Leben
Was John, Paul, George und Ringo wohl am liebsten an ihrer Heimstadt mochten? Das Wetter sicher nicht.
Was John, Paul, George und Ringo wohl am liebsten an ihrer Heimstadt mochten? Das Wetter sicher nicht.(Foto: jwa)
Freitag, 13. Juli 2018

Mehr als Beatles und Fußball: Fünf Gründe für einen Liverpool-Trip

Von Johannes Wallat

Beatles, Beatles, Beatles - als Liverpool-Besucher kann man den berühmtesten Söhnen der Stadt nicht entkommen. Doch die Hafenstadt am River Mersey hat noch viel mehr zu bieten. Wie wäre es mit diesen fünf Highlights?

Liverpool, die lebhafte Hafenstadt an der Westküste Englands, steht oft ein bisschen im Schatten der Nachbar-Metropole Manchester. Wer nach Tipps für einen Wochenendtrip in die Heimatstadt der Beatles und des FC Liverpool fragt, bekommt schon mal zu hören: "Fahr am besten nach Manchester!" Dabei hat die Stadt mehr zu bieten als Fab-Four-Nostalgie und feiernde Fußball-Fans.

Kunst

Im Sommer 2018 findet die Liverpool Biennale statt, ein großes Kunstfestival mit internationalem Renommee. Überall in der Stadt präsentieren Künstler ihre Werke, neben vielen kulturellen Begegnungsorten und Sehenswürdigkeiten, die durch die Kunst noch interessanter werden, spielt dabei auch der öffentliche Raum eine wichtige Rolle. Die zehnte Ausgabe der Liverpool Biennale findet zwischen dem 14. Juli und dem 28. Oktober statt. Sie trägt den Titel "Beautiful world, where are you?" (Schöne Welt, wo bist du?) und bietet laut Veranstalter vielfältige künstlerische Auseinandersetzungen mit einer Welt voller sozialer, politischer und ökonomischer Turbulenzen.

Die Tate Gallery Liverpool ist Teil des historischen Albert Docks.
Die Tate Gallery Liverpool ist Teil des historischen Albert Docks.(Foto: jwa)

Aber auch wer außerhalb der Biennale nach Liverpool kommt, kann sich an Kunst sattsehen. Dafür sorgt zum Beispiel die Bluecoat-Galerie im Stadtzentrum mit sehenswerten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Ort für einen Pflichtbesuch ist natürlich auch der Liverpooler Ableger der Tate Gallery. Diese Pilgerstätte für Kunstfreunde bietet wie ihre bekanntere Schwester in London eine beeindruckende Sammlung mit Werken zeitgenössischer und moderner Künstler wie Piet Mondriaan, Mark Rothko, Joseph Beuys, Roy Lichtenstein oder Andy Warhol. Die sehenswerten Sonderausstellungen kosten teilweise Eintritt, der Rest ist frei zugänglich. Extra-Tipp: Tate-Mitarbeiter geben mitunter kurze Einführungen zu einzelnen Werken in der Sammlung. Unbedingt zuhören, es lohnt sich!  

Mersey

In einer Hafenstadt gibt es natürlich viel Wasser. Auch Liverpool, der zweitgrößte Exporthafen Großbritanniens, hat davon reichlich. Und wie in jeder Hafenstadt liegt auch in Liverpool die Seele der Stadt am Wasser, in diesem Fall an den Ufern des Flusses Mersey. Hier kann man wunderbar flanieren, an der restaurierten Hafenpromenade zwischen Pier Head und Albert Dock entlangschlendern und den Blick übers Wasser auf die andere Seite schweifen lassen. Durchatmen, zur Ruhe kommen, auftanken - kein Wunder, dass sich hier Spaziergänger, Jogger und Liebende gleichermaßen gerne aufhalten.

Am Liverpooler Mersey-Ufer schwören sich Liebende die Treue - unzählige Vorhängeschlösser zeugen davon.
Am Liverpooler Mersey-Ufer schwören sich Liebende die Treue - unzählige Vorhängeschlösser zeugen davon.(Foto: jwa)

Ein Spaziergang am Mersey-Ufer lohnt sich immer, auch bei Wind und Wetter. Hier kann man das Spiel der Gezeiten beobachten, zwischen Ebbe und Flut liegen gerne mal sechs Meter Höhenunterschied. Mit der Pendler-Fähre kommt man auf die andere Seite nach Birkenhead und Wallasey - oder man fährt mit einer anderen Linie direkt hinaus aufs Meer. Vom Pier Head geht's mit dem Schiff zur Isle Of Man, etwas weiter nördlich in Bootle legt die Fähre nach Dublin ab und von Birkenhead am Westufer kommt man ins nordirische Belfast.

