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Maßnahmen gegen Handy-Nacken "Regelmäßige Atlas-Übungen sind sehr wirksam"

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Der Atlaswirbel ist das Bindeglied zwischen Kopf und Körper.

(Foto: imago images/Imaginechina-Tuchong)

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Kopfschmerzen, Schwindel, Tinnitus - es gibt viele Beschwerden, die alle möglichen Ursachen haben können. Doch was manchmal übersehen wird, ist der Atlaswirbel, der oberste Wirbel der Wirbelsäule. Er leidet besonders unter Fehlhaltungen, die Menschen am Computer oder Handy ständig einnehmen. Heike Höfler gibt seit Jahren Kurse für die Hals- und Nackenwirbelsäule und vermittelt einfache Techniken, die auch heftige Beschwerden lindern können.

ntv.de: Viele Menschen dürften vom Atlaswirbel noch nichts gehört haben.

Heike Höfler: Das ändert sich aber gerade. Es gibt in den letzten Jahren einen regelrechten Run auf Atlastherapeuten, die den Atlas zurechtrücken wollen. Dazu gehören beispielsweise die Osteopathen. Ich hatte schon vor meinem aktuellen Atlas-Buch andere Bücher über die Hals- und Nackenwirbelsäule sowie Kieferprobleme geschrieben und Kurse dazu gegeben. Dabei ist mir aufgefallen, dass viele Leute oben im Genick, im Atlasbereich, Probleme haben.

Nackenprobleme sind das Leiden der Computerarbeitenden. Welche Rolle spielt dabei der Atlaswirbel?

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Weil es der oberste Wirbel in der Wirbelsäule ist, hat er eine besondere Lage und ist auch besonders störanfällig. Das liegt nicht nur an der Schreibtisch-Monitor-Arbeit, sondern besonders an den Handys. Viele nutzen sie nicht nur beruflich, sondern sind auch in der Freizeit am Smartphone oder Tablet. Wenn man dabei den Kopf vorbeugt, nehmen viele ihn zusätzlich in den Nacken. Der Kopf wiegt etwa 6 Kilogramm. Aber wenn man ihn etwa 15 Grad vorbeugt, wirken schon 12 Kilogramm auf die Halswirbelsäule, bei 60 Grad sind es sogar 27 Kilogramm. Dabei wird der Atlas in Mitleidenschaft gezogen. Schon der Erfinder der Alexandertechnik, Frederick Matthias Alexander, hat gesagt, am Kopf fängt alles an.

Was bewirkt diese Fehlbelastung?

Der Wirbel wird in eine falsche Position gebracht, was kein Problem wäre, wenn es nur ein Weilchen ist. Aber wenn das jeden Tag mehrere Stunden sind, dann wird es problematisch. Schon wenn ich aufrecht sitze, geht der Kopf immer in die Richtung, in die man schaut. Aber die wenigsten Menschen sitzen aufrecht und geraten so in eine leicht runde Haltung, mit den Schultern nach vorn. Damit muss man den Kopf im Genick etwas abknicken, und so gerät der Atlas in die falsche Position. Er sitzt nicht mehr lotrecht auf der Halswirbelsäule. Die Wirbelsäule ist aber so konzipiert, dass wir uns aufrecht halten, damit Wirbel auf Wirbel übereinanderstehen. Axial sagt man dazu. Wenn man davon dauerhaft immer wieder abweicht, werden die Muskeln verschieden angespannt. Manche, wie die vorderen Halsmuskeln, werden schwächer, andere verhärten und schmerzen. Das zieht sich vom Atlas runter bis zur Lendenwirbelsäule und noch tiefer.

Zu welchen Beschwerden führt das?

Im oberen Nackenbereich sitzen sehr viele Nerven, man spricht sogar von einem Nervenrezeptorenfeld. Das alles befindet sich in der Nähe des Innenohres und natürlich des Gehirns. Es kann zu Kopfschmerzen kommen, zu Tinnitus, aber auch zu Gleichgewichtsproblemen oder Konzentrationsstörungen. Sogar Augenprobleme oder Kieferschmerzen können ihre Ursachen im falsch positionierten Atlas haben. Dabei gilt es immer zu beachten, dass dies muskuläre Anspannungen nach sich zieht.

Sollte man bei diesen Beschwerden also den Atlaswirbel mit einbeziehen?

