Essen und Trinken

Der Duft nach mehr am Meer (1) Kübo macht süchtig

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Die späte Nachmittagssonne taucht den Strand in Kühlungsborn in ein romantisches und intensives Rosa.

(Foto: Driesner)

Ostsee im Sommer kann ja jeder. Aber im November, wenn das Meer selbst für den linken großen Zeh zu kalt ist, für die bärigen Eisbader aber noch zu warm, dann kommt meine Zeit: Denn dann riecht's in Kühlungsborn nach viel mehr als nur nach Meer.

Am Meer riecht's nach Meer, das ist ja wohl klar. Aber wenn es am Meer nach mehr riecht, wenn sich ganz andere Aromen in die frische Ostseebrise mischen, dann sind Sie garantiert in Kühlungsborn. Da duftet es so unwiderstehlich, dass man süchtig wird danach. Und zwar jedes Jahr! Und so zieht es Menschen, die nicht nur eine gute Nase, sondern auch guten Geschmack und großen Appetit haben, im Spätherbst in das hübsche Ostseebad. Dann gibt es dort nämlich die Genießertage "Kühlungsborn kocht", in diesem Jahr vom 3. November bis 9. Dezember. Es kann also noch gebucht werden, wenn Sie Glück haben, erwischen Sie auch noch ein Zimmer. Ansonsten heißt es, ein Jahr auf die nächsten Gourmettage zu warten und am besten schon im Frühjahr bei Erscheinen des neuen Programms für November zu buchen.

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"Kühlungsborn kocht": Die besten Köche des Ostseebades beweisen ihre Kreativität.

(Foto: ©Friederike Hegner)

In diesem Jahr sind es fünf Spitzenköche und ein renommierter Bartender, die für kulinarische Hochgenüsse sorgen. Das Besondere an diesem Event: Hier geht es nicht um Konkurrenz, um erkochbare Sterne, Hauben oder Kochlöffel, hier geht es einzig und allein um das Wohl der Gäste – dafür stellen die Köche ihre Kreativität unter Beweis. Jedes Jahr wird ein Warenkorb mit verschiedenen Zutaten vorgegeben, aus denen dann jeder Koch sein eigenes Genießer-Menü kreiert, zu dem täglich in den teilnehmenden Häusern eingeladen wird. Bei den diesjährigen 17. Gourmettagen werden dafür Kalb, Krustentier, Linsen, Schlehen und Honig eingesetzt. Und tatsächlich ähnelt keines der Menüs einem anderen, nicht ein bisschen! Kein "Kübo"-Koch hat vom anderen abgekupfert.

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Kühlungsborn: Eine Perle zwischen Ostsee und der Kühlung, einem bewaldeten Höhenzug. Im Vordergrund sind der Bootshafen und dahinter die Seebrücke zu sehen.

(Foto: ©Rajko Grawert/Touristik-Service-Kühlungsborn GmbH)

Kühlungsborn, oder "Kübo", wie die Einheimischen ihre Stadt nennen, ist das größte Seebad in Mecklenburg-Vorpommern. Jährlich kommen zu den 8000 ständigen Einwohnern 500.000 Urlauber hinzu, die 2,5 Millionen Übernachtungen buchen. Das erzählt Klaus Schumacher bei einem Rundgang durch seine Geburtsstadt, seines Zeichens Gästeführer, denn die Stadtführer heißen hier keineswegs Fremdenführer. Am langen, breiten und feinsandigen Strand, an dem in der Sommersaison eingeölte Urlauber Burgen bauen oder in den Strandkörben in Reih' und Glied vor sich hin dösen, kann man jetzt im November nach Herzenslust mit den Möwen gegen den Wind kämpfen. Und natürlich die mondäne Bäderarchitektur im Ort bewundern. Vor allem in der Ostseeallee buhlen üppige Fassaden-Zierelemente, Erker und Türmchen um die Gunst der Betrachter. Diese Bauweise aus dem 19. Jahrhundert ist ein Markenzeichen für den Tourismus an der deutschen Ostseeküste. Ein Beispiel dafür und ein besonders Kleinod ist das Hotel "Vier Jahreszeiten", eines der Häuser, die sich an den Gourmettagen beteiligen. Entlang der Schlemmermeilen hat man die Wahl zwischen erstklassigen Restaurants, urigen Kneipen, Schnellimbissen oder Cafés, mal versteckter und mal mit vollem Meerblick wie auf den Seeterrassen. Wer’s windgeschützer mag, wuselt zu Fuß oder per Fahrrad durch das bunte Laub im Stadtwald oder quält in diversen Boutiquen die Kreditkarte. Mutige wagen sich hoch hinaus auf den Kletterpfad bis in 10 Meter Höhe oder versuchen sich an einem "Fischkistenkrabbenflossenostseealgenschluck". Der im Restaurant "FischKiste" kreierte Hausschnaps soll keinen der im Namen vorkommenden Bestandteile enthalten. Angaben ohne Gewähr!