Scousers

Viel Gutes wurde schon gesagt über die Höflichkeit der Briten und ihre einladende Art. Doch die Liverpooler sind besonders stolz auf den Zusammenhalt in ihrer Stadt, das Miteinander und die Offenheit, mit der man hier Fremden begegnet. Liverpool ist stark von irischen Einwanderern geprägt, angeblich hat jeder zweite Liverpooler irische Wurzeln. Gewisse Ähnlichkeiten in der Mentalität und Herzlichkeit sind durchaus erkennbar. Als Besucher der Stadt hat man es jedenfalls nicht schwer, mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Im Pub, im Taxi oder auf der Straße - freundlich sind hier die meisten.

Der Fotograf Tom Wood hat die Liverpooler am Pier Head über Jahrzehnte porträtiert - seine Fotos zeigen die Seele der "Scousers".
Der Fotograf Tom Wood hat die Liverpooler am Pier Head über Jahrzehnte porträtiert - seine Fotos zeigen die Seele der "Scousers".(Foto: jwa/Tom Wood/Open Eye Gallery)

Die Liverpooler werden auch "Liverpudlians" genannt, aber sie selbst nennen sich lieber "Scousers", abgeleitet von einem seemännischen Kartoffelgericht, das man in Deutschland als Labskaus kennt. "Scouse" ist auch der Dialekt, den man in und um Liverpool spricht, und der ist für Nichteinheimische und besonders für Touristen nicht immer einfach zu verstehen. Aber keine Sorge, die meisten Scousers geben sich Touristen gegenüber redlich Mühe bei der Aussprache. Und wenn sie mit verdrehten Augen einen Satz zum dritten Mal wiederholen, ist das meistens immer noch nett gemeint.

Kirchen

Klar, Kirchen gibt's in jeder Stadt mit christlicher Geschichte. Liverpool hat aber mindestens drei ganz besondere Exemplare. Da ist zum einen die Church Of St. Luke aus dem frühen 19. Jahrhundert, die sogenannte "Bombed Out Church" - ihr Dach wurde im Zweiten Weltkrieg beim Bombenangriff auf Liverpool 1941 weggesprengt. Heute ist sie Mahnmal, Begegnungsstätte und Kulturort. Gerade im Sommer haben die Veranstaltungen im Innenraum der Kirche unter freiem Himmel eine einmalige Atmosphäre.

Die Liverpool Cathedral beeindruckt durch ihre schiere Größe.
Die Liverpool Cathedral beeindruckt durch ihre schiere Größe.(Foto: jwa)

Die Liverpool Cathedral ist die wohl beeindruckendste Sehenswürdigkeit Liverpools, und das vor allem durch ihre schiere Größe: Die neugotische Kathedrale ist der größte Sakralbau in Großbritannien. Ihr trutziges Aussehen täuscht: Sie wurde nicht im Mittelalter erbaut, sondern erst im 20. Jahrhundert. Architekt war übrigens Giles Gilbert Scott, Erbauer der berühmten Battersea Power Station in London, die das Albumcover der Pink-Floyd-Platte "Animals" ziert. Scott entwarf auch die roten britischen Telefonzellen, die in keinem England-Klischee fehlen dürfen.

Die Liverpooler Metropolitan Cathedral sieht schon von außen ganz besonders aus.
Die Liverpooler Metropolitan Cathedral sieht schon von außen ganz besonders aus.(Foto: jwa)

Die zweite Kathedrale der Stadt ist ganz anders, aber nicht minder beeindruckend und sehenswert. Die römisch-katholische Metropolitan Cathedral hat einen kreisförmigen Grundriss mit zentraler Kuppel und strahlt so eine ganz andere, einladendere Atmosphäre aus als ihr protestantisches Pendant. Ihr Äußeres erinnert an die vom brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer geplante und ausgeführte Kathedrale von Brasília. Beide wurden in den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts gebaut.

Strand

Es liegt vielleicht nahe, dass eine Stadt mit Seehafen auch einen Strand in der Nähe hat. Trotzdem ist das bei einem Besuch von Liverpool nicht das Erste, woran man denkt. Deshalb sei hier betont: Der Strand ist in greifbarer Nähe und mit dem Zug vom Stadtzentrum aus bequem zu erreichen. Wer etwas weiter nach Norden fährt, wird zwischen Formby und Southport mit weiten Stränden und feinkörnigem, weißem Sand belohnt. Doch so weit muss man gar nicht, um echte britische Strand-Atmosphäre zu schnuppern.

Für einen Ausflug bietet sich vor allem der Crosby Beach nördlich von Liverpool an. Denn hier gibt es nicht nur feinen Sandstrand und weite Blicke über die raue See und die großen Schiffe vor der Küste, sondern auch ein weiteres, ganz besonders Kunstwerk, das jeder Liverpool-Besucher gesehen haben sollte: Anthony Gormleys "Another Place", eine Installation aus 100 eisernen Figuren, die seit 2005 am Strand stehen und aufs Meer blicken - ausgesetzt dem Spiel der Gezeiten, Wind und Wetter und den Launen der Natur.   

Bilderserie

Quelle: n-tv.de