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"Die Höhle der Löwen" "Das ist doch Bullshit!"

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Party-Hosen? Was kann da schon noch schiefgehen.

(Foto: MG RTL D / Frank Hempel)

Wie kriege ich einen "Löwen" an die Leine? Mit breiter Brust und absurden Zahlen? Schwierig. Mit einer soliden Grauzonen-Präsentation? Schon besser. Mit echten Emotionen und in gebückter Haltung? Auf jeden Fall!

Die Antwort auf die Frage, wie man sich selbst und sein Unternehmen in der "Löwenhöhle" präsentiert, stellt für viele Gründer die größte Herausforderung dar. Neben dem Produkt-Oha!-Moment legen die Investoren bekanntermaßen auch viel Wert auf das Drumherum.

Spaziert man mit breiter Brust in den Löwenkäfig und setzt dabei alles auf die Die-Welt-liegt-uns-bereits-zu-Füßen-Karte? Beruft man sich ganz nüchtern auf Zahlen und Fakten und präsentiert sich im transparenten So-sieht's-aus-Modus? Oder serviert man sich und die eigene Vision eher gebeugt und bescheiden auf einem Bittsteller-Tablett?

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Die "Foodguide"-Macher Malte Steinert (l.) und Finn Fahrenkrug.

(Foto: MG RTL D / Bernd-Michael M)

In dieser Woche sind sie alle am Start: Die großspurigen Möchtegern-Visionäre, die reflektierten Hier-und-Jetzt-Unternehmer und das fragile Zweite-Frühling-Duracell-Häschen mit schlotterigen Knien. Die Löwen haben natürlich für alle ein offenes Ohr - zumindest so lange man der Ansicht ist, dass sich Ist-Zustände mit Zukunftsvorstellungen halbwegs decken.

Im Fall der beiden "Foodguide"-Gründer Malte Steiert und Finn Fahrenkrug dauert es nur wenige Minuten, bis sich die Spreu vom Weizen trennt und so manch Löwe auf Durchzug schaltet. Zwar haben die beiden Hamburger mit ihrer Tinder-für-Gourmets-App eine innovative "Vision" am Start. Aber in puncto Außendarstellung und Präsentation hakt es noch an allen Ecken und Kanten.

Eine satte Firmenbewertung in Höhe von drei Millionen Euro und bereits in der Wiege liegende Träumereien von New York, Sydney und Hongkong sorgen im Löwenkäfig für zusammengezogene Augenbrauen. Schließlich ist es Carsten Maschmeyers ausgeprägtem Familiensinn zu verdanken, dass die beiden jungen Höhenflug-Hanseaten hier und heute nicht geteert und gefedert vom Hof gejagt werden. Mit stattlichen 31,6 Prozent steigt der Ferres-Gatte ein. Darauf einen Schluck Johannisbeersaft.

Frank Thelen ist mal wieder außer sich

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Investor Frank Thelen.

(Foto: MG RTL D / Bernd-Michael Maurer)

Die beiden "Nomophobie"-Allergiker Sener Abanozoglu und Nejmettin Cinar wollen mit ihrer Erfindung ebenfalls in die große, weite Welt hinaus. Mit im Gepäck haben die beiden Hauptstädter ein vermeintlich revolutionäres Hardware-Paket für kabelloses Akkuaufladen. Sener und Nejmettin sind sich sicher: Mit "FluxPort" gehören saft- und kraftlose Smartphones bald der Vergangenheit an.

App- und Technik-Experte Frank Thelen schlägt jedoch schon nach wenigen Augenblicken die Hände vors Gesicht. Die scheinbar einzig und allein auf dem Fundament "Hoffnung" gebettete Firmenbewertung in Höhe von neun Millionen Euro bläst auch die letzten Lichter in der Löwenhöhle aus. No Deal! "Frechheit", "Murks", "Das ist doch Bullshit": Frank Thelen ist mal wieder außer sich. Nur mit Mühe kann der wild fauchende Investor wieder gebändigt werden. Ein hoch getragenes Business-Näschen ist nun mal noch lange keine Garantie für begeisterten Löwen-Applaus.

Eine Etage tiefer - auf der seriösen und soliden Wir-können-unser-Produkt-und-dessen-Wert-ganz-gut-einschätzen-Ebene - gestaltet sich eine Begegnung mit den Löwen schon wesentlich vielversprechender. Sicher, nicht alles und jeder wird mit Kusshand begrüßt. Manchmal ist das vorgestellte Produkt wie im Fall des "Rasenreich"-Reaktionsballs einfach zu "nischig".

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Die "Löwen" bekommen "Bone Brox" serviert, eine Knochenbrühe.

(Foto: MG RTL D / Bernd-Michael Maurer)

Andere Angebote, wie das der "Bone Brox"-Gründer Konrad Knops und Jin-Woo Bae (Kraftbrühe für die Masse) scheitern an nicht vorhandenem Verhandlungsgeschick. Aber Fakt ist: Je geerdeter der Gesamtauftritt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man in der Löwenhöhle zumindest in Reichweite eines Investoren-Handschlags kommt.

Angelika Hansen hat ihre Hausaufgaben gemacht

Nun stellt sich eigentlich nur noch die Frage: Gibt es einen Weg, der sicher und ohne Umwege an die Pforten des Löwenolymp führt? Ja, den gibt es. Man muss dafür nur zwei Dinge im Gepäck haben: eine halbwegs brauchbare und innovative Erfindung und eine bescheidene Feuer-und-Flamme-Präsentation.

Die 50-jährige Angelika Hansen hat diesbezüglich ihre Hausaufgaben gemacht. Die durchaus beeindruckende Qualität ihrer Festival-Latzhose "Rubber BÜX" spielt letztlich nur eine untergeordnete Rolle. Viel entscheidender ist die Art und Weise, wie die aus Bremerhaven stammende Powerfrau ihre Lebensgeschichte in die Produktpräsentation mit einbezieht.

Angelika macht sich komplett nackig. Die verstorbene Mutter, der festivalverrückte Sohnemann, verrückte Schlammgeschichten aus Wacken, Scheeßel und Co., sowie der gelebte Traum von einem zweiten Business-Frühling: Da geht den beiden Löwinnen in der Runde sofort das Herz auf.

Der Lohn für das komplette Programm: Ein Doppel-Deal mit Dagmar Wöhrl und Judith Williams. Und so hüpft Angelika Hansen mit Tränen in den Augen und einem breiten Grinsen im Gesicht aus dem Studio - vorbei an immer noch schwitzenden "Foodguide"-Gründern und dumm aus der Wäsche guckenden Handy-Nerds aus Berlin.

Quelle: n-tv.de

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