Leben

Männer? Die Kolumne. Nicht sterben ist besser als cool sterben

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Wird vor allem von Männern gerne unterschätzt: die Strömung.

(Foto: imago images / Michael Eichhammer)

Männer tun viel, um ihre Männlichkeit vor sich selbst, ihren Chromosomgefährten und der Frauenwelt zu beweisen - immer wieder mit tödlichen Folgen. In der Badesaison passiert das besonders häufig. Schuld sind mal wieder antiquierte Rollenbilder.

Baden ist gefährlich. In flachen Seen warten spitze Steine nur darauf, weiche Schädel nach unvorsichtigen Köpfern zu spalten. In Flüssen und Kanälen lauern gefährliche Strömungen. Und dass der Sprung ins kalte Nass an einem heißen Tag auch bei jungen Menschen zum Herzinfarkt führen kann, sollte mittlerweile landläufig bekannt sein. Trotzdem sind alleine in den ersten sieben Monaten des Jahres 250 Menschen beim Baden ertrunken. Und die allermeisten von ihnen trugen ein Y-Chromosom.

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Interessiert sich für die inneren Werte: Bikinischönheit (links).

(Foto: imago/Westend61)

Dass 81 Prozent der Badetoten männlich sind, hat laut der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) vor allem einen Grund: "Männer treibt oft der Übermut, sie überschätzen ihre Fähigkeiten." Natürlich tun wir das, wir müssen der Welt ja schließlich beweisen, dass wir die Größten, Besten und Stärksten sind - und nicht etwa der durchtrainierte Typ da drüben, der gerade einmal quer durch den See geschwommen ist, als ob es nichts weiter wäre. Meine Lunge rasselt schon nach den ersten 50 Metern? Egal, da muss ich jetzt durch, was sollen denn sonst die Bikinischönheiten von mir denken, die sich am Ufer sonnen?

Wahrscheinlich gar nichts, weil auch Bikinischönheiten in der Regel besseres zu tun haben, als den Herren der Schöpfung beim Baden zuzusehen. Und selbst wenn sie es tun sollten: Zumindest ich kenne keine Frau, die Typen sexy findet, die wegen Selbstüberschätzung gerettet werden müssen. Dafür kenne ich eine Menge Frauen, die Männer anziehend finden, die ihre Fähigkeiten realistisch einschätzen und auch kein Problem damit haben, vermeintliche Schwächen zuzugeben.

Tod durch Selfies

Die ganze Stärke-Schwäche-Nummer ist ja ohnehin etwas, worüber ich häufig nachdenken muss. Immerhin reden wir nicht erst seit gestern darüber, antiquierte Rollenbilder aufzubrechen: "Indianer kennen keinen Schmerz" sollte mittlerweile genauso der Vergangenheit angehören wie steinzeitliches Balzverhalten - alleine schon, um Eltern die Nachricht zu ersparen, dass ihr Sohn beim Selfieschießen rückwärts eine Klippe heruntergestürzt ist.

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Müssen keine Angst mehr vor dem Selfie-Tod haben: Zombies.

(Foto: imago/Jochen Tack)

Was übrigens häufiger passiert, als man meinen würde: 259 Menschen sind in den vergangenen Jahren bei Selfieaufnahmen ums Leben gekommen - und obwohl Frauen sich im Schnitt deutlich öfter selbst ablichten, sind drei Viertel der Todesopfer männlich. Aber das nur am Rande.

Worauf ich eigentlich hinauswill: Zugeben zu können, dass Männer auch nur Menschen sind, das hat etwas Befreiendes. Ich kann meinen Y-Gefährten da draußen nur empfehlen, es auch mal zu versuchen. Nicht mit dem 23-fachen Goldmedaillenschwimmer Michael Phelps mithalten zu können, obwohl man während der Schwimm-WM kein Rennen am Fernseher verpasst: voll okay. Nicht das spektakulärste Profilfoto auf Instagram haben: voll okay. Und akzeptieren, dass auch ein Fels in der Brandung mal eine Pause braucht: voll okay. Wer das erstmal geschafft hat, wird sich wundern, wie leicht das Leben sein kann, wenn man es nur lässt.

Quelle: n-tv.de

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