Bei vielen Beschwerden denkt man zunächst an eine andere Ursache und geht beispielsweise zum Hals-Nasen-Ohrenarzt. Aber es könnte auch an der falschen Haltung liegen, darauf muss man erstmal kommen. Wenn man sich die Haltung bewusst macht, kann man aber auch viel wieder zum Guten verändern. Muskeln können durch Übungen gut beeinflusst werden.

Was muss man dafür tun?

Vor allem sollte man sich anschauen: Wie stehe oder sitze ich? Wie halte ich meinen Kopf? Liegt er schwer auf der Wirbelsäule oder schwebt er fast aufrecht? In den Kursen verwende ich immer das Bild, dass man sich vorstellen soll, dass ein Faden am Scheitel den Kopf nach oben ziehen würde. Denn dann kommt Platz in diese kleinen Gelenke, die zwischen der Halswirbelsäule und dem Schädel liegen. Das tut Menschen mit diesen Schmerzherden gut. Oder man stellt sich vor eine Wand, wobei die Fersen und das Kreuz die Wand berühren. Dann das Kinn nach hinten schieben, sodass auch der Hinterkopf die Wand berührt und den Hinterkopf wie ein Teleskoprohr nach oben schieben. Die Schultern dabei eher nach unten schieben und nicht nach vorne fallen lassen.

Was lernen Menschen, die an Ihren Kursen teilnehmen?

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Man kann sich auch selbst massieren.

(Foto: H. Münch/Thieme aus "Die besten Übungen für den Atlas-Wirbel" (TRIAS Verlag) )

Sie lernen als Erstes diese aufrechte Haltung des Kopfes über der Wirbelsäule. Dies ist übrigens auch am Monitor möglich. Beim Smartphone gilt die Regel: Besser Handy hoch als Kopf runter. Im Alltag ist die Fehlhaltung verbreitet, das Kinn zu weit nach vorne oder oben zu halten. Auch in der Rückenlage. Dazu kommen lösende und mobilisierende Bewegungsübungen für den oft starr sitzenden, durch Muskelverspannungen blockierten Atlaswirbel. Man stellt sich zum Beispiel einen Pinsel an der Nasenspitze vor und malt damit flache, liegende Achten. Da hören es viele im Nacken schon knirschen. Dann machen wir Dehnungsübungen für die verhärteten und manchmal bretthart gewordenen Muskeln sowie Kräftigungsübungen. Wichtig ist auch, dass man lernt, den Bereich auch zu entspannen. Denn nur gelöste Muskeln erlauben freie Bewegungen. Den Atem kann man noch dazu einsetzen, indem man den Kopf nach oben reckt, einatmet und beim Ausatmen versucht, den Kopf in dieser Dehnung zu lassen. Oder man zieht das Kinn bei aufrechter Wirbelsäule zum Brustbein und lässt den Atem in den gedehnten Nackenbereich natürlich fließen.

Gibt es denn eine Übung, die man auch selbst immer wieder ausführen kann?

Man benötigt für Atlasübungen zum Glück nicht viel Platz. Ich weiß, ich wiederhole mich: auf die Kopfhaltung achten. Oder die Übung mit der Nasenspitze, die ich schon beschrieben habe. Man kann auch das Kinn heranziehen und dann eine kleine Nickbewegung machen. Das sind Übungen, die man überall und auch im Sitzen machen kann und die zwischendurch guttun. Oft hilft es, mit den Handkanten den Nacken direkt am Haaransatz zu massieren, vom Haaransatz an und dann langsam am Nacken hinunter, indem man diesen Bereich zwischen den Ohren mit der Kleinfingerseite reibt. Das entspannt und löst die verhärteten Muskeln. Wenn Sie wollen, können Sie nach dem Lösen der Muskeln diese Muskeln noch dehnen und den Atlas mobilisieren, indem Sie sich auf einen Stuhl setzen, sich vorbeugen und die Ellenbogen auf den Knien ablegen. Dann das Kinn zum Brustbein ziehen und eine kleine Nein-Bewegung machen. Diese Übungen stellen eine Hilfe zur Selbsthilfe dar und sind sehr wirksam, wenn man sie regelmäßig einsetzt.

Mit Heike Höfler sprach Solveig Bach

(Dieser Artikel wurde am Sonntag, 22. Januar 2023 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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