Leben
Das Handtuch noch vorm Frühstück reservieren? In Adult-Only-Hotels wird das nicht gern gesehen.
Das Handtuch noch vorm Frühstück reservieren? In Adult-Only-Hotels wird das nicht gern gesehen.
Freitag, 29. Juni 2018

Schluss mit dem Handtuch-Krieg!: Wie Adult-Only-Hotels ihre Gäste erziehen

Von Carola Ferstl, Marbella

Es ist ein klarer Trend: Hotels allein für Erwachsene, Kinder müssen draußen bleiben. Viele Urlauber versprechen sich von dem Konzept eine entspanntere Atmosphäre. Eltern bietet es eine Auszeit vom Alltag. Doch es gibt auch feste Regeln.

Schon beim Einchecken im Amare Marbella Beach Hotel ist ein Unterschied zu spüren. Helle Farben, viel Weiß bestimmen die großzügige Eingangshalle. Sanfte Loungemusik gibt den Takt vor für die pulsierenden Videoinstallationen eines bekannten spanischen Künstlers an der großen Glaswand. Hinter der großen Fensterfront schimmert das Meer der südspanischen Costa del Sol.

Hotelchef Javier Barba läuft mit einem iPad in der Hand durch die Lobby. "Ich stelle die richtige Musik für die Tageszeit ein! Am Vormittag eher ruhige Musik, gegen Abend wird es dann etwas anregender", erklärt er. Vibe-Design nennt man das heutzutage. Es ist an alles gedacht. Nur eines fehlt völlig: Kinder.

Im Amare Marbella Beach Hotel ist alles hell und weiß.
Im Amare Marbella Beach Hotel ist alles hell und weiß.(Foto: Amare Marbella Beach Hotel )

Genau das ist aber das Programm im Adult Hotel. "Zu uns kommen viele Gäste, die Kinder haben", sagt Javier auf dem Weg ins Restaurant, denn auch dort muss die Musik stimmen. "Doch an den Tagen bei uns lassen sie die Kleinen bewusst zu Hause und kümmern sich nur um sich selbst."

Sich nur um sich selbst zu kümmern, wenn im Alltag stets die Kinder im Vordergrund stehen, ist jedoch gar nicht so leicht. Was der Gast dafür machen soll, erfährt er auf dem Zimmer. Eine Dame mit Body-Guard-Knopf im Ohr begleitet jeden Neuankömmling in sein Reich mit Meerblick. Auch in den Räumen ist die dominierende Farbe Weiß - hier gibt es keine schmutzigen Kinderfinger, die die Wände beschmieren.

Sextoys und eine Flasche Gin

Spielzeug gibt es aber trotzdem. Allerdings für Erwachsene. Eine kleine Box mit Sextoys lädt die ankommenden Paare ein, sich mal wieder intensiv miteinander zu beschäftigen. Darin Handschellen aus Satin, eine Feder, Massageöl, ein Mini-Vibrator und natürlich Kondome. Die Flasche Gin im Nebenfach soll die Gäste wohl zum Spielen anregen - oder diesen Plan zunichte machen. Je nach Trinkfestigkeit.

Während hinter verschlossenen Türen noch alles der eigenen Fantasie überlassen bleibt, lässt das "Adult only"-Konzept außerhalb des Zimmers klare Strukturen erkennen. Die erwachsene Gäste sollen möglichst stilvoll behandelt werden und auch miteinander so umgehen. Das klappt offenbar nicht immer ohne das Zutun des Hotel-Personals.

Für gemeinsame Stunden: Sextoys und Gin.
Für gemeinsame Stunden: Sextoys und Gin.(Foto: Carola Ferstl)

Beim "Einchecken" in den Beach-Club , wieder begleitet von einer jungen Dame mit Knopf im Ohr, wird klar, woran das Relaxen ohne Kinder zuweilen scheitert. "Bitte reservieren Sie keine Liegen", heißt es. "Wenn Sie zum Essen oder auf das Zimmer gehen, nehmen Sie bitte die Handtücher mit. Nach 30 Minuten räumen wir die Liegen ab."

Oha, die liebste Beschäftigung vieler Urlauber, das Reservieren der besten Liegen noch vor dem Frühstück, wird ausdrücklich verboten. Nur zum eigenen Besten, wie die junge Rezeptionistin sogleich erklärt. So soll sichergestellt werden, dass jeder jederzeit eine Liege bekommt. Ein klein bisschen Erziehung für ein besseres Miteinander - das braucht es offenbar auch bei Erwachsenen.

Kein Sturm mehr auf das Buffet

Doch bei einigen Gästen kommt diese Form der Bevormundung nicht so gut an. "Mein Mann geht immer gleich am Morgen zum Pool und legt unsere Handtücher auf die Liegen. Nach dem Frühstück waren die Tücher weg und andere Leute auf unserem Platz. Das ärgert mich", schimpft Samantha aus London, die seit 15 Jahren in Marbella Urlaub macht und zum ersten Mal im Adults-only-Hotel ist.

Auch beim Besuch der Restaurants muss der Gast sich von Gewohnheiten aus der Familien-Urlaubszeit verabschieden und lernen, die Ruhe zu bewahren. Denn freie Platzwahl gibt es nicht. Ein junger Mann mit dem obligatorischen Knopf im Ohr geleitet jeden zum Tisch. Das dauert seine Zeit und führt gerade beim Frühstück zu einer Warteschlange am Eingang, soll aber einen stilvollen und gesitteten Eindruck machen.

So ganz anders als der Sturm auf das Buffet, den man aus Familien- und Clubhotels mit der eigenen Rasselbande im Schlepptau gewohnt ist. "Ich will meinen Kaffee am Morgen ohne Warten", knurrt James aus Manchester aber genervt, als er in der Schlange wartet. Doch auch er bleibt geduldig stehen.

Immerhin gibt das Gelegenheit, die Kunstwerke zu betrachten, die überall im Hotel an den Wänden hängen und zum Teil mit dem Gebäude verbunden wurden. Das Foto eines jungen Mannes sieht man nämlich nur, wenn man in einem bestimmten Winkel vor der Treppe steht. Die Porträts der jungen Frauen erkennt man, wenn die Fahrstuhltüren geschlossen sind.

Serrano-Schinken und Hippie-Flair

Nach dem Essen geht es noch zu einem kurzen Bummel durch die beschauliche historische Altstadt von Marbella. Das Hotel ist nur wenige Meter vom Eingang mit dem historischen Kopfsteinpflaster entfernt. Die kleinen Boutiquen erinnern an den Hippie-Charme von Ibiza, Serrano-Schinken und guten Wein gibt es in den kleinen Bodegas an jeder Ecke.

Zu später Stunde zeigt sich Marbella dann von seiner glamourösen Seite. Hoch oben auf der Dachterrasse des Hotels überblicken die Gäste den Ort und das Meer. Wie funkelnde Edelsteine reihen sich die Häuser an der Promenade aneinander. Von hier genießen Urlauber den besten Blick und können ganz entspannt den Abend genießen - ohne Sorge, dass jemand über die Glas-Balustrade klettern will.

Das Konzept der Adults-Only-Hotels kommt bei den Gästen gut an. Die ungeteilte Aufmerksamkeit des Personals und des Partners macht den Aufenthalt zu etwas ganz Besonderem. Gewöhnen muss sich der eine oder andere an die neuen Regeln des Miteinanders. Aber womöglich hilft dies nach dem Urlaub auch im Umgang mit den Kindern zu Hause.

Der Beitrag entstand im Rahmen einer Pressereise. Mehr von der Autorin lesen Sie hier.

Quelle: n-tv.de