Leben

Männer? Die Kolumne. Schöne Grüße vom Hämorrhoidenmonster

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Hat keine Hämorrhoiden, dafür aber einen appetitlich geformten Hintern: diese Statue.

(Foto: imago/M.Zettler)

Männer lieben Toiletten. So sehr, dass sie dreimal so viel Zeit auf dem stillen Örtchen verbringen wie Frauen. Große Geschäfte werden dabei nur nebenher erledigt, im Fokus steht ein anderes Bedürfnis.

Der Geruch von Druckerschwärze gehört mit zu meinen allerersten Kindheitserinnerungen. Etwa, weil mein Vater (der auch schon Journalist war) mich regelmäßig mit zu seiner Arbeit nahm, wo ich dann mit glänzenden Augen vor der Druckerpresse erstarrte? Schöne Geschichte, aber natürlich ist die Wahrheit viel profaner: Ich musste schlicht und ergreifend häufig nach meinem alten Herrn die Toilette benutzen. Und der nahm bei seinen Geschäftsgängen nicht nur eine Zeitung mit aufs Klo, sondern sich selbst auch noch so viel Zeit, dass die Luft beim Verlassen nach Zeitungskiosk statt nach Verdauung roch.

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14 Prozent der Männer verstecken laut der Umfrage Zeitungen, Bücher und sogar Essen auf dem Lokus.

Ich konnte lange nicht verstehen, warum mein Vater sich ausgerechnet die beengten drei Quadratmeter unserer Gästetoilette ausgesucht hatte, um dieses Monstrum von einer Zeitung zu lesen - anstatt sich an unserem schönen, großen, achteckigen Tisch auszubreiten, wo wir Kinder ihm bei der Lektüre hätten helfen können. Dass vielleicht genau das der Grund gewesen sein könnte, der Gedanke kam mir, als ich vor ein paar Jahren mal ein Wochenende lang auf den Halbbruder meiner damaligen Freundin aufpassen sollte - aber das ist eine andere Geschichte.

Zu dieser Geschichte gehört, dass ich es meinem Vater gleichtun wollte, sobald ich lesen konnte - es blieb bei dem Versuch, weil meine Mutter erfolgreich das Hämorrhoidenmonster heraufbeschwor, dem ich auf keinen Fall begegnen wollte. Seitdem beschränken sich meine Klobesuche auf das absolut notwendige Minimum, was mal wieder beweist, wie mächtig frühkindliche Prägung sein kann. Anderen Jungs scheint das Hämorrhoidenmonster erspart geblieben zu sein, anders kann ich mir einfach nicht erklären, was ein britischer Hersteller von Badezimmerspiegeln in einer repräsentativen Umfrage herausgefunden hat.

"Ruhe und Frieden" nur im Bad?

Durchschnittlich 15 Minuten verbringt demzufolge der britische Durchschnittsmann bei großen Sitzungen im Kachelzimmer, dreimal so lange wie sein weiblicher Konterpart. Ausgehend von meinen persönlichen Erfahrungen behaupte ich jetzt einfach mal, dass man die Umfrage problemlos auf Deutschland übertragen kann. Aber warum verharren wir Männer nur so hartnäckig auf den Schüsseln dieser Welt? "Wir alle brauchen etwas Zeit für uns, um Bilanz zu ziehen oder mal komplett abzuschalten", heißt es zur Erklärung in der Umfrage. Und "das Bad scheint der richtige Ort dafür zu sein, es bietet Zuflucht, einen Ort, an dem wir uns von der Außenwelt abschneiden können, wenn auch nur vorübergehend."

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Hat ein bisschen zu viel Zeit auf dem Orkus verbracht: dieses Skelett.

(Foto: imago/fStop Images)

Es klingt einigermaßen dramatisch, wenn es in der Umfrage heißt, dass Männern "Ruhe und Frieden heilig sind" und sie oft nur noch im Bad die Gelegenheit bekämen, sie zu finden. Unterlegt wird das Ganze mit ein paar interessanten Zahlen: 45 Prozent der Männer sagten, dass es ein Kampf sei, Zeit für sich selbst zu finden; 25 Prozent beklagten, dass ihre Partner nicht würdigten, wie arbeitsreich ihr Leben sei; und ebenfalls ein Viertel gab an, dass sie ohne ihre kleinen Badfluchten schlicht nicht wüssten, wie sie klarkommen sollten.

Ich kann das nur schwer nachvollziehen: Die Welt ist groß, wir sind klein - da müsste es doch eigentlich genug Parkbänke, Waldlichtungen und Hobbykeller geben, um in Ruhe seinen Gedanken nachgehen zu können, ohne mit heruntergelassenen Hosen auf eine geflieste Wand zu starren. Was aber auch immer der Grund dafür ist, dass sich Männer auf Toiletten einbunkern, vielleicht wäre es langsam mal an der Zeit, mit dem Rest der Familie darüber zu sprechen. Schließlich haben wir vergangenen Monat gelernt, dass sich auch Frauen verdammt oft überfordert fühlen, Stichwort "Mental Load". Sperren sie sich deshalb im Bad ein? Wohl eher nicht. Und es würde mich doch stark wundern, wenn das Hämorrhoidenmonster dabei eine Rolle spielen sollte …

Quelle: n-tv.de

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