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Immerhin: Haare abrasieren kommt für Kanye West nicht in Frage
Immerhin: Haare abrasieren kommt für Kanye West nicht in Frage(Foto: REUTERS)
Dienstag, 22. November 2016

"Ich bin nicht verrückt!": Der Britney-Spears-Moment des Kanye West

Er vergleicht sich mit Steve Jobs, mit Andy Warhol oder auch mit Google. Größenwahn und Genialität haben Kanye West berühmt gemacht. Aber diesmal hat der US-Rapper sich offenbar selbst ausgeknockt.

Kanye West liegt im Krankenhaus. Seine Tour ist abgesagt. Totale Erschöpfung, sagt sein Management. Psychische Probleme, werden namenlose Nahestehende zitiert. West sei freiwillig in die Klinik gegangen, sagt seine Entourage. Er wurde in Handschellen abgeführt, schreibt das US-Klatsch-Blatt "tmz". Die Wahrheit liegt wie immer dazwischen. Doch beides klingt nach Kollaps: Kanye Wests ganz persönlicher Britney-Spears-Moment - wenn auch ohne Kopfrasur.

"Wutrede" nennen Medien Wests letzten Auftritt in Sacramento am vergangenen Samstag, der mit einem Mic-Drop, dem Abbruch der Show nach nur zwei Songs und der Absage der gesamten "Saint Pablo"-Tournee endete. Man könnte aber auch öffentliche Kernschmelze dazu sagen.

Chronik eines angekündigten Zusammenbruchs

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"Ich wurde geschickt, um euch meine ganze Wahrheit zu geben. Auch auf die Gefahr hin, dass es mich mein Leben kostet", schrie der Popstar ins Mikrofon, der sich so gern mit Jesus identifiziert, der seine Kunst als Geschenk an die Welt sieht, der jedes Mal ausflippt, wenn die Welt es ihm nicht dankt. Allerdings klingt seine neueste Bühnen-Rage über den On/Off-Feind Jay-Z, über Hillary Clinton und Mark Zuckerberg eher verzweifelt. Verwirrt springt West von Jay-Z' Killern, die auf ihn angesetzt seien, zu einer neuen Welt der Gefühle, die die alte Welt abgelöst habe. Das Publikum ist zuerst sprachlos, dann wird West ausgebuht. Doch sogar der Habitus des unverstandenen Genies will nicht mehr funktionieren. Er hat seine Show vergessen, wundert sich Show-Biz-Kollege Snoop Dog, der auf Instagram kurze Videos veröffentlicht hat, in denen er Wests Auftritt kommentiert. Er erklärt ihn für verrückt, fragt sich, welche Drogen da wohl im Spiel seien. Dabei ist dieser Zusammenbruch eigentlich ein angekündigter gewesen.

West hat einen Sprint von 20 Jahren hinter sich. Als Produzent, als Rapper, als Songwriter, als Designer, als Geschäftsmann hat der gerademal 39-Jährige ein schillerndes Kanye-West-Universum geschaffen. Kanye West ist eine millionenschwere Marke - in der Musik, in der Mode, im Celebrity-Geschäft. Er gilt als einer der wichtigsten Musiker des 21. Jahrhunderts, hat mehr als 32 Millionen Alben verkauft (plus angeblich 100 Millionen Downloads), hat bisher 21 Grammys eingesammelt. Seine Alben finden sich in den Listen der besten Alben aller Zeiten wieder, und seine Person rankt regelmäßig in "Time" und in "Forbes".

"Die Show ist vorbei"

Der selbsternannte "größte Rockstar aller Zeiten" ist zugleich auch einer der öffentlichsten. Sein Privatleben muss – nicht erst seit der Ehe mit Kim Kardashian – einer permanenten Realityshow entsprechen, jedes seiner Worte scheint er der Veröffentlichung würdig zu finden. "Ich bin nicht verrückt, ich bin nur wahrhaftig", hat er es selbst einst genannt. Aber wenn "Me" die ultimative Show ist, bleibt nicht ein Sekunde "Me"-Time übrig. Und nun ist Wests eigene vielgerühmte "Wahrheit" offensichtlich auf ihn eingestürzt. "This is a new world" gilt auch für Kanye West. Kein Wunder, dass der "Heilsbringer" am Ende ist.

"Seid bereit für die große Party", hat er in Sacramento an die Presse gewandt gerufen, bevor er das Mikrofon zu Boden warf: "Denn die Show ist vorbei." Dabei weiß doch eigentlich niemand besser als er selbst, dass die Show weitergehen muss. Immer.

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Quelle: n-tv.de