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Noch eine letzte Runde im Porsche drehen? In zwölf Folgen ist die Geschichte von Hank Moody vorbei.
Noch eine letzte Runde im Porsche drehen? In zwölf Folgen ist die Geschichte von Hank Moody vorbei.(Foto: imago/PanoramiC)
Sonntag, 13. April 2014

Der Weg der Selbstzerstörung: "Californication" geht in die letzte Runde

Von Anna Meinecke

Fremde Frauen und viel Alkohol - was Don Draper in "Mad Men" eiskalt durchzieht, plagt Hank Moody in "Californication" in Form des schlechten Gewissens - er tut's aber trotzdem. Wenn jetzt die finale Staffel anläuft, wird es sicher wieder schmutzig. Aber wird es auch gut?

Hank Moody ist eine richtige Drecksau. Die Taschen voller Gras und den Hochprozentigen stets zur Hand, schläft er sich durch die Betten junger Schönheiten. Er nennt sich Schriftsteller. Dabei schreibt er nur selten - für den Porsche reicht es trotzdem. Das klingt gar nicht so schlecht? Ja und nein. Hank Moody ist nämlich nicht nur Lebemann und Traumblase lang verheirateter wie langzeitpubertierender Männer, er ist auch eine ganz schön gequälte Seele. Sechs Staffeln lang ließ ihn der US-Kabelsender Showtime so schmutzig scheitern wie kaum einen Zweiten. Heute Abend startet in den USA die siebte und finale Staffel "Californication". Es mag die letzte Runde für die Erfolgsserie mit David Duchovny in der Hauptrolle sein. Hank Moody bleibt aber noch genug Zeit, ein paar mehr Leben zu ruinieren.

Ganz tief drin war "Californication" immer eine Liebesgeschichte, wenn auch eine kaputte, und die Geschichte einer mindestens genauso kaputten Familie. Hank liebt Karen - schon immer, für immer. Gemeinsam haben die beiden eine Tochter, die zynische Becca. Alle bedeuten sie sich die Welt und doch fahren sie den Karren wieder und wieder gegen die Wand. Es will nicht so richtig. "Californication" beschreitet den Weg der Zerstörung. Das gilt auch für Hanks besten Kumpel und Agenten Charlie Runkle und seine Frau Marcy. Gerade erst - zum Ende der sechsten Staffel - haben sich die beiden nach ihrer Trennung wiedergefunden, doch sicher ist, auf die kantigen Charaktere wartet noch die letzte Feuertaufe. Frei nach Hanks Motto: "Ein Morgen der Peinlichkeit ist besser als eine Nacht der Einsamkeit".

Es wird gefickt und "fuck" geflucht

Bei "Californication" sind die Männer so eklig, wie sie es im politisch korrekten Jetzt nur selten sein können - und die Frauen auch. Von Beginn an war die Serie provokativ, mutig und unterhaltsam. Es wurde so viel gefickt wie "fuck" geflucht wurde. Und, ja, vielleicht muss sich die Show eingestehen, dass sie einmal zu oft versucht hat, sich selbst zu übertreffen. Dass eine Witwe bei der Beerdigung ihres Mannes vor Hank zum Blowjob auf die Knie geht, das ist nicht mehr schmerzhaft komisch oder auf abartige Weise sexy, das ist schon ganz schön geschmacklos. 12 Folgen vor dem großen Finale steht "Californication" an einem Wendepunkt. Entweder die Geschichte wird schnell wieder der schrecklich-schöne Unfall, bei dem man wirklich immer wieder hingucken muss, oder der Fernseher bleibt aus.

Bei Hank steht permanent "Home sweet home" gegen den Ruf der Wildnis. Das dürfte sich auch in Staffel sieben nicht ändern. Dafür hat er einen neuen Job. Nachdem in ganz Los Angeles niemand mehr so richtig mit ihm und seinen Launen zusammenarbeiten will, heuert er beim Fernsehen an. Er schreibt nun für die Polizeiserie "Santa Monica Cop" - für "Californication" auch eine Gelegenheit, das Showgeschäft aus einem neuen Winkel zu beleuchten. Außerdem schlagen die Macher der Show den ganz großen Bogen in die Vergangenheit: Plötzlich steht nämlich eine Ex-Freundin vor der Tür. Jahrelang hat sie Hank das gemeinsame Kind verschwiegen. Das will den Papa nun aber kennenlernen - der Stress ist programmiert.

Hank Moody wird nicht vergessen werden

Das alles klingt verdächtig nach alten Mustern, gespickt mit neuen Dramen. Eventuell - denn so ganz genau weiß man das vorher ja nie - lohnt es sich jedoch, Hank ein allerletztes Mal dabei zuzusehen, wie er sich und seine Familie durch all die Ausschweifungen hindurchnavigiert. Wie er in lichten Momenten keine schwarze Komödie mehr spielen, sondern das Richtige tun will und doch seiner Unreife und Schwäche erliegt. Hank Moodys Problem: Er hätte der biblischen Eva die Frucht vom Baum der Erkenntnis weggeschnappt, noch ehe sie ihn hätte verführen können.

Mit Exzess und schlechtem Einfluss hat es "Californication" immer wieder geschafft, kurz vor dem Happy End abzubiegen. Kritiker attestierten der Show stets die miesesten Staffelfinale, auf holprigen Pfaden ist es den Machern dennoch gelungen, vor allem unzählige echte Momente zu schaffen. Und an den von Grund auf defekten Hank Moody wird sich erinnert werden, auch wenn seine Geschichte längst fertig erzählt ist. Falls nicht, hat er sich schon in Staffel eins eine andere Perspektive geschaffen: "I probably won’t go down in history, but I will go down on your sister."

Quelle: n-tv.de