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Uns trifft ja keine Schuld Die Vollpanne "Promi Big Brother"

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Ein Highlight der Show. Georgina Fleurs Intimrasur.

(Foto: Sat.1)

Elf Tage ist "Promi Big Brother" inzwischen auf Sendung. Elf Tage, die lustig hätten werden können. Doch statt auf den Spuren des "Dschungelcamps" zu wandeln, geriet die Show zum Desaster. Da half auch nackte Haut nichts. Bringt nun Pamela Anderson die Wende?

Ob "Dschungelcamp" oder "Die Alm", ob "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) oder "The Voice Of Germany", ob "Bauer sucht Frau" oder "Schwer verliebt" - es gibt Leute, die das alles mehr oder weniger über einen großen Kamm scheren. "Trash TV" lautet die Überschrift, unter der sie dann sämtliche Casting-, Reality- und C-Promi-Formate subsumieren und zum Teufel wünschen. Ihnen zu erklären, dass eine korrekte Mülltrennung auch in diesen Fällen geboten ist, ist vergebene Liebesmüh. Wer jedoch nicht gleich alle Unterhaltungssendungen der Marke "Trash" unsortiert in die Tonne tritt, weiß um die Unterschiede.

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Außer Spesen nicht viel gewesen: die Live-Bühne von "Promi Big Brother" in Berlin-Adlershof.

(Foto: dpa)

Wie etwa eine Show mit einem Haufen Pseudo-Prominenter satirisch-bissig bestens funktionieren kann, exerziert "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" seit Jahren vor. Und dass gut gemachte Casting-Formate auch jenseits des Krawalls tatsächlich immer noch Spaß machen können, belegte "The Voice Of Germany". Auch "Big Brother" entpuppte sich einst als erfolgreiches Konzept - ehe es in x-fachen Wiederholungen, in denen die Teilnehmer die Mechanismen der Sendung längst durchschaut hatten und zu beeinflussen versuchten, totgeritten schien.

Dennoch: "Promi Big Brother" hätte durchaus was werden können - als neuartiger Hybrid zweier altbewährter Formate. Dass sich die mit Prominenten gepimpte Container-Show den großen Bruder "Dschungelcamp" zum Vorbild nehmen wollte, ist schließlich kein Geheimnis. Und mit Sender-Dino Sat.1, den Moderatoren Oliver Pocher und Cindy aus Marzahn sowie der Produktionsfirma "Endemol", die etwa auch für "Wer wird Millionär?" verantwortlich zeichnet, sollten bei "Promi Big Brother" eigentlich auch keine Amateure am Werk sein. Eigentlich.

Abgekartetes Spiel?

Doch es fing schon alles schlecht an. Nach allzu vollmundigen Ankündigungen erwies sich die Offenbarung der tatsächlichen Belegschaft des TV-Knasts als gnadenlose Enttäuschung - inklusive YouTube-Sternchen, DSDS-Niete und Möchtegern-Millionärsgattin. Schließlich kam die Sendung sogar so herunter, dass sie einstige "Dschungelcamp"-Bewohner noch einmal recycelte - wie Trash-Tussie Georgina Fleur, die in jüngster Zeit kaum ein entsprechendes Format ausgelassen hat. Da durfte sich der Zuschauer schon auch mal verschaukelt fühlen.

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Schon längst wieder in Freiheit: David Hasselhoff.

(Foto: dpa)

Ganz zu schweigen von der Personalie David Hasselhoff. Als er nach gerade einmal vier Tagen im Container das Handtuch warf, verlor die Show nicht nur ihr bis dato einziges wirklich einigermaßen prominentes Aushängeschild. Sie büßte auch jedwede Glaubwürdigkeit ein. Dass der "Knight Rider" tatsächlich nur wegen seines kranken Vaters "Big Brother" den Laufpass gab, wollte man schon bei seinem Auszug  nicht so recht glauben. Zurück in der Freiheit, ließ er sich dann ganze fünf Tage für den ach so dringenden Krankenbesuch Zeit. Das roch erst recht nach abgekartetem Spiel.

Doch nicht nur "The Hoff" hatte offenbar von Anfang an gar kein wirkliches Interesse daran, die maximal zwei Wochen im TV-Knast abzusitzen. Auch Sarah Joelle Jahnel (ja, die einst 14. bei DSDS) packte freiwillig vorzeitig die Koffer - wegen ihrer kranken Oma. Der ehemalige "The Voice Of Germany"-Kandidat Percival Duke freute sich in erster Linie über die Werbewirkung des Container-Intermezzos für seine neue Single, als er vom TV-Publikum nach Hause geschickt wurde. Ex-"No Angel" Lucy Diakovska bettelte geradezu um ihren Rauswurf, indem sie sich immer wieder bereitwillig von ihren Mitinsassen für das Zuschauervotum nominieren ließ. Und auch der frühere "Berlin Tag & Nacht"-Darsteller Jan Leyk wirkte nicht gerade unglücklich darüber, endlich wieder Party machen zu können, nachdem ihn das Publikum am Montagabend abserviert hatte.

Angst vor der eigenen Courage

Es ist ein wahrlich lustloser Haufen, der da seit elf Tagen Abend für Abend aus dem "Big Brother"-Haus in unsere Wohnzimmer lugt. Den Bewohnern, denen die Gage für ihren Einsatz vermutlich wichtiger ist als die zweifelhafte Ehre, die Show als Sieger zu verlassen, mochte man das noch verzeihen. Den Machern der Sendung indes nicht. Nicht nur, dass sie anscheinend vergessen haben, die Insassen durch drohende Gagenkürzungen bei vorzeitigem Auszug zu motivieren. Auch sonst geriet die Sendung bislang so lust-, zahn- und konzeptlos, dass es einem Desaster gleichkommt.

