Leben

Spielerische Therapie Ziegen-Trio fordert und begeistert Kinder

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Ganz schön verspielt: Anna-Lena Dahm übt mit ihren Toggenburger Ziegen. In naher Zukunft will sie als Fachkraft für tiergestützte Interventionen arbeiten.

(Foto: dpa)

Dass die Delfintherapie Kindern mit Handicap helfen kann, ist vielen bekannt. In einem kleinen Ort in der Lüneburger Heide bildet eine Lehrerin drei neugierige Ziegen aus. Die haben viel Quatsch im Kopf und sollen auch damit das Selbstvertrauen von Kindern stärken.

Der zottelige Bock Pelle klettert flink auf ein Holzgerüst, gibt freiwillig Pfötchen und stupst Anna-Lena Dahm immer wieder an. Pferde-Leckerli gibt es zur Belohnung, da springen auch die einjährige, etwas schreckhafte Zwillingsschwester Madita und die zweijährige Ziegenmutter Lotta herbei. "Ziegen sind verspielt und neugierig", erzählt die Förderschullehrerin aus Amelinghausen, wo sie auf einem Bio-Hof wohnt und ihr pädagogisches Projekt in Angriff genommen hat. Kinder mit besonderem Lernbedarf oder einer Behinderung sollen in der spielerischen Arbeit mit dem tierischen Trio Selbstvertrauen tanken. Auch werden Konzentrationsfähigkeit und motorische Fähigkeiten geschult.

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Dahm und ihre drei Ziegen Lotta, Madita und Pelle auf dem Weg zum Übungsplatz.

(Foto: dpa)

Als Test für ihr Kursangebot richtete Dahm einen Kindergeburtstag aus. "Die Ziegen sind schlau, die wollen gefordert werden", erzählt die Pädagogin. "Das ist toll für die Kinder." Ob Gehege saubermachen, eine Schatzsuche über das idyllische Gelände in der Lüneburger Heide oder das Spazieren gehen mit den Tieren - die Kleinen sind begeistert.

"Ziegen fordern volle Aufmerksamkeit und auch Grenzen ein", berichtet die Lehrerin - da merkten Kinder gar nicht den pädagogischen Ansatz. Besonders bei therapiemüden Schülern erkenne sie eine Veränderung: "Kinder lieben das, sie kriegen sofort gute Laune." Die jungen Tiere hätten viel Quatsch im Kopf.

Dabei gelte es durchaus, Regeln einzuhalten und vorsichtig zu sein. Kopf immer ruhig halten und das Tier zu 100 Prozent im Blick behalten, sind die erste Ratschläge - die Hörner sind sonst zu gefährlich. Nicht rennen und nicht herunterbeugen die nächsten. Manchmal muss sich ein Kind auch durchsetzen und die Ziege überzeugen. "Das macht was mit dem Selbstbewusstsein", sagt Dahm, die bei Lüneburg in einer Schule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung unterrichtet. Sie hat schon erste Anfragen für Einzelunterricht mit ihren Toggenburger Ziegen.

Mit einem Lächeln im Gesicht

Im Zentrum für tiergestützte Therapie und Pädagogik in Bargstedt im Landkreis Stade legte die 32-Jährige im vergangenen Jahr eine "Superprüfung" ab, wie Leiter Sebastian Cramer berichtet. 30 bis 35 Einheiten dauere die Fortbildung als Fachkraft für tiergestützte Interventionen.

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Seit Beginn der Corona-Pandemie haben sie im Zentrum alle Hände voll zu tun. "Wir können ein Stück Normalität und Alltag bieten", erzählt Cramer. Besonders Kinder und Behinderte könnten Angst und Isolation nur schwer aushalten: "Durch die Masken fällt die Mimik bei uns Menschen weg, dabei üben wir normalerweise genau das zum Beispiel mit unseren autistischen Kindern." Abstand zu den Tieren - Pferde, Hunde und Ziegen - müsse nicht eingehalten werden. "Der Kontakt zaubert ein Lächeln ins Gesicht", berichtet Cramer.

Anna-Lena Dahm entschied sich für ihre langmähnigen Ziegen, weil sie die auch während ihres Schulunterrichts länger allein lassen kann. Das wäre bei Hunden schwierig. In der Ausbildung gab es auch ungewöhnliche Ansätze - wie eine Therapie mit Schnecken. "Das ist gar nicht langweilig, jeder kümmert sich um seine Schnecke", erzählt sie lachend. Eine Nachbarin in Amelinghausen bildet derzeit Schafe aus - eine Zusammenarbeit der beiden Tierliebhaberinnen ist nicht ausgeschlossen.

Quelle: ntv.de, Britta Körber, dpa

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