Leben

Nähzimmer war gestern She Sheds: Mehr als Hobbyraum für Frauen

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Das am Rande einer Schlucht gelegene "She Shed" von Dinah Lundbeck wird auch mit Gästen geteilt. Ansonsten dient es als Porträtgalerie.

(Foto: Sarah Greenman/Knesebeck Verlag)

Er wird meist von Männern benutzt, beherbergt Werkzeuge, Baumaterial und Modelleisenbahnen. In den Hobbykeller zieht sich der Mann zurück, wenn es etwas zu tun gibt oder auch nicht. Doch wo haben Frauen heute ihr Refugium?

Bevor wir herausfinden, wo sich der weibliche Hobbyraum befindet, stellt sich die Frage: Wie heißt dieser Ort eigentlich? Da muss man ein bisschen graben und fördert dann lediglich so verstaubte Begriffe wie "Nähzimmer", "Bastelraum" oder gar "Hauswirtschaftszimmer" zutage. Existiert das, was nicht spontan und zeitgemäß benannt werden kann, vielleicht gar nicht?

Bewegt man sich im englischen Sprachraum, sieht die Sache gleich anders aus: Sowohl in den USA als auch in Großbritannien sind die "She Sheds" ebenso bekannt wie beliebt. Mit "Frauen-Gartenschuppen" oder "Hütte für Frauen" übersetzt man den Begriff wohl am besten und das macht gleich klar: Die Räume liegen nicht (mehr) innerhalb des Hauses, sondern separat in einem Anbau oder gleich am anderen Ende des Grundstücks.

Wie bei den meisten Interiortrends, so liefert Pinterest auch hier Inspiration ohne Ende. Wer nach "She Sheds Ideen" sucht, erhält Hunderte Ergebnisse - ein eindeutiger Hinweis darauf, wie vielfältig die "She Sheds" daherkommen.

Von wegen Hobby - einfach gleich zurück in die Höhle

Wenn wir schon bei den angelsächsischen Bezeichnungen sind - dem männlichen Pendant zu den "She Sheds" verpasste man dort den markigen Begriff "Man Caves". Die sogenannten "Männerhöhlen" sind nicht nur eindeutiger benannt als die Hobbykeller hierzulande, sie machen auch wenig Hehl daraus, wozu sie eigentlich gedacht sind.

Besonders in den USA folgen sie fast schon heiligen Einrichtungskonventionen und sollten enthalten: möglichst viele Merchandise-Artikel des Lieblingssportvereins, sehr viele und sehr gemütliche Sitzgelegenheiten für ganz viele Kumpels, einen sehr großen Fernseher, eine Hausbar mit sehr breitem Sortiment und so weiter. Man könnte das Konzept einfach mit "Wenn schon, denn schon" auf den Punkt bringen. In einer typischen US-Männer-Höhle wird jedenfalls weder gebastelt noch repariert. Auf der Seite was-maenner-wollen.de finden Neulinge gesammelte Einrichtungstipps vom Feuerlöscher-Beistelltisch über die Ölfass-Minibar bis hin zur shabby Zahnrad-Wanduhr.

Frauen mögen es individuell und überraschend

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Ohne Klischees zu bedienen, geht es wohl nicht, denn die Frauen sparen sich in ihren Refugien sämtliche Superlative - ihnen liegt vielmehr an Rückzugsmöglichkeiten, Originalität und ureigenstem Ausdruck. So macht Erika Kotite in ihrem Buch "She Sheds: Ein Raum nur für mich" auch gleich zu Anfang deutlich: "Dieses Buch erzählt von den She Sheds vieler unterschiedlicher Frauen aus den verschiedensten Teilen der Welt. Jedes dieser Gartenhäuser ist einzigartig, selbst entworfen und eine echte Bereicherung für die Eigentümerin."

Los geht es mit der Betrachtung des "umgebauten Schuppens". Dieser befindet sich in der Regel schon lange auf dem Grundstück und führt nicht selten ein kümmerliches Dasein. An Kategorien wie "modern", "romantisch", "vintage", "klassisch" oder "ländlich-rustikal" wird deutlich, wie breit das Spektrum im Look der Häuschen ist. Auch die Nutzung der "She Sheds" ist vielfältig und keinen Vorgaben unterworfen: Kotite präsentiert das Ganzjahres-Gartenhaus, die Hühnerhütte oder das Teehaus genau so wie das Spielhaus, die Glitterfarm und das Künstlerinnen-Atelier. Hier setzt tatsächlich nur die eigene Fantasie die Grenzen.

"She Shed"-Bausätze aus dem Baumarkt

Wer keinen Schuppen zum Umbauen zur Verfügung hat, wird im Baumarkt fündig. Hierzulande hat allein der Baumarkt Hornbach unter dem Suchwort "She Sheds" aktuell 35 verschiedene Varianten in seinem Sortiment.

Einen "Nachteil" haben die "She Sheds" allerdings: die Freiheit, sie nach Lust und Laune zu gestalten und zu nutzen, erfordert im Vorfeld doch ein gewisses Maß an Organisation, Planung und Budget. Wie schön, dass die kalte Jahreszeit gerade erst begonnen hat, denn so bleibt ausreichend Zeit, das eigene "She Shed"-Projekt bis zum Frühjahr zu planen.

Quelle: n-tv.de

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