Leben

Ein Paradies für Vierbeiner Tel Aviv kommt auf den Hund

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Ofir Hofstädter ist mit einer Gruppe seiner Schützlinge in den Straßen von Tel Aviv unterwegs.

(Foto: Tal Leder)

Tel Aviv hat nicht nur ein attraktives Nachtleben und gilt als Vegan-Mekka. Die liberalste Stadt Israels verzeichnet auch weltweit die meisten Hunde pro Einwohner. Bei Filmabenden und Festivals kommen die Vierbeiner und ihre Besitzer voll auf ihre Kosten.

Mehrmals in der Woche führt der 23-jährige Ofir Hofstädter Hunde aus. Der angehende Tierarzt ist seit 2017 als "Dogwalker" in Tel Aviv unterwegs und nutzt seine Zeit am Vormittag, um mit Gassigehen sein Studium zu finanzieren. "Schon als Kind liebte ich Tiere", erzählt er. "Nachdem ich zuvor ständig wechselnde Jobs hatte, macht mich diese Tätigkeit glücklich. Den besten Freund des Menschen täglich zu betreuen und dabei gutes Geld zu verdienen, ist genau das Richtige für mich. Erst recht in der hundefreundlichsten Stadt der Welt."

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Der 23-jährige Hofstädter finanziert mit der Hundebetreuung sein Studium.

(Foto: Tal Leder)

Tatsächlich ist Tel Aviv das Hunde-Eldorado schlechthin. Knapp 30.000 der Vierbeiner sind in der Mittelmeer-Metropole registriert. Bei über 443.000 Einwohnern bedeutet das ein Hund auf 17 Menschen. Damit ist Tel Aviv weltweit die Stadt mit den meisten Vierbeinern pro Einwohner.

"Schon während meines Wehrdienstes habe ich in der Einheit Oketz (deutsch: Stachel) intensiv mit Hunden zusammengearbeitet", sagt Hofstädter. Die Truppe wird unter anderem zur Terrorbekämpfung eingesetzt und dabei von "Soldaten auf vier Pfoten" begleitet. "Am Ende meiner Armeezeit durfte ich Luca - meinen siebenjährigen Deutschen Schäferhund - adoptieren."

In der liberalsten Stadt Israels sind überdurchschnittlich viele Leute mit mehreren Hunden unterwegs, wie im Viertel Florentin, wo sie zahlreich anzutreffen sind. Die Lebensfreude von Tel Aviv überträgt sich auf die Vierbeiner, die überall auf die Straßen drängen und deren Besitzer auf Sauberkeit achten müssen, sonst gibt es Geldstrafen. Auch ist es in den meisten Cafés - wo am Eingang Wasserschalen stehen -, Geschäften und sogar in Restaurants, sowie in Bussen, Taxis und Zügen erlaubt, sie mitzunehmen. Überhaupt bietet die Küstenmetropole so ziemlich alles für den besten Freund des Menschen: neben vielen Zoohandlungen, auch Konditoreien, Massagesalons, über 70 Hundeparks und vier Hundestrände.

Hund statt Heirat

"Seit 1996 hat sich die Anzahl der Hunde in Tel Aviv mehr als verdreifacht", sagt der Anthropologe Roy Livay von der Organisation "Lasst die Tiere leben". Der 52-Jährige ist Mitbegründer der Nichtregierungsorganisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, notleidenden Tieren zu helfen. "Einer der Gründe für diesen Anstieg ist, dass vor allem viele junge Israelis zum Studieren oder Arbeiten in die Großstadt ziehen, sich mit dem Heiraten Zeit lassen und zunächst einen Vierbeiner als Familienersatz anschaffen. Hunde können dazu beitragen, die Isolierung des urbanen Lebens in der postmodernen Gegenwart zu erleichtern und sind - vor allem für Singles - hervorragend geeignet, um mit anderen Menschen in Kontakt zu treten", erklärt Livay.