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Tolles Spiel! Natalia Osada und Jan Leyk als menschliche Zitronen.

(Foto: obs)

Spielchen wie das Zerstampfen von Trauben, das Auflösen eines Eisblocks oder wahlweise eines Stücks Seife durch vollen Körpereinsatz wurden zur ellenlangen Qual. Sanktionen für nicht erledigte Aufgaben wie eine Nacht im kuscheligen Schlafsack im "Strafbereich" oder aber Belohnungen wie ein Telefonat mit einer Bezugsperson in der Außenwelt nach gerade mal einem Tag im Container wurden zur kompletten Lachnummer. Wenn Cindy aus Marzahn die in Einspielfilmen gezeigten Ereignisse im Haus kommentierte, musste man sich ernsthaft Sorgen machen, dass sie - oder man selbst - dabei einschläft. Vorausgesetzt, es ereignete sich überhaupt irgendetwas. Entweder mangelte es an jeglichen Höhepunkten im Container. Oder "Big Brother" bekam es nicht gebacken, sie zu zeigen.

Wie ein roter Faden zog sich von Anbeginn der Show der Eindruck durch, dass der einstige "Kuschelsender" Sat.1 am Ende Angst vor der eigenen Courage bekommen hatte. Nach dem Motto "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass" wollte man das "Dschungelcamp" offenbar imitieren, ohne dabei jedoch den Insassen wirklich zu nahe zu treten und an satirische Grenzen gehen zu wollen. Stattdessen verlegte man sich in der Hilflosigkeit, wie man den in der Folge auch drastisch eingebrochenen Zuschauerzahlen begegnen sollte, noch lieber auf nackte Tatsachen.

Alles "toll" hier

Dass nun ausgerechnet Ex-Badenixe Pamela Anderson den Rettungsanker für "Promi Big Brother" auswerfen soll, ist da nur konsequent. Ein paar schlagende Argumente hat sie ja. Und vier Tage vor dem Ende der Show präsentiert Sat.1 mit ihr wenigstens endlich mal einen adäquaten Ersatz für ihren früheren "Baywatch"-Buddie Hasselhoff.

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Die letzte Hoffnung: Pamela Anderson.

(Foto: dpa)

Aber: Dass Silikon, Busenblitzer und Bikini-Planschereien im Pool allein auch noch keine Quoten-Garanten sind, hat "Promi Big Brother" bereits in den vergangenen Tagen schmerzlich erfahren müssen. Für den Erfolg eines derartigen Formats gilt nun mal eine alte Binsenweisheit: "Wo gehobelt wird, da fallen Späne." Und damit sind nicht die Bilder von Georginas Intimrasur gemeint.

Nirgendwo sonst in der Show wurde die Elan- und Mutlosigkeit so greifbar wie - wer hätte das gedacht? - ausgerechnet beim Moderatorenpaar. Cindy aus Marzahn wollte man am liebsten "Augen auf beim Eierkauf" zurufen. Beinahe konnte man meinen, dass der Schnodderschnauze ihr Wechsel von Eiswürfeln im Schritt bei "Wetten dass..?" zu C-Promis im Container selbst peinlich ist. "Uns trifft ja keine Schuld", "Wir können nichts dafür", "Wir haben damit nichts zu tun", "Ich hab mir das nicht ausgedacht" - Sätze wie diese fielen vor allem in den ersten Ausgaben von "Promi Big Brother" gefühlt beinahe im Minutentakt. Statt bissiger Pointen setzte es Lobhudeleien und Solidaritätsbekundungen mit den ganzen "tollen" Menschen und Dingen im und vor dem Container: "Tolle Frau" (Jenny Elvers, Natalia Osada), "Toller Mann" (Hasselhoff, Fancy), "Tolles Match", "Toller Song" ("Papaoutai" von Stromae).

Die U17-WM der Frauen

Auch die Kommunikation zwischen Pocher und Cindy verhedderte sich nur allzu oft in Floskeln wie "Das ist richtig" und "Selbstverständlich". Drohten dabei mit ihm einmal die Pferde durchzugehen (und es vielleicht wirklich für einen Moment lustig zu werden), war sie stets bemüht, ihm flugs wieder Zügel und Maulkorb zu verpassen. Doch wie will jemand, der sich fortwährend von seinem eigenen Format distanziert, die Zuschauer dafür begeistern? Wichtig wie eine Fußball-WM sei dem Sender "Promi Big Brother", tönte es im Vorfeld seitens Sat.1. Über die Bedeutung einer U17-WM der Frauen kam die Sendung auf diesem Niveau jedoch bislang nicht hinaus.

Die sicher nicht ganz günstige Verpflichtung von Pamela Anderson ist dementsprechend wie ein letztes verzweifeltes Aufbäumen, das Ruder kurz vor knapp womöglich doch noch einmal herumzureißen. Denn den Machern scheint die Vollpanne, die sie mit der Show aufs Parkett gelegt haben, längst selbst bewusst geworden zu sein. Geradezu bezeichnend dafür war ein Dialog, den sich Pocher und Cindy in der Sendung am vergangenen Freitag lieferten, während sie auf der Bühne durch den Regen stapften:

Cindy aus Marzahn: "Du, wenn wir untergehen, dann gemeinsam, oder?"
Oliver Pocher: "Und wir sind auf einem sehr guten Weg."
Cindy aus Marzahn: "Selbstverständlich."

Quelle: n-tv.de

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