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Wiener Epidemie-"Tatort" Ebola in Österreich

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Ein Loch im Kopf, Ebola im Körper: In Österreich herrscht der Ausnahmezustand.

(Foto: ARD Degeto/ORF/Epo Film/Hubert M)

Der "Tatort" meldet sich aus der Sommerpause zurück - und hat eine tödliche Krankheit im Gepäck: Eisner und Fellner ermitteln in der mehr oder weniger ebolaverseuchten Steiermark. Am Ende wartet ein Cliffhanger, der irgendwie doch keiner ist.

Flüchtlings-"Tatorte" sind en vogue: Gleich ein halbes Dutzend Mal lieferte der Streit über die Aufnahme von Asylsuchenden in der vergangenen Saison den Hintergrund für einen Mordfall am Sonntagabend, von sehr schlecht bis sehr gut war qualitätstechnisch alles dabei. Dass sich die Krimireihe aus der langen Sommerpause nun ausgerechnet mit einem Flüchtlings-"Tatort" zurückmeldet, ist also nicht wirklich überraschend - ganz im Gegensatz zum Dreh der Geschichte.

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Hat einen Fluchthof in der Steiermark gegründet: Albert Reuss (Andreas Kiendl)

(Foto: ARD Degeto/ORF/Epo Film/Hubert M)

Im guineischen Conakry wütet eine Ebola-Epidemie: Menschen werden auf engstem Raum zum Sterben zusammengepfercht, die Ärzte sind hilflos, die Angehörigen verzweifelt. "Virus" startet verstörend und wechselt dann mit einem abrupten Schnitt in die alpenländische Idylle eines steiermärkischen Dorfes. In Pöllau hat ein Mediziner (Andreas Kiendl), der seit Jahren für verschiedene Hilfsorganisationen in Afrika tätig war, einen Fluchthof für Asylsuchende eröffnet und ein kleines Paradies erschaffen - bis in einem nahen Steinbruch ein Toter gefunden wird, der nicht nur ein Loch im Kopf, sondern auch Ebola im Körper hat.

"Gastfreundlich ist man zu den Touristen"

Die Wiener Ermittler Eisner (Harald Krassnitzer) und Fellner (Adele Neuhauser) versuchen, im Chaos der schnell greifenden Seuchenschutzmaßnahmen den Mörder zu stellen - ein spannender Ansatz, der etwas darunter leidet, dass Drehbuchautor Rupert Henning die Themen Flucht und Krankheit unbedingt miteinander verbinden möchte, obwohl sie am Ende - zumindest in diesem "Tatort" - nur lose assoziiert sind. Statt sich voll und ganz auf die Virushatz konzentrieren zu können, muss Regisseurin Barbara Eder deshalb viel Zeit dafür aufbringen, das bei Rechtspopulisten beliebte Vorurteil ("Die bringen Krankheiten mit") wieder zu entkräften.

Dabei wäre natürlich auch ein reiner Flüchtlingskrimi aus der Alpenrepublik ein lohnendes Thema gewesen. Zum einen, weil der österreichische Außenminister Sebastian Kurz ohnehin gerne bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Grenzen schließen will, zum anderen, weil die öffentliche Meinung sich dann doch deutlich von der in Deutschland unterscheidet: "Wir sind in Österreich: Gastfreundlich ist man hier zu den Touristen, bei anderen Besuchern unseres Landes schaut das anders aus", bringt es Ermittler Eisner auf den Punkt.

Stattdessen rückt die Flüchtlingsfrage mit zunehmender Filmdauer immer weiter in den Hintergrund, um eher allgemein formulierten Ethikdiskussionen Platz zu machen: Die sind nicht immer auf den Punkt, genau wie der manchmal schon arg bemühte Humor. Drehbuchautor Henning will damit wohl das Grauen der tödlichen Krankheit unterstreichen, indem er es näher an die Zuschauer heranrücken lässt, erreicht damit aber das genaue Gegenteil. Trotzdem: "Virus" ist ein mehr als ordentlicher Krimi, auch wenn der Cliffhanger am Ende dieses "Tatorts" kaum Spuren hinterlässt.

Quelle: ntv.de