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"Die beste Show" Er füllt "Harry Potter" mit Magie

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Boris Neureiter (2.v.l.) mit den restlichen Produzenten der Show.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ab März 2020 wird das Theaterstück "Harry Potter und das verwunschene Kind" in Hamburg aufgeführt. Boris Neureiter ist der Technische Leiter der Inszenierung. Er und sein Team sind für Spezialeffekte, Licht, Sound und vieles mehr verantwortlich. Sie sind diejenigen, durch die die Magie entsteht. Im Interview mit n-tv.de erzählt Boris Neureiter von den Herausforderungen und Patzern, aber auch dem Spaß an der Produktion einer Show voller Magie und Geheimnis.

n-tv.de: Wie groß ist die Produktion und wie viel Zeit hat sie in Anspruch genommen?

Boris Neureiter: Ich bin seit etwa einem Jahr dabei. Nach ersten Planungen bauen wir seit dem 1. Mai das Theater um. Wir bauen hier wirklich alles für Harry Potter um und schneiden es auf die Produktion zu.

Sind Probleme aufgetreten?

Beim Aufbau einer Produktion treten immer Probleme auf, wir sind aber unfassbar modern mittlerweile, mit 3D-Zeichnungen und so weiter. Trotzdem übersieht man manchmal etwas, wenn es zum Beispiel nicht so gezeichnet ist, wie es dann in Wirklichkeit sein soll. Also gibt es immer Momente, wo man nacharbeiten muss, weil irgendetwas nicht funktioniert. Es hält sich sehr im Rahmen, wir sind noch nicht an einen Punkt gestoßen, wo wir sagen mussten, jetzt wissen wir gerade nicht weiter, jetzt müssen wir vielleicht nochmal stoppen und nachdenken. Bis jetzt, toi toi toi, läuft alles sehr gut.

Was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?

Diese Produktion macht eigentlich durchgehend viel Spaß. Hier wird alles unglaublich aufwendig produziert, mit sehr, sehr viel Liebe zum Detail. Das ist das, was Spaß macht. Die Show ist wirklich toll konzipiert, es gibt ein unheimlich hohes Level an Genauigkeit, Präzision und technischem Know-How hier.

Wird diese Produktion eins zu eins wie die in London sein oder gibt es Änderungen?

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Die Inszenierung in London war und ist noch immer ein Riesenhit. Wird die Show in Hamburg da mithalten können?

(Foto: picture alliance / dpa)

Es gibt immer ein paar ganz kleine Änderungen, die ein bisschen technisch- und hausspezifisch sind, weil in dem einen Haus etwas besser oder schlechter geht. Prinzipiell sind wir sehr nah dran an London, wobei die Show natürlich in den einzelnen Ländern und Städten eine gewisse Entwicklung durchmacht, und wir als "letzter" vermutlich die größten Entwicklungsschritte mitnehmen. Deswegen dürfte es mit die beste Show sein, die wir zeigen. Aber prinzipiell ist es natürlich die gleiche Show in allen Ländern.

Stehen Sie in Kontakt mit den Produzenten der Show in London?

Nicht mit den Produzenten in London, aber natürlich mit den Designern, mit den technischen Leitern und mit dem technischen Team in London, da ist der Kontakt sehr eng.

Haben Sie von gewissen technischen Patzern in London gehört und konnten Sie aus diesen lernen?

London war der erste Standort. Da wurde, glaube ich, viel hineingebaut, ohne genau zu wissen, wo die Reise hingeht. Mittlerweile ist die Show sehr weit entwickelt. Ich glaube, wir profitieren von vielen Fehlern, die vielleicht schon einmal gemacht wurden.

Arbeiten Sie, wie auch in London, mit Show-Zauberern zusammen, damit die Effekte echter wirken?

Ja, wir haben auch jemanden da, der die Illusionen koordiniert und auch die Leute trainiert, um alles richtig zu machen und keine Tricks zu verraten, sodass dieselbe Magie wie auch in London erzeugt wird.

Wo liegen die Herausforderungen bei Licht und Sound für solch eine Show?

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Auf der bisher noch unfertigen Bühne soll die "beste "Harry Potter"-Inszenierung überhaupt" aufgeführt werden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Herausforderung beim Ton ist, dass es ja nun kein Musical ist, sondern ein Theaterstück, und dass der gesprochene Inhalt unglaublich wichtig ist. Man muss die Geschichte verstehen, man muss die Wörter verstehen, man muss jede einzelne Passage verstehen. Das heißt, es ist nicht wie bei einem Musical, wo die Musik einen Teil des Inhalts des Stücks transportiert. Hier sind es Stimmen und Bilder, und das ist das Zusammenspiel aus Licht, Ton und Bühnenbild.

Wie viele Mitarbeiter sind in der Technik beschäftigt, um diese Show möglich zu machen?

Ich kann nicht genau sagen, wie die Showcrew am Ende aussehen wird, aber es werden circa 50 Leute sein, die dafür verantwortlich sind, dass diese Veranstaltung reibungslos läuft. Es gibt Mitarbeiter, die für das Licht verantwortlich sind, Programmierer, Leute, die klettern, und Leute, die die Automation betreiben, warten und pflegen. Es gibt zusätzlich ein eigenes Team, das an den Tagen, an denen keine Veranstaltung stattfindet, hier ins Haus kommt und schaut, dass alles auf einem Standard bleibt, der so ist wie am ersten Tag.

Bei welchen anderen Produktionen haben Sie mitgewirkt?

Oh, ob ich die noch zusammenkriege! Es waren sehr viele, ich mache das schon sehr lange. Ich habe etwa bei der großen "Cats"-Tournee mitgewirkt, mit der wir im Zelt über zwei Jahre mit 60 LKWs und nur sehr kurzen Umbauzeiten rumgereist sind. Auch bei "Spamalot" war ich dabei. Das war eine der großen Shows, die ich zusammen mit Mehr-BB Entertainment produziert habe, stattgefunden hat sie in unserem Theater in Köln.

Es wurde ja bereits erwähnt, wie teuer diese Inszenierung sein wird. Ist sie mit die teuerste, bei der Sie mitgewirkt haben?

Es dürfte mit Abstand sogar die teuerste Produktion sein, bei der ich mitgewirkt habe. Es ist halt immer eine Mischung aus Zeit und Geld, welche die Sachen spannend macht. Viel Geld beinhaltet oft auch viel Zeit. Es ist eine sehr komplexe Show. Aber wir versuchen, alles dranzusetzen, es leicht aussehen zu lassen.

Mit Boris Neureiter sprach Yael Lazarovic

Quelle: ntv.de