Leben

Israels vielfältige Wanderwege Zu Fuß durch das Heilige Land

54731570_130686901337617_4787817935753193847_n.jpg

Spektakuläre Felsformationen gibt es vor allem im Süden des Landes zu sehen.

(Foto: Tal Leder)

Partyfreaks und religiöse Pilger reisen gleichermaßen gern nach Israel. Auch Wanderfreunde finden dort ein Paradies mit markierten Wegen, die äußerst unterschiedlich sind. Von Oasen bis Canyons kann man alles entdecken.

Mit unzähligen gut gekennzeichneten Pfaden hat sich Israel in den letzten Jahren zu einem wahren Wanderparadies entwickelt. Der "Israel National Trail (INT)" ist der längste dieser Wege. Laut "National Geographic" gehört er zu den 20 besten Fernwanderwegen der Welt. Auf den insgesamt 9000 Kilometern markierten Wegen kann man nicht nur wandern, sondern auch mit Rad und Jeep fahren sowie auf Pferd oder Kamel reiten.

Einige Pariser Studenten möchten in diesen Tagen Jerusalem und das Tote Meer besuchen, aber ohne den Stress von Kultur-, Pilger- oder Strandtourismus. Sie wollen das Land zu Fuß kennenlernen. Und so hat sich die Gruppe vorgenommen, den INT zu laufen. "Wenn man unkonventionell unterwegs ist, lernt man Land und Leute besser kennen und nimmt alles intensiver wahr," erzählt Patrick Michel über dieses Vorhaben. "Wir haben nur Positives über den INT gelesen, vor allem was seine Sicherheit und Gastfreundschaft betraf." Tatsächlich trifft man dort "Trail Angels," Menschen, die mit Rat und Hilfe zur Seite stehen. Die Freunde des Trails versorgen Wanderer mit kostenlosen Übernachtungen und Verpflegung in ihren Häusern.

Wanderwege Israel IV.jpg

Markierungen vereinfachen das Wandern und geben Orientierung.

(Foto: Tal Leder)

Der Israel National Trail verläuft - markiert durch drei Streifen in Orange, Blau und Weiß - nahezu ausschließlich innerhalb der Grünen Linie, also der Grenze vor dem Sechstagekrieg 1967. Trotz vieler Kilometer an der Küste entlang umgeht er weitgehend größere Städte wie Haifa oder Tel Aviv, die aber leicht zu erreichen sind. An Jerusalem und dem Toten Meer vorbei führt er durch weite, leere Wüsten, schlängelt sich in die Kibbuzim und streift die großartigen biblischen Landschaften sowie das Alltagsleben.

"Wir starteten vom Kibbuz Dan aus im grünen Norden, an der Grenze zum Libanon, und werden seine 1000 Kilometern über den Negev bis in den Süden nach Eilat am Roten Meer laufen", erzählt Michel. "Neben der interessanten Geschichte des Landes beeindruckt uns die erhabene Schönheit der Wildnis des Nahen Ostens. " Mittlerweile sind "INT-Reisebücher" sowie ein "Wanderführer Israel" in deutscher Sprache erschienen.

Vielfältige Landschaften auf kleiner Fläche

182834_10151443545148097_1657079762_n.jpg

Ein Blick auf die Wüste und das Tote Meer.

(Foto: Tal Leder)

"Israel hat in den letzten Jahrzehnten auf diesem Gebiet investiert und im Laufe der Zeit immer mehr markierte Pfade eröffnet," erzählt Ronen Vilenski vom israelischen Tourismusministerium. "In einem Land in der Größe Hessens ist die natürliche Vielfalt immens. Es gibt für jeden Geschmack unzählige Trails, das Land auf eigene Faust kennenzulernen." Doch wegen der trockenen Wüstenlandschaften und der langen heißen Sommer werden ausgiebige Wanderungen vor allem für die Zeit zwischen November und April empfohlen. "Unsere Trails sind auch bei Alleinreisenden beliebt, da sie als sicher gelten", sagt er weiter. Für den INT braucht man mindestens sechs Wochen. Für Abenteurer mit weniger Zeit gibt es reichlich Alternativen. "Kurzurlauber können in Israel neben den bekannten Attraktionen auch kleine Trails in die Natur machen, denn es bieten sich viele Wanderwege an, für die man nur einige Tage braucht."

Wie der Wanderweg entlang des Flusses Nahal Amud, um Obergaliläa zu entdecken. Diese kleine Ausgabe des Garten Eden erstreckt sich über 24 Kilometer und ist ein wichtiger Teil des Naturreservats am Berg Hermon. Seine Hauptattraktion, der "Ein-Yakim", ist eine über das ganze Jahr aktive Quelle. Die sie umgebenden Obstbäume gehören zu den größten Plantagen Israels. Der Fluss mündet in den See Genezareth, wo es viele Kibbuzim zum Übernachten gibt.

