gibt Antworten.

Tobias Beck ist professioneller Redner im Bereich Persönlichkeitsentwicklung und schreibt in seinem neuen Buch über Beziehungen. In seinen Seminaren und Büchern motiviert er Menschen dazu, das Schöne im Leben zu sehen und ihre Träume Wirklichkeit werden zu lassen. ntv.de sprach mit ihm über Partnerschaften und den Einfluss sozialer Medien auf Beziehungen.

ntv.de: Für welche Menschen haben Sie Ihr Buch "Unbox your relationship" geschrieben?

Tobias Beck: Im Prinzip für alle. Ich bin über eine Studie gestolpert, die besagt, dass es eine Sache gibt, die Menschen wirklich glücklich macht, und das sind stabile Beziehungen. Es wird immer übereinander gelästert und es gibt viele Scheidungen. Das Thema kriegt dadurch oft so eine Schwere. Beziehungen dürfen auch mal leicht sein. Die Elemente im Buch können dabei helfen.

Dank sozialer Medien kann man heutzutage mit vielen Menschen gleichzeitig in Kontakt treten. Warum sind dann trotzdem so viele Menschen einsam?

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Der Motivations-Coach und Buchautor Tobias Beck ist selbst glücklich verheiratet und Vater von zwei Kindern.

(Foto: Momentesammler Patrick Reymann)

Ich glaube, das liegt daran, dass wir Idealbildern hinterherlaufen, beispielsweise bei Instagram oder Tiktok. Wir sehen immer nur die Dinge, die bei Menschen funktionieren. Wenn die Person dann im wahren Leben vor einem steht, ist sie natürlich anders als in Social Media oder in einem Tinder-Profil. Dann geht es darum, ob man überhaupt zueinander passt. Es geht schnell in den sozialen Netzwerken. Zu Hause am Tisch kann ich Menschen nicht so schnell aussortieren. Das ist ein großes Problem in unserer Gesellschaft und deswegen vereinsamen viele.

Hat man durch Dating Apps oder andere Netzwerke vielleicht zu viel Auswahl an potenziellen Partnern oder Freunden?

Spannend ist ja, dass Beziehungen oft sehr gut halten, die von Freunden initiiert worden sind oder sogar von Familienmitgliedern. Das heißt, die scheinen dich besser zu kennen als ein Algorithmus. Ich habe mal mit einer jungen Frau zusammengelebt und mein bester Freund hat mich nach drei Minuten in die Küche gezogen und gesagt: "Tobi, willst du mich auf den Arm nehmen? Wie soll das halten?", aber ich war komplett verblendet, weil ich sie schön und toll fand. Ich glaube, die Auswahl ist viel größer, gleichzeitig ist sie dadurch so unüberschaubar geworden.

Würden Sie also von Dating Apps abraten?

Überhaupt nicht. Das ist für den Erstkontakt super. Aber wenn ich die Person dann an der Hand habe, würde ich auf jeden Fall die Freunde mal drübergucken lassen. Ich hab meine Frau Rita in einem Club in Frankfurt kennengelernt. Das Erste, was wir an unserem ersten Date gemacht haben, war ein Persönlichkeitstest - das Unromantischste auf der Welt. Das kann man auch machen.

Welche Tipps haben Sie für Singles, die sich schwertun, einen Partner zu finden?

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Tobias Beck bei einem seiner Seminare.

(Foto: Momentesammler Patrick Reymann)

Zunächst sollte man nicht zu krampfhaft suchen. Wenn man krampfhaft sucht, kann man sich nicht finden lassen. Meine Oma hat zudem immer gesagt: "In welchem Teich gehst du fischen?" Nehmen wir an, man möchte jemanden kennenlernen, mit dem man ähnliche Hobbys hat. Wenn man gerne Bücher liest, hat es Sinn, einen Partner in einer Bücherei kennenzulernen. Der tickt genauso wie man selbst. Leute bleiben vor allem dann lange zusammen, wenn sie ähnliche Werte oder Hobbys haben.

Dann gibt es den sogenannten Halo-Effekt. Das ist die Ausstrahlung, also die Wirkung auf andere. Um die zu verbessern, gibt es ein paar Tricks. Der erste Trick ist, freundlich zu lächeln. Zweitens sollte man nicht so viel reden, sondern vermehrt zuhören. Das Dritte ist Körpersprache. Man sollte darauf achten, mit dem Körper die richtigen Signale zu senden, zum Beispiel durch offene Handflächen. Und jetzt kommt mein Geheimtipp, der nicht von mir ist, sondern von Knigge: Menschen mögen es, wenn das Gegenüber sich benehmen kann. Das klingt alles ziemlich platt, aber es funktioniert.

Warum wählen manche Menschen immer wieder den falschen Partner?

Das liegt vor allem daran, wie man aufgezogen und geprägt wurde. Man sucht ja immer entweder eine Beziehung, die das Gegenteil ist von dem, was man erlebt hat, oder die genauso ist. Das sind sogenannte Muster. Häufig fängt man erst durch die Spiegelung des Umfeldes an, auf solche Muster zu achten. Da ist zum Beispiel das Phänomen der besten Freundin, die immer denselben Typen mit nach Hause nimmt, und das hat schon zehn Mal nicht funktioniert. Es kommt dann häufig auch zu der Aussage: "Das ist aber mein Typ".

