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Wenn ganz Hamburg Trauer trägt Abschied von Roger Cicero

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Roger Cicero starb mit nur 45 Jahren - in der Hamburger St. Gertrud Kirche wurde seiner gedacht.

(Foto: dpa)

Drei Wochen nach seinem überraschenden Tod verabschieden sich Freunde, Kollegen und Weggefährten von Roger Cicero mit einer rührenden und musikalischen Trauerfeier. Passend dazu weint der Hamburger Himmel.

Trauerfeier - das vereint zwei Worte, die zuerst gar nicht zueinander zu gehören scheinen: Es ist wirklich traurig, dass wir uns von einem jungen Mann verabschieden müssen, der tatsächlich in der Blüte seines Lebens und Schaffens stand. Aber gefeiert wird auch, denn wie könnte man sich besser von einem Sänger und Vollblutmusiker verabschieden, als das Leben und die Musik zu zelebrieren?

Vor drei Wochen ist Roger Cicero mit nur 45 Jahren gestorben, und nachdem der Sänger vor ein paar Tagen von seiner Familie und engen Freunden im kleineren Kreis beigesetzt worden war, fand am Freitag nun die große Trauerfeier für Freunde, Kollegen, Fans und viele Wegbegleiter statt.

In der Hamburger St. Gertrud Kirche im Stadtteil Uhlenhorst kommen daher 800 Gäste zusammen, darunter so bekannte wie Komiker Olli Dittrich, Jakob Sinn von Revolverheld, Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt, Sängerin Mary Roos, Koch Tim Mälzer und die "Stimme des ESC", Peter Urban. Viele Weggefährten von den Musik-Unternehmen, für die Cicero gearbeitet hat, sind gekommen, aber auch die Riege der Konzertveranstalter, die gerne mit Cicero zusammengearbeitet haben. Unter ihnen auch Dieter Semmelmann von Semmel Concerts, der in der Kirche sagt, was alle denken: "Wie kann ein Mann, der so gesund lebte, so früh sterben? Roger trank nicht, rauchte nicht, er machte Yoga und ernährte sich bewusst." Die Fassungslosigkeit ist allen Rednern auch noch drei Wochen nach dem überraschenden Tod des Sängers anzumerken.

Ein Freund wird vermisst

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Zu der Trauerfeier kamen zahlreiche Freunde und Weggefährten des Musikers.

(Foto: dpa)

Sein bester Freund lobt ihn in seiner Ansprache als einen, zu dem "man immer kommen konnte, der einem immer half. Selbst, als Rogers Erfolg immer größer wurde, konnte man sich auf ihn verlassen", so der Freund in seiner rührenden Ansprache. Auch der musikalische Leiter der Roger Cicero Band, Uwe Granitza, ist sichtlich bewegt. Er "gibt zu", dass zu seiner Trauer um den Kollegen, den Freund, den Künstler, auch das schreckliche Gefühl kommt, selbst nicht klar zu kommen mit diesem Tod, weil er einen so vieler Dinge, die sie gemeinsam geplant hatten, beraubt. Eigentlich wäre Cicero mit seiner Band jetzt auf Tour, am Freitagabend zum Beispiel in Wien, um mit seiner Sinatra-Show, auf die er sich so gefreut und akribisch vorbereitet hatte, aufzutreten.

Wer je gedacht haben sollte, dass Roger Cicero reserviert wirkte, kühl vielleicht sogar, der hatte einen falschen Eindruck; ein Eindruck, der nun revidiert wurde: Roger Cicero war ein Arbeitstier, ein verlässlicher Kollege in einem sehr anstrengenden, schnelllebigen und untreuen Business, der zu seinen Leuten stand, viel von anderen forderte und vor allem viel von sich gab. Einer, der herausragte. Seine Managerin, die wie viele andere auch ihre Tränen nicht zurückhalten konnte, würdigte die Zeit, die sie mit Roger verbringen durfte, als "Inspiration". Es ist offensichtlich, welche Lücken der Vater eines Sohnes und einziger Sohn seiner Mutter in seiner Welt hinterlässt.

Als n-tv.de den Sänger ungefähr eine Woche vor seinem Tod interviewte, fragten wir uns schon leicht besorgt, ob er sich nicht ein bisschen zu schnell nach seiner Auszeit wieder in die Arbeit stürzte - und zwar kopfüber. "Nein", lachte er die Frage leicht amüsiert weg, "diese Arbeit bedeutet mir alles, sie ist mein Leben."

Wer noch einmal nachhören möchte, wie vielseitig Roger Cicero war, der sollte sich "From The Morning" (The Roger Cicero Jazz Experience) und "Ich hätt so gern noch Tschüss gesagt" anhören.

Quelle: n-tv.de