Er liegt auf ihr

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Zu meinem Glück ist der Pool im Travel Charme wärmer als die Ostsee im November.

(Foto: ©Driesner)

Egal, wo man wohnt, im Viersterne-Plus-Hotel, in einer kleinen Pension oder in der Ferienwohnung: Die Genießer-Menüs, die Themenabende und die Workshops kann jeder buchen. Sie werden jährlich von 6 bis 8 Häusern angeboten. Und in Zeiten, in denen fast alles teurer und fast nichts billiger wird, ist es den Kühlungsborner Gastronomen gelungen, den Preis von 49 Euro für das mehrgängige Genießer-Menü auch 2018 zu halten.

Wer selbst das Zeug zum Spitzenkoch in sich spürt, kann bei diversen Workshops ausprobieren, ob’s ausreicht. Da kann man Sushi rollen oder den eigenen Gin kreieren (und mit nach Hause nehmen), sich bei Low Carb fit kochen oder Hüftgoldträume herstellen, Malts aus der neuen und der alten Whisky-Welt verkosten oder herausfinden, ob deutscher Winzersekt französischen Champagner toppen kann. Zu meinem Leidwesen findet der Gin-Workshop erst am 23. November statt (Sie können also noch!); während meiner Tage in Kühlungsborn lauert nur der Herr Knigge auf unsereins. Es ist also keineswegs ein Test meines Gastgebers, Touristik-Chef Ulrich Langer, ob sich denn Journalisten anständig benehmen können, sondern lediglich ein Programm-Erfordernis.

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Gute Sitte beim Dessertbesteck: Er liegt auf ihr.

(Foto: ©Driesner)

Beim "Knigge 1x1" mit IHK-Knigge-Trainerin Annett Brandt geht es weniger um den Genuss, sondern bei Hähnchenschenkel und Pommes um Selbstversuche mit Messer und Gabel. So schwer ist das nicht, aber zum Teil amüsant und ich lerne eine paar neue Begriffe: Handy, Schlüssel und Portemonnaie heißen in der Branche abwertend "Proletenbesteck" und haben auf dem Tisch nichts zu suchen. Beim Geflügelbein darf beherzt zugepackt werden, aber nur, wenn es eine "Fingerbowle" dazu gibt, die nicht ausgeschlürft wird, sondern zum Fingerspülen da ist. "Er liegt auf ihr" ist zumindest bei Tisch keine Anspielung auf die bevorzugte Stellung beim Sex, sondern die Eselsbrücke für das Dessertbesteck über dem Teller: Der Löffel liegt über der Gabel und beides wird dann zum Essen vom Ober oder vom Gast an die Tellerseiten gezogen - der Löffel mit der rechten, die Gabel mit der linken Hand. Jedenfalls bei Rechtshändern. Was mich zu der gedanklichen Abschweifung provoziert, ob bei Linkshändern dann sie auf ihm liegt? Die haben’s gut ... Laut gestellte Fragen beantwortet Knigge-Expertin Brandt, etwa die einer Dame, ob sie als Frau ihren Mann den anwesenden Herrschaften vorstellen darf, denn "der sagt immer nix." Herr Langer schlägt einen Probedurchlauf vor, aber der schweigsame Herr am Nebentisch will nicht.

Die Sache mit dem Schwert

Für Ihren Kühlungsborn-Urlaub

https://www.kuehlungsborn.de/
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https://www.kuehlungsborn.de/kuehlungsborn/sport-aktiv/wandern-und-walken.html
https://www.grandhotel-heiligendamm.de/hotel/
http://www.ostsee-grenzturm.com/de/
https://leuchtturm-bastorf.de/
http://www.molli-bahn.de/

Dann lernen wir alle etwas über Körperspannung, denn "ich habe Rücken" gilt nicht in illustrer Runde. Seither lege ich die Beine nicht einfach wie früher in der Mitte unterm Tisch ab, sondern kreuze die Füße unter meinem Stuhl, dann sitzt "die Dame" nämlich automatisch aufrechter und hängt nicht herum wie Pik 7 auf'm nassen Lappen. Bei Ihrer nächsten Kaffeerunde bei Tante Gertrud können Sie also über Tisch sehen, wie’s drunter aussieht. Abschließend noch Lebenserhaltendes für sie und ihn: Eine Dame sitzt oder geht immer rechts vom Herrn. Immer! Weil nämlich links am Ritter das Schwert baumelt, weiß Frau Brandt: Kam dereinst ein Finsterling zwecks Überfall des Wegs und Kunibert musste flugs mit der rechten Hand zur linken Seite langen und das Schwert ziehen, so wäre jede links an der Rüstung wandelnde Kunigunde erdolcht worden. Bestenfalls nur in den Rücken gepiekt, wie der als Proband ausgeliehene Herr Langer mit einer Art Besenstiel demonstrieren und folglich Frau Brandt pieken darf. Renitent, wie ich nun mal bin, denke ich schon wieder an Linkshänder. Aber vielleicht gab’s dunnemals keine, so wie heute selbst die ritterlichsten unter den Herren nur noch mit einem Autoschlüssel bewaffnet sind.

Mit neuem Wissen angefüllt geht’s zurück ins Travel Charme Ostseehotel Kühlungsborn direkt an der Seebrücke, wo mein Bett auf mich wartet, vor der Nachtruhe allerdings noch zu einem Absacker an die Bar und dann zu ein paar entspannenden Runden im Außenpool. Romantisch beleuchtet von ein paar Fackeln ringsum, vor der Nase rauscht irgendwo im Dunkeln das Meer – was will ich mehr?  Als Einstimmung auf noch mehr Genüsse verrate ich Ihnen das Rezept vom "Kübo-Cocktail" aus dem Travel Charme, bei dem ich dann doch noch zum Gin gekommen bin. Und weil in Kübo die Genüsse ganz oft nicht nur mit Schlehen, sondern auch mit Sanddorn daherkommen, gibt’s außerdem ein Punschrezept gegen kalte Füße: 

Kübo-Cocktail (Travel Charme Ostseehotel Kühlungsborn)

Zutaten (je Portion):

3 cl Skin Gin
3 cl Schlehenlikör "Schlehenfeuer"
3 Dash Orangenbitter
1 cl Grenadine
1 Dash Holunderblütensirup
6 cl Apfelsaft

Zubereitung:

Alle Zutaten auf Eis shaken und in ein eisgekühltes Glas abseihen. Wer mag, gibt noch einen Eiswürfel ins Glas. Den Cocktail mit einer Orangen-Zeste und vor allem Minzeblättchen dekorieren, denn die Minze unterstreicht das Aroma der Marokkanischen Minze, das den Skin Gin auszeichnet. 

Vitaminpunsch:

Zutaten (4 Portionen):

4 Orangen (unbehandelt)
200 ml Sanddornnektar
200 ml Möhrensaft
2 Sternanis
1 Kardamomkapsel
1 Stange Zimt
4 cl Orangenlikör
2 EL Ahornsirup

Zubereitung:

1 Orange heiß waschen, abtrocknen und die Schale fein abreiben. Alle 4 Orangen entsaften und mit dem Orangenabrieb in einen Topf geben. Den Sanddornnektar, Möhrensaft, Sternanis, die angedrückte Kardamomkapsel und den Zimt dazugeben. 10 – 15 Minuten erhitzen, aber nicht kochen lassen. Abschließend durch ein Sieb gießen, mit Ahornsirup und Likör abschmecken und heiß servieren.

Viel Genuss wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Teil 2: Whisky geht immer
Teil 3: Kann den Genießen Sünde sein?

Quelle: ntv.de