Wie schafft man es, solche Muster zu durchbrechen?

Mit Selbstliebe. Das heißt, man stellt sich die Frage: "Liebe ich mich so sehr, dass ich mich von einem Muster verabschiebe und erkenne, dass mir bestimmte Menschen einfach nicht gut tun?" Dann siegt die Selbstliebe und dann zieht man auch andere Menschen an.

Wie äußert sich Selbstliebe in Beziehungen?

Wenn ich mit mir aufgeräumt bin, bin ich auch in der Beziehung aufgeräumt. Wenn ich mich selbst so annehme, wie ich bin, mit all meinen Ecken und Kanten, nehme ich auch meinen Partner mit all seinen Ecken und Kanten an. Das heißt, es beginnt immer bei mir und wenn ich aufgeräumt habe, dann fällt es mir auch leichter, das Schöne am Partner zu sehen. Paare, die am längsten zusammenbleiben, sind sich ja auch sogar ein bisschen ähnlich. Das heißt, ich nehme teilweise immer mich selbst mit nach Hause.

Sie sprechen von Regeln, die jede Beziehung braucht. Warum ist das notwendig?

Wenn man mit jemandem zusammen ist, braucht es Leitlinien, woran sich die beiden halten - das nenne ich den Beziehungs-Code-of-Honor. Das klingt erstmal unromantisch, ist aber wichtig für eine langfristige Partnerschaft. Wenn meine Frau Rita und ich gemeinsam am Tisch sitzen, ist kein Handy dabei, weil wir uns Präsenz und gemeinsames Füreinanderdasein in den Code of Honor reingelegt haben. Bei uns ist Respekt drin. Wenn wir irgendwo eingeladen sind, würde ich niemals etwas Negatives über meine Frau oder meine Kinder sagen. Wenn wir gemeinsame Dinge tun, dann mit 100 Prozent Einsatz. Wir nehmen auch keine elektronischen Geräte mit ins Schlafzimmer oder wenn wir mal streiten, gehen wir niemals mit diesem Gefühl ins Bett. Wenn es sein muss, reden wir bis 7 Uhr morgens über unsere Probleme.

Was sind No-Gos in Partnerschaften?

Das beginnt mit dem Kritisieren des Partners für Dinge, die er nicht ändern wird - auch nicht, wenn er dich liebt. Wenn jemand unordentlich ist, bleibt er unordentlich. Dann gibt es den roten Atomwaffenknopf: "Wenn du das jetzt nicht machst, dann verlasse ich dich". Wenn dieser Satz einmal gefallen ist, dann ist Alarmstufe Rot in einer Beziehung. Dann hat der Partner diesen roten Knopf in der Hand und das ist belastend für eine Beziehung. Auch kommen noch Dinge hinzu wie abkapseln, mauern oder nicht mehr im selben Bett schlafen.

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Die Sprachen der Liebe sind auch ein großes Thema in Ihrem Buch. Welche gibt es und warum sollte man die Liebessprache des Partners verstehen?

Die Sprachen der Liebe sind deshalb so spannend, weil Menschen auf unterschiedliche Art und Weise Liebe zeigen. Es gibt fünf Sprachen der Liebe. Dazu gehören Service, Momente, Geschenke, Berührung und Worte. Auf Platz eins der Liebessprache meiner Frau stehen Geschenke, gefolgt von Worten, Berührung, gemeinsamen Momenten. Auf dem letzten Platz bei ihr steht Service. Meine Liebessprache auf Platz eins ist aber Service. Wenn mir jemand meine Tasse Kaffee serviert, ist das für mich ein Liebesbeweis. Wenn ich das bei ihr mache, hat das für sie mit Liebe nichts zu tun.

In dem Modell geht es um beide Partner. Wenn man merkt, dass der andere sich bewusst bemüht, die eigene Liebessprache zu sprechen, ist das ja auch ein Liebesbeweis. Wenn ich die Reihenfolge der Sprachen von meinem Partner weiß und in Kombination mit dem Tiermodell anwende, ist das Magie.

Kann man diese Sprachen der Liebe auch außerhalb von Partnerschaften anwenden?

Ja, das geht. Ich habe zum Beispiel 25 Mitarbeiter. Ich weiß von jedem Einzelnen die Liebessprache. Ich habe Mitarbeiter, die mit den Worten "Du machst einen super Job, ich danke dir" super happy sind. Ich habe aber auch andere Mitarbeiter, bei denen haben Worte keine Bedeutung. Aber wenn ich mich mit denen hinsetze, ihnen einen High Five gebe und ein gemeinsames Abendessen habe, dann sind die glücklich. Bei denen stehen Momente ganz oben.

Wenn Sie Ihrem Buch einen anderen Titel geben müssten, welcher wäre das?

Das wäre definitiv der Satz "Liebe ist kein Event". Verlieben ist ein Event. Wenn ich jemanden in der Disco kennenlerne und ich bin total verliebt, dann ist das ein Event und keine Liebe. Liebe ist, wenn eine Partnerschaft langfristig funktioniert. Wenn man merkt, dass der Partner auch mal seine eigenen Bedürfnisse einem zuliebe zurücksteckt und umgekehrt.

Mit Tobias Beck sprach Isabel Michael

Quelle: ntv.de