Oasen und das Tote Meer

Ein weiterer interessanter Kurzausflug ist der spektakuläre Ein-Gedi-Nationalpark westlich des Toten Meeres. Wie bei jeder Wanderung in Israel empfiehlt es sich hier, festes Schuhwerk zu tragen. So lässt sich nach einem durchaus anstrengenden 90-Minuten-Aufstieg der höchste Punkt der Oase - Wadi David - erreichen, von wo aus ein Flüsschen in die Tiefe stürzt. Wanderer können dort ein kühles Bad nehmen. Auf dem Rückweg führt ein Pfad an den Shulamit-Wasserfällen vorbei.

Unterkünfte gibt es in Metzoke Dragot oder im Kibbuz Ein Gedi. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Felsenfestung Masada, ein beeindruckendes Zeugnis römischer Monumental-Baukunst. Auf dem Berg, der als Symbol des jüdischen Befreiungskrieges gegen die römischen Besatzer gilt, gibt es viele archäologische Ausgrabungen. Der 7,3 Kilometer lange schmale Schlangenpfad zur Besteigung des Gipfels ist vor allem zum Sonnenaufgang sehr zu empfehlen. Wenn man Glück hat, trifft man im Licht der aufgehenden Sonne sogar Steinböcke.

2545_10151520221913097_1619592553_n.jpg

Ein Wasserfall bietet in der Hitze eine schöne Abkühlung.

(Foto: Tal Leder)

"Erst kürzlich haben wir den Mittelmeer-Trail eröffnet", sagt Vilenski. Der insgesamt 240 Kilometer lange Weg ist vor allem bei vielen Campern beliebt. "Er beginnt an den weißen Kreidefelsen und spektakulären Grotten von Rosh Hanikra im Norden und erstreckt sich über das Carmel-Gebirge in Haifa, die Altstadt in Caesarea mit dem römischen Amphitheater, weiter bis zur Metropole Tel Aviv und den goldenen Sandstränden des Kibbuz Zikim im Süden", erzählt er weiter.

Zu den Geheimtipps für Kurzausflüge mit Abenteuer-Charakter gehören die Wanderwege auf der Durchfahrt nach Eilat. "Durch den Machtesch Ramon in der Negev-Wüste zu laufen ist sehr beeindruckend", sagt Vilenski. Das gesamte, 40 Kilometer lange Gebiet des weltweit größten Erosionskraters ist als Naturreservat ausgewiesen. An manchen Stelle ist der Krater nur zwei, an anderen zehn Kilometer breit. Die Kleinstadt Mitzpe Ramon bietet Airbnb-Unterkünfte an. "Kurz vor Eilat sollte man für zwei Stunden im Timna-Park die fantastische Gesteinslandschaft, den Red Canyon, erkunden", empfiehlt der Tourismus-Experte. Die 30 Meter hohen Felsen sind auch für Kletterer eine interessante Herausforderung.

Fernab aller Abenteuer ist Israel der Geburtsort Jesu Christi und daher auch immer wieder ein Ziel für Pilger. Zu denen, die den 65 Kilometer langen Jesus-Trail wandern, gehören Jacek und Eva Sendecki aus Krakau. "Als gläubige polnische Katholiken geht ein Traum für uns in Erfüllung, nachdem wir schon vor einigen Jahren den Jakobsweg in Spanien gelaufen waren", sagt Jacek. "Wir sind in Nazareth gestartet, dem Heimatort unseres Herrn. Nach drei Tagen erreichten wir über Kanaa - wo Christi sein erstes Wunder vollbrachte - den Berg der Seligpreisungen am See Genezareth", erzählt er weiter.

Der Jesus-Weg wurde erst 2007 ins Leben gerufen. Er ist markiert mit Streifen in Weiß, Orange und Weiß, Campieren ist an vielen Stellen erlaubt, was vor allem Eva begeistert: "Nachdem wir am letzten Tag bei Tiberias übernachtet haben, endet heute unser Trail am Berg Tabor." 

An diesem Ort ist gerade die französische Gruppe eingetroffen. Auch mit vielen Kilometern in den Beinen sind die Wanderer immer noch voller Motivation und Esprit. "Ein einmaliges Ereignis. Wir haben bei Trail Angels übernachtet," sagt Patrick Michel. "Alle sind begeistert, das Heilige Land so kennenzulernen. Und wo lässt sich das besser erleben als auf einem Fernwanderweg wie dem INT?"      

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema