Reise

Lavabrot und Geothermie Das raue Island kocht erfinderisch

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Sieht aus wie Kuchen ist aber ein in Lavasand gebackenes Brot, das frisch aus der heißen Erde kommt.

(Foto: Sonja Gurris)

Die schroffe und widerspenstige Natur ist eine Herausforderung für Islands Landwirte und die lokale Food-Szene. Doch genau deswegen sind die Isländer besonders kreativ geworden und nutzen die Kraft der Natur für besondere Rezept-Ideen.

Am Laugarvatner See steigt unübersehbar Dampf empor. Ein großes schwarz-gelbes Schild warnt vor den hohen Temperaturen. Sigurdur Rafn Hilmarsson, genannt Siggi, schnappt sich eine große Schippe und läuft an das Ufer, vorbei an den vielen heißen Quellen, die hier mit lautem Getöse im Boden vor sich hin blubbern. So etwas ist typisch isländisch. Dort, wo sich die nordamerikanische und die eurasische Erdplatte treffen, gibt es besonders viele heiße Quellen.

Siggi greift am Strand zur Schippe. Nachdem er drei Schaufeln aus dem Boden ausgehoben hat, zieht er einen silbernen Topf heraus. Er macht ihn auf und präsentiert lachend ein braunes Brot, das in Alufolie gewickelt ist. "Das ist unser berühmtes Lavabrot", erklärt er nicht ohne Stolz. Das Brot wird im Boden wie in einem Ofen gebacken. Diese ursprüngliche Art des Backens funktioniert nur, weil heiße Quellen die Erde hier auf 40 bis 50 Grad Celsius erhitzen.

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Die Geothermie hilft beim Brotbacken.

(Foto: Sonja Gurris)

Siggi Hilmarsson ist in dem 200-Seelen-Ort, rund eine Stunde von der Hauptstadt Reykjavik entfernt, geboren und aufgewachsen. Die Tradition des Lavabrot-Backens hat er von seiner Mutter gelernt. Seine Familie konnte den Brauch bis in das 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Dessen Rezept geben die Süd-Isländer gerne weiter. Für das Roggenbrot aus dem schwarzen Sand verwendet er: 5 Tassen Roggenmehl, 2 Tassen Mehl, 2 Tassen Zucker, 4 TL Backpulver, 1 TL Salz, 1 Liter Milch und 250 ml Wasser. Rund 24 Stunden dauert es, bis das Brot genießbar ist. Es schmeckt etwas süßlich und wird mit dicker Butter und Fisch serviert.

Jedes Lavabrot wiegt etwa drei Kilogramm und ist ein Stück Island für den Gaumen. Wenn Siggi ein neues Brot backt, vergräbt er wiederum den Topf und legt einen Stein oben drauf. Das zeigt auch anderen Dorfbewohnern, dass an dieser Stelle ein Brot gebacken wird.

Wer die heißen Quellen einmal am eigenen Leib spüren will, schwimmt nebenan eine Runde im Thermalbad. Die Pools und Dampfbäder werden durch die Kraft der Natur erhitzt. Diese Bäder nennen die Isländer "Hot Pots" und sie sind ein wichtiger Teil ihrer Kultur. Die Einheimischen treffen sich in den kleinen und großen Pools, um sich über den neuesten Tratsch auszutauschen. Gleichzeitig bieten sie bei oft kalten Außentemperaturen eine wohlige Wärme. Heißer, man sagt sogar, heilender Dampf, steigt direkt vom Boden in den Kabinenböden der drei traditionellen Dampfbäder auf. Seit 1929 genießen sie hier die Kraft der natürlichen Dampfbäder am Laugarvatner See. Das Publikum ist gemischt. Familien mit Kindern, Senioren und junge Leute genießen die entspannte Atmosphäre. Viel isländischer kann der Ausflug kaum werden.

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Auch Tomaten gelingen mit Geothermie.

(Foto: Sonja Gurris)

Auch in Reykholt, nur wenige Kilometer entfernt von Laugarvatn, spielt die Geothermie eine zentrale Rolle. Auf dem Hof Fridheimar stehen aneinander gereiht mehrere Tomatengewächshäuser, die durch Geothermie betrieben werden. Die Energie sorgt dafür, dass die unzähligen Tomatenstauden das notwendige Licht bekommen. Ohne das und die Wärme könnte das Gemüse auf Island überhaupt nicht reifen.

Gemüseanbau nur dank Geothermie

Die Tomaten werden nicht nur für den Verkauf in Supermärkten produziert, sondern auch für die Gäste, die im Hofrestaurant speisen. Auf den Tisch kommt dabei nur Tomatiges: Säfte, Suppen, Desserts – sogar Tomatenbier gibt es. Die Besucher sitzen unmittelbar zwischen den Stauden, die Luft ist warm, überall duftet es nach reifen Tomaten. In einer Ecke des Gewächshauses hantieren zwei Frauen und topfen kleine Pflanzen ein. Und der Berg der Töpfe scheint kaum kleiner zu werden.

Anreise und Tipps

Anreise per Flugzeug: Icelandair bietet Verbindungen von Berlin, Frankfurt, Hamburg, München und Düsseldorf an. Preise ab 250 Euro für Hin- und Rückflug. Passagiere mit einem Transatlantikflug können bis zu 7 Tage ohne zusätzliche Kosten einen Zwischenstopp einlegen.


Lavabrot-Tour: Laugarvatn Fontana, Hverabraut 1, 840 Laugarvatn (https://www.fontana.is/en/rye-bread-experience)


Tomaten-Erlebnishof und Restaurant Fridheimar: Reykholt, BláskógabyggðIS-801 Selfoss (https://fridheimar.is/en)

Den Hofbetreibern ist es wichtig, dass jeder Besucher die besondere Kraft der Geothermie versteht und somit auch etwas in die isländische Natur eintaucht. Tomatenbauer Knútur Ármann spricht mit großer Begeisterung von seinem Projekt: "Wir machen hier alles mit Tomaten und versorgen damit einen Großteil des Landes. Jeder Gast bekommt bei uns eine Erklärung; ohne diesen Lernanteil geht hier niemand heraus", sagt er lächelnd.

Die Tomatenbauern stärken damit den Markt für lokale Produkte und schaffen ein alternatives Angebot zu den importierten Gemüsesorten aus Europa. Es ist ein besonderes Konzept, weil auf der von Feuer und Eis geprägten Vulkaninsel der Anbau von landwirtschaftlichen Erzeugnissen besonders schwierig ist. Die Geothermie macht die Isländer erfinderisch - und belebt die Food-Szene. Na dann, Guten Appetit - oder wie die Isländer sagen: God matarlyst!

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Pressereise von Inspired by Iceland entstanden.

Weitere Informationen über Reisemöglichkeiten finden Sie hier.

Quelle: n-tv.de

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