Leben

Der Denglische Patient Your Ass is my Vagina

imago0088512427h.jpg

Hier fällt die Zuordnung dann wohl eindeutig aus.

(Foto: imago/Runway Manhattan)

US-Amerikaner und Briten haben ein Problem: ihr Englisch! Manche Wörter haben auf der anderen Seite des Atlantiks eine dermaßen andere Bedeutung, dass sie als schwachsinnig oder gar als üble Beleidigung aufgefasst werden. Umso wichtiger, die Unterschiede zu kennen!

Als das Kriegsministerium der Vereinigten Staaten von Amerika mitten im Zweiten Weltkrieg einen Leitfaden für Soldaten veröffentlichte, die auf den Britischen Inseln stationiert waren, wurde vor einem ernsten Problem gewarnt: die Unterschiede zwischen beiden Völkern. Sinngemäß hieß es: Den größten Gefallen tun wir Hitler, wenn wir darauf herumreiten, was uns Amerikaner von den Briten trennt - und wenn wir es absichtlich zu Missverständnissen kommen lassen und Misstrauen erzeugen.

Die kulturellen Differenzen sind weiterhin groß. Dazu zählen zunächst ganz alltägliche Dinge: US-Amerikaner umarmen sich viel lieber als Briten. Sie nehmen im Restaurant gerne die Reste ("left-overs") mit nach Hause und behaupten, sie seien für den Hund ("doggy bag"). Briten sagen hingegen inflationär "sorry" und liebkosen fremde Menschen im Supermarkt oder auf der Straße hemmungslos mit Worten wie "my darling", "my heart" oder gar "my love".

Damit sind wir bei der Sprache. Menschen wie uns, die sich ein Leben lang bemühen, Englisch zu lernen und verständlich zu sprechen, stellt sich zwangsläufig irgendwann die Frage: British oder American English?

- "sweets" (British) oder "candy" (American)?
- "bloke" oder "dude"?
- "full stop" oder "period"?
- "value added tax" (VAT) oder "sales tax"?
- "arse" oder "ass"?

Über den Sprachgraben

imago0086302636h.jpg

Um dieses modische Accessoire geht es.

(Foto: imago/Runway Manhattan)

Wenn ich nur an die vielen Amerikanerinnen denke, die in England mit ihren "fanny packs" um die Ecke biegen. Was daheim in den USA "Gürteltaschen" bedeuten soll, sind in England … ja was? Um britische Hüften herum heißen sie "bum bags", was auch nicht sonderlich elegant klingt, aber durchgeht, denn "bum" ist der "Hintern". Der kann in den USA "fanny" genannt werden, was wiederum in England eine Beschreibung für "Vagina" ist.

Dass die beiden Nationen durch eine gemeinsame Sprache getrennt sind - "two nations divided by a common language" - ist übrigens einem Mann aufgefallen, der aus Irland kam und damit gewissermaßen zwischen den "fannies" und den "bums" lebte: George Bernard Shaw. Er erhielt 1925 den Nobelpreis für Literatur.

Genau genommen ist der Atlantische Ozean ein riesengroßer Sprachgraben, an dessen westlichem Ende "fanny" völlig ok ist, während man im Osten darüber kichert und rot wird. Dasselbe gilt umgekehrt für "fag": Was in Großbritannien eine gewöhnliche "Zigarette" ist, wird in den USA als "Tunte" verstanden. Man sollte vielleicht einen Übersetzungsdienst gründen, um US-Amerikanern und Briten zu helfen sich besser zu verstehen. Ich würde ihn "fanny & fag" nennen.

Nun nehme ich an, dass Ihnen das Problem schon etwas vertraut ist. In der Schule haben wir gelernt, dass Briten "colour", "cosy" oder "centre", "to realise", "to fulfill" oder "traveller" schreiben, während die Wörter in den USA alle ein bisschen anders aussehen: "color", "cozy", "center", "to realize", "to fulfil" und "traveler". Auch in der Aussprache unterscheiden sie sich, was damit anfängt - oder besser gesagt aufhört -, dass Briten das "Z", also den letzten Buchstaben im Alphabet, wie "sed" und Amerikaner wie "sie" aussprechen.

Hose ist nicht gleich Hose

Vor allem aber benutzen beide Völker viele verschiedene Wörter für dieselben Bedeutungen, und zwar nicht nur für die zotigen, die ich schon verraten habe. Den Flugsteig nennen Amerikaner "jet way", Briten sagen "air jetty" oder "air bridge". Dass Amerikaner dabei längst nicht immer zur kürzeren Form neigen, beweisen die knackigen britischen Wörter "flat", "lift", "plane", "pram" oder "tap". Im amerikanischen Englisch sagt man stattdessen "apartment", "elevator", "airplane", "baby carriage" oder "faucet".

Ich habe beobachtet, dass die heftigsten Missverständnisse von unscheinbaren und zugleich identischen Wörtern ausgelöst werden, zum Beispiel "pants". Überprüfen Sie doch einmal auf der Stelle, von welcher Seite des Sprachgrabens Sie stärker geprägt wurden: Bedeuten "pants" für Sie "Hosen" oder "Unterhosen"? Das Problem habe ich damit bereits erklärt. Für Briten sind es Unterhosen. Für Amerikaner sind sie gewöhnliche Hosen, die der Brite wiederum "trousers" nennt. Wenn Sie nun der Forderung eines Arztes folgen wollen, der "please take off your pants" sagt, wäre es wichtig zu wissen, ob er Amerikaner oder Brite ist!

ANZEIGE
The devil lies in the detail: Lustiges und Lehrreiches über unsere Lieblingsfremdsprache
9,99 €
*Datenschutz

Ein anderes, besonders anrüchiges Beispiel ist das absolut gängige britische Wort "scheme" (gesprochen: skiem). Es ist immer wieder herrlich, wie sehr es Amerikaner verstört, wenn britische Kollegen ohne einen Hintergedanken von einem Vorhaben oder einer konkreten schematischen Darstellung sprechen. In amerikanischen Ohren scheint "scheme" so abschreckend zu klingen wie Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Drogenhandel in einem. Plus alles andere Illegale. Wer also nicht verdächtigt werden will, fragwürdige, möglicherweise mafiöse Pläne zu verfolgen, würde sich in den USA niemals einen "scheme" zu eigen machen.

Falls Sie noch mehr Beispiele suchen und sich als Denglischer Patient vielleicht selbst für gefährdet halten, in die "fanny & fag"-Falle zu stolpern, empfehle ich Ihnen das Kapitel "Wir landen kurz und heben dann wieder ab - Briten gegen Amerikaner". Sie finden es in meinem ersten Band der Reihe "The Devil lies in the Detail - Lustiges und Lehrreiches über unsere Lieblingsfremdsprache".

Fest steht auf jeden Fall: Briten und Amerikaner benötigen nicht uns, um sich über schräges Englisch zu amüsieren. Sie haben sich schließlich gegenseitig - after all, they have one another!

Quelle: ntv.de