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An vier Stränden in Tel Aviv dürfen sich die Vierbeiner inzwischen vergnügen.

(Foto: Tal Leder)

Zusammen mit weiteren Organisationen hat Livay im Laufe der Jahre die Stadt Tel Aviv davon überzeugt, verschiedene Tierschutzgesetze zu verabschieden. "Mehrere Tierheime kümmern sich jetzt rund um die Uhr um Straßenhunde", erzählt er. "Außerdem gibt es auch eine städtische Patrouille, die Fällen von Tierquälerei nachgeht. Darüber hinaus arbeitet die Stadt mit vielen Freiwilligen zusammen, um für herrenlose Hunde ein neues Zuhause zu finden." Zu ihnen gehört die 31-jährige Juristin Liat Ventura. Seit einigen Jahren ist sie jeden Freitag mit anderen Tierschützern im Gan-Meir-Park unterwegs und berät Bürger in Sachen Tierhaltung. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, vermitteln sie nach ausgiebiger Information Hunde an neue Besitzer.

"Als vor einigen Jahren ein weißer Bulldoggen-Welpe übrig blieb, entschied ich mich kurzerhand, ihn aufzunehmen und taufte ihn Buba (deutsch: Puppe)," erzählt sie. "Zu Beginn wollte ich ein Zeichen setzen, doch mittlerweile bin ich verliebt in den Hund und nehme ihn auch auf meinem E- Scooter in die Kanzlei mit." Tatsächlich sind die meisten Betriebe in Tel Aviv sehr hundefreundlich. "Im Büro hat keiner ein Problem damit", sagt Ventura. "Im Gegenteil, meine Bulldogge erhält viel Liebe."

Sogar Filmabende für Vierbeiner

Nach jahrelangem Einsatz für mehr Tierrechte reichte Ventura zusammen mit unterschiedlichen Tierorganisationen eine Petition beim Magistrat von Tel Aviv ein. Daraufhin entschied die Behörde vor drei Jahren, den "Nationaltag des Hundes" jeweils am 26. August mit dem Festival "Kelaviv" (Kelev: deutsch Hund) im Hayarkon Park zu feiern. Tausende Besucher erhalten dort in Workshops hilfreiche Informationen, bekommen einen kurzen Einblick in neue technische Produkte und erhalten kostenlosen Unterricht von Trainern. Sogar die aktuellste Hunde-Couture gibt es zu kaufen, Therapeuten und Hundemasseure sind ebenfalls vertreten.

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Neben Stränden gibt es für Hunde in Tel Aviv auch Therapeuten, Masseure und sogar ein eigenes Festival.

(Foto: Tal Leder)

Beim Thema Hund lässt sich auch die kreative Start-up-Szene Tel Avivs nicht lumpen. Viele Technologieunternehmen haben hundefreundliche Programme entwickelt. So wurde 2017 mit "Digi- Dog" eine App ins Leben gerufen, die Hundehalter zum Beispiel daran erinnert, wann die nächste Impfung fällig ist, Tierarztadressen zur Verfügung stellt und über kommende Veranstaltungen benachrichtigt. Darüber hinaus informiert der digitale Service über Angebote von lokalen Geschäften, Adressen von Hundebetreuern und Schulungen und bietet Wegbeschreibungen zum nächsten Hundepark.

"Tel Aviv ist ein Hunde-Eldorado", ist Hofstädter überzeugt. "Das Angebot für die Vierbeiner ist erstaunlich. Sogar Filmabende werden veranstaltet." Als er nach einigen Stunden von seinem Studium wieder nach Hause kommt, flimmert in seiner Wohnung "DogTV" auf dem Bildschirm. Das Programm soll Hunden helfen, die einsamen Stunden ohne Herrchen oder Frauchen zu überstehen. "Jetzt gehe ich erstmal mit Luca Gassi," sagt Hofstädter. "Zum Sonnenuntergang an den Hundestrand. Wohin sonst?"

Quelle: n-tv.de

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