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Fair, regional, rechtsradikal Der Schwarzwald-"Tatort" im Schnellcheck

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Kommissar Berg (Hans-Jochen Wagner, r.) und Bio-Nazi Volkmar (Nicki von Tempelhoff) schnapseln miteinander.

(Foto: SWR/Benoît Linder)

Eine junge Frau stirbt unerwartet an Diabetes, die Kommissare Berg und Tobler sollen ihren Tod untersuchen. Während Tobler Mord vermutet, lässt sich ihr Kollege von einem alten Schulfreund, der sich als Bio-Nazi entpuppt, einwickeln.

Das Szenario

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Volkmar und seine Sippe helfen Kommissar Berg bei der Ernte.

(Foto: SWR/Benoît Linder)

Auf dem Bio-Bauernhof der Böttgers im Hochschwarzwald stirbt die älteste Tochter Sonnhild (Gro Swantje Kohlhoff) an Diabetes. Ein ungewöhnlicher Tod, die Krankheit ist heutzutage eigentlich gut zu behandeln. Die Kommissare Berg (Hans-Jochen Wagner) und Tobler (Eva Löbau) sollen der Sache deshalb auf den Grund gehen. Während Tobler mehr als nur eine schlichte Fehlbehandlung hinter dem Tod Sonnhilds vermutet, möchte ihr Kollege den Fall so schnell wie möglich abschließen, um die Familie in Ruhe trauern zu lassen.

Berg, der den Vater der Verstorbenen, Volkmar Böttger (Nicki von Tempelhoff), noch aus Schulzeiten kennt, sympathisiert mit dem ursprünglichen Lebensstil und den traditionellen Anbaumethoden der Böttgers und lässt sich von der Sippe lieber bei der Ernte auf dem eigenen Hof helfen, statt ernsthaft gegen sie zu ermitteln. Ein Fehler, denn die Böttgers entpuppen sich als völkische Siedler der ganz harten Sorte, die sich selbst als "Wehrbauern gegen die Umvolkung" sehen und von einem "Bollwerk gegen den Volkstod" träumen. Als besonders radikal tut sich Sonnhilds Gatte in spe hervor: Torsten (David Zimmerschied) ist Mitglied einer Heimatschutzstaffel und war eng mit einem V-Mann verbandelt, der kurz vor seiner Aussage in einem wichtigen Prozess unerwartet an Diabetes verstarb. Ein Zufall?

Die eigentliche Botschaft

Wer gut zu Pflanzen und Tieren ist, muss noch lange kein Menschenfreund sein: "Sonnenwende" thematisiert das Phänomen der völkischen Siedler, das kein ganz kleines mehr ist: Mehr als 1000 Bio-Nazis soll es in Deutschland geben.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Nicht mal mehr den Bio-Bauern kann man heutzutage noch trauen. Wer hätte das gedacht? Und was sagen eigentlich die Bio-Verbände zu dieser kostenlosen "Werbung"?

Der Plausibilitätsfaktor

In weiten Teilen recht hoch: Die Unterwanderung der Bio-Szene durch rechte "Wehrbauern" ist Realität und kommt im Film glaubhaft rüber. Die Verwicklung des Staatsschutzes dagegen ist zwar wahrscheinlich auch nicht allzu weit hergeholt, aber so klischeehaft und holzschnittartig erzählt, wie man es in den vergangenen Jahren leider schon öfter erleben musste.

Die Bewertung

7 von 10 Punkten. "Sonnenwende" ist ein spannender Krimi, der nach einem leicht behäbigen Beginn ordentlich aufdreht. Abzüge gibt es lediglich für den Staatsschutz-Erzählstrang, der billig und aufgepropft wirkt.

Quelle: